Meryl Streep
Am 22. Juni 1949 wurde Meryl Streep in New Jersey geboren. Bildrechte: dpa

70. Geburtstag Die großen Rollen der Meryl Streep

Meryl Streep ist wohl eine der vielseitigsten Filmschauspielerinnen. Und das schon seit über vier Jahrzehnten. Sie kann dramatisch spielen wie in "Kramer gegen Kramer", machtbesessen wie in "Der Manchurian Kandidat" oder humorvoll wie in "Der Tod steht ihr gut". Selbst als Actionheldin wusste sie zu überzeugen. 21 Mal wurde sie für den Oscar nominiert, drei Mal hat sie ihn erhalten: für "Sophies Entscheidung", "Kramer gegen Kramer" und "Die Eiserne Lady". Jetzt ist sie 70 Jahre alt geworden.

von Hartwig Tegeler, MDR KULTUR-Filmexperte

Meryl Streep
Am 22. Juni 1949 wurde Meryl Streep in New Jersey geboren. Bildrechte: dpa

Seit Ende der 70er-Jahre ist Meryl Streep in Filmen zu sehen. Breiter kann man sich die Spannbreite der von ihr gespielten Figuren kaum vorstellen. Angefangen bei "Julia" (1977) und Michael Ciminos "Die durch die Hölle gehen" (1978) bis zur Darstellung von Maggie Thatcher in "Die Eiserne Lady" (2011) oder der Verlegerin der Washington Post, Katharine "Kay" Graham, in Steven Spielbergs Film von 2017.

Dustin Hoffman und Meryl Streep in 'Kramer gegen Kramer'
Dustin Hoffman und Meryl Streep in dem Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer" Bildrechte: imago/United Archives

Fragile Schönheit

Die politisch engagierte Schauspielerin, Mutter von vier Kindern, die sich für Abrüstung, Umweltfragen und für die Gleichberechtigung der Frauen in der Filmindustrie einsetzt, spielte Drama, Tragödie, Auschwitz-Drama, aber auch Komödie.

Meryl Streep hält ihren Oscar
Meryl Streep mit einem ihrer Oscars Bildrechte: imago/ZUMA Press

In dem oscarpremierten Film "Sophies Entscheidung" (1982) wirkt sie unfassbar schön. Doch in dieser Schönheit ist auch schon eine physische Ambivalenz spürbar. Denn es ist unvorstellbar, was man später über die Geschichte dieser Holocaust-Überlebenden erfahren muss. Dass sie sich in Auschwitz entscheiden musste, ob sie ihren Sohn oder ihr Tochter ermorden lässt.

In ihrer Rolle sagt sie dann "Jan, mein lieber kleiner Sohn kam in ein eigens dafür vorgesehenes Lager, das sogenannte 'Kinderlager'. Und mein kleines Mädchen Eva wurde ins Krematorium 2 geschickt." Bei Streep ist sofort zu spüren, dass diese Sophie eine Zerstörte ist und dass darin die verstörende Intensität ihrer Schönheit liegt. Für diese Darstellung Worte zu finden, ist nicht möglich.

Selbst als Actionheldin überzeugend

Menschen in einem Schlauchboot
In "Am wilden Fluss" gab es viel Nervenkitzel Bildrechte: imago/Prod.DB

Einmal, 1984, spielt sie sogar eine Actionheldin. In Curtis Hansons Film "Am wilden Fluss" von 1994 ist sie als toughe Gail Hartman zu sehen, bei der ein Urlaubstrip mit Hund, Sohn und Mann auf einem Gebirgsfluss zum Albtraum wird. Die Story ist nicht originell, aber die starke Frauenfigur beeindruckt, eben auch als Variante zum Scheidungskrama "Kramer gegen Kramer" oder im romantischen Epos "Jenseits von Afrika". Ihr Mutter habe sie für verrückt erklärt, solch eine Actionheldin zu spielen, erzählte Meryl Streep später kichernd.

