Das Noch-Ehepaar Anne (Annette Frier) und Erik Merz (Christoph Maria Herbst) in einer Szene der ersten Folge der 1. Staffel der neuen Comedy-Serie ''Merz gegen Merz''.
Bildrechte: Martin Rottenkolber/ZDF/dpa

Interview Ehe adé? Die neue TV-Comedyserie mit Annette Frier und Christoph Maria Herbst

Über Ostern läuft im ZDF die neue achtteilige Comedyserie "Merz gegen Merz". Annette Frier und Christoph Maria Herbst - ein bereits eingespieltes Team vor der Kamera - spielen darin ein Ehepaar in der Krise. Sie sind schon lange verheiratet, haben einen Sohn in der Pubertät, als ihnen auffällt, dass sie eigentlich keine Liebe, sondern nur noch Alltag leben. Außerdem arbeiten sie gemeinsam im Familienbetrieb des Schwiegervaters. Da gestaltet sich eine Trennung schwierig. Wie schwierig, erklären Annette Frier und Christoph Maria Herbst im Interview.

Das Noch-Ehepaar Anne (Annette Frier) und Erik Merz (Christoph Maria Herbst) in einer Szene der ersten Folge der 1. Staffel der neuen Comedy-Serie ''Merz gegen Merz''.
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Frau Frier, Sie spielen Anne, eine Frau und Mutter, die im Leben steht. Wie würden Sie den Charakter ihrer Figur beschreiben?

Annette Frier: Die steht gerade an der Klippe. Ich glaube, es gibt schon so ein paar Ampeln im Leben, wo man sich entscheiden kann, stehenzubleiben oder abzubiegen. Ein Stück weit ist das auch eine Emanzipation von Mustern, die sie von ihrer eigenen Mutter übernommen hat. Sie ist ja eine Tochter aus gutem Hause und auch ein bisschen: Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Also sie hinterfragt - wie sehr viele Menschen in der Mitte ihres Lebens - das Leben, das sie führt. Also sowohl diese Ehe, als auch, was sie da den ganzen Tag in der Firma macht und ob das wirklich das ist, was sie möchte, und wer sie ist.

Herr Herbst, Sie spielen den Ehemann Erik, was ist er für ein Mensch?

Christoph Maria Herbst: Erik ist jemand, der aus einem kleinbürgerlichen Haushalt kommt, man möchte fast von prekären Verhältnissen sprechen im Gegensatz zu der Anne, seiner Frau, die aus einem großbürgerlichen Haushalt kommt, ihr Vater ist ja auch der Chef dieser großen Maschinenbaufirma. Und der Erik hat sich auf dem zweiten Bildungsweg emporgearbeitet und hat, wie einst Gerhard Schröder am Bundeskanzleramt am Zaun rüttelte, quasi irgendwann gesagt: Ich muss hier rein. Und hat sich dann die richtige Frau geschnappt, die Anne, die Tochter des Moguls. Verzwickt wird es dadurch, dass Annes Vater an Demenz erkrankt, und Erik will den Laden übernehmen. Er wird dann also Chef von der Frau, von der er sich gerade trennen will.

Trotz vieler Scheidungen heiraten die Menschen und setzen auf lange Beziehungen. Woran scheitern Ehen ihrer Meinung nach?

Annette Frier: Also wenn ich das wüsste, dann würde ich weltweite Ratgeber schreiben. Keine Ahnung. Ich denke man scheitert meist an sich selbst. Das ist immer so lustig, wenn man meint, dass eine Ehe gescheitert ist, denkt man, dass man so aneinander gescheitert ist. Ich hab das Gefühl, viele Menschen scheitern auch an sich selbst. Und dass man dann eine Ehe auflöst, das ist oft auch ein Synonym dafür, dass man an so eine Grenze mit sich selbst gekommen ist. Ist meine Vermutung.

Christoph Maria Herbst bei der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises
Christoph Maria Herbst Bildrechte: imago images / Future Image

Christoph Maria Herbst: Warum gibt es die Institution Ehe überhaupt, kann man auch fragen. Es ist ja nur eine tradierte und veraltete Kunstform, um in vergangenen Jahrhunderten für eine wirtschaftliche Absicherung zu sorgen oder reiche Familien zusammen zu bringen, Pfründe zu sichern u. s. w. Diese Zeiten sind - zumindest in unserem Kulturkreis - ja vorbei. Insofern muss ich diese Frage wieder stellen, ob das überhaupt noch notwendig ist: Heiraten wir aus steuerlichen Gründen, heiraten wir, weil wir unbedingt die Champagnerpyramide haben wollen, doch die kann man sich auch ohne Hochzeit aufbauen und steuerlich ist das mittlerweile auch gar nicht mehr so spannend, würde für mich jetzt als Impetus auch nicht reichen, dafür bin ich dann doch zu sehr Romantiker. Das muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden - ich würde jedenfalls immer - auch wenn unser Gespräch jetzt gerade in eine Eheberatung ausartet - zum Ehevertrag tendieren, damit bestimmte Dinge einfach im Vorfeld geklärt sind

In der Serie arbeiten Sie beide in der Firma ihres Vaters, Sie haben einen gemeinsamen Sohn, ein Haus – für viele wären das Gründe genug, auch ohne Liebe zusammenzubleiben. Können Sie das verstehen?

Annette Frier
Annette Frier Bildrechte: imago/Rainer Unkel

Annette Frier: Ja, das ist ja das Verrückte an Familie. Da bleiben Menschen ganz oft zusammen, wo sie sich in anderen Zusammenhängen längst getrennt hätten. Da wird es für mich aber auch interessant. In der Spezialsituation Anne und Erik Merz, das hat sich der Autor (Ralf Husmann, Autor von "Stromberg") auch hervorragend ausgedacht, ist wirklich dieser Gedanke: Ich muss wirklich raus aus dieser Beziehung, doch diesem Mann soll demnächst die Firma meines Vaters gehören. Das sind sehr schöne, lustige Verstrickungen. Aber das ganze Leben ist voll von Verstrickungen. Ich glaube, in dem Moment, wo man sagt, so wir gehen jetzt die nächsten Jahre zusammen, wir bekommen Kinder , wir machen das alles, dann ist man automatisch verstrickt.

Christoph Maria Herbst: Nein, ich kann das nicht verstehen. Die Liebe sollte natürlich der Motor sein. Ich kenne viele Freunde in meinem Inner Circle, die sagen: Ja, wenn wir keine Kinder hätten, da hätten wir uns längst schon getrennt. Das ist ganz schlimm, das spüren dann nämlich schon die Schwächsten, nämlich die Kinder, wenn keine Liebe mehr da ist, wenn nur noch funktioniert wird. Ich hab das in meinem Leben immer versucht, anders zu halten. Das ist schmerzhaft, aber zusammen zu bleiben ohne Liebe ist am Ende noch viel schmerzhafter. Deshalb lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Comedy ist das Leichte, was schwer zu machen ist. Doch "Merz gegen Merz" ist das einfach gelungen. Was braucht eine gute Comedy?

Annette Frier: Danke für das Kompliment. Ich würde mal sagen, dass wir mit Ralf Husmann, mit unserem Chefautoren, einen absoluten Spezialisten haben. Das