Meryl Streep - eine Karriere in Bildern

Dustin Hoffman und Meryl Streep in 'Kramer gegen Kramer'
In den Folgejahren ging Streeps Karriere steil nach oben: Sie spielte in "Die durch die Hölle gehen" und "Manhattan" mit. Für das Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer" erhielt Streep 1980 ihren ersten Oscar als beste Nebendarstellerin. Bildrechte: imago/United Archives
Dustin Hoffman und Meryl Streep in 'Kramer gegen Kramer'
In den Folgejahren ging Streeps Karriere steil nach oben: Sie spielte in "Die durch die Hölle gehen" und "Manhattan" mit. Für das Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer" erhielt Streep 1980 ihren ersten Oscar als beste Nebendarstellerin. Bildrechte: imago/United Archives
Sydney Pollack und Meryl Streep am Filmset von 'Out of Africa'
Mit dem Regisseur Sydney Pollack arbeitete Streep bei "Jenseits von Afrika" (1985) zusammen. Pollack bezeichnete sie einmal als die "talentierteste Schauspielerin in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts". Bildrechte: imago/Prod.DB
Meryl Streep in einer Filmszene von 'Der Tod steht ihr gut'
Meryl Streep spielte zunächst in vielen Filmen mit, in denen sie ernste, "kühle" Charaktere mimte. In den 90er-Jahren öffnete sie sich auch anderen Genres, so stand sie unter anderem in der Farce "Der Tod steht ihr gut" an der Seite von Goldie Hawn vor der Kamera. Bildrechte: imago/United Archives
Francesca (MERYL STREEP) und Robert (CLINT EASTWOOD).
Streeps Filme in den 90er-Jahren erreichten zunächst nicht mehr die Resonanz wie zuvor. Das änderte sich aber mit Clint Eastwoods Liebesdrama "Die Brücken am Fluss" (1995):  Mit ihrer Darstellung der spröden Farmerin Francesca Johnson spielte sie sich zurück in die erste Liga Hollywoods. Bildrechte: imago/United Archives
Meryl Streep bekommt einen Stern auf dem 'Walk of Fame'
1998 dann die Verewigung auf dem Walk of Fame: Ein eigener Stern für die nun 49-jährige. Bildrechte: imago/ZUMA Press
Meryl Streep in  - Mamma Mia
Streep ist mittlerweile seit rund 45 Jahren im Filmbusiness. Ihre Gagen erreichen Millionenhöhe, auch heute noch gehört sie zu den am besten bezahlten Schauspielerinnen der USA. Der Musicalfilm "Mamma Mia" (2008) ist einer ihrer größten kommerziellen Erfolge. Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection
Meryl Streep hält ihren Oscar
2012 erhielt Streep ihren dritten Oscar: Sie wurde als beste Hauptdarstellerin gekürt, für ihre Rolle im Margaret-Thatcher-Biopic "Die Eiserne Lady". Insgesamt wurde Streep bislang 21 Mal für den Oscar nominiert – sie ist damit die meistnominierte Schauspielerin aller Zeiten. Bildrechte: imago/ZUMA Press
Meryl Streep bei den Golden Globes
Parallel zur Schauspielerei hat Streep sich immer wieder auch politisch engagiert, etwa für Abrüstung, Umweltschutz und die Gleichberechtigung von Frauen in der Filmindustrie. Zuletzt sorgte sie mit einer Rede bei der Golden-Globes-Gala 2017 für Aufsehen: Hier kritisierte sie den kurz zuvor ins Amt gekommenen US-Präsidenten Trump. Bildrechte: IMAGO
Meryl Streep mit ihrer Familie: Ehemann Don Gummer und die Töchter Lousia, Mamie und Grace,
Privat hat Meryl Streep im Laufe ihrer Karriere nur für wenig Schlagzeilen gesorgt: Sie ist seit 1978 mit dem Bildhauer Don Gummer verheiratet, zusammen haben sie vier Kinder. Zwei ihrer Töchter sind ebenfalls Schauspielerinnen geworden. Bildrechte: imago images / UPI Photo
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Glaubhafte eiskalte Machtpolitikerin

Und dann wieder das verstörende Gegenteil, wenn man Meryl Streep in Jonathan Demmes "Der Manchurian Kandidat" von 2004 sieht, in der Rolle als Mutter eines zukünftigen US-Vizepräsidenten und als Kopf einer Verschwörung, dann gefriert den Zuschauern das Blut. Es ist die Eiseskälte hinter der glatten Fassade der Machtpolitikerin, die man Meryl Streep erschaudernd glaubt.

Aber ebenso glaubt man ihr, wenn sie ihren Sohn, den sie zur Karrieremaschine konditioniert hat, umgarnt und dabei eine verstörende Aura von Inzest mitschwingt, die der Lust dieser Frau an der Macht noch einen weiteren Kick gibt. Widerlich und natürlich unfassbar faszinierend ist es, Meryl Streep in dieser Rolle, in dieser Darstellung zu sehen. Kein Wunder, dass ihr solche Figuren eben auch Spaß machen.

Liev Schreiber und Meryl Streep
Liev Schreiber und Meryl Streep in "Der Manchurian Kandidat" Bildrechte: imago/Prod.DB

Die Magie der Schauspielerei

Was Schauspielen sei, wurde Streep einmal gefragt. Ist es Kunst? Und sie antwortete "Es ist jenseits von Kunst! Es ist wie Musik machen. Wie Fliegen. Großartig!" Und diesen Teil würde und wird sie nie aufgeben, sagte Meryl Streep.

Nach mehr als sechzig Filmen in mehr als vier Jahrzehnten kann man vielleicht eines zu den Rollenentscheidungen dieser grandiosen Schauspielerin sagen oder gar ihr ein Credo in den Mund legen: Gehe ein Risiko ein, wer wagt, gewinnt! Denn Schauspielen ist für sie eben wie Fliegen –  und es ist großartig, dem zuschauen zu können.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Juni 2019 | 08:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2019, 04:00 Uhr

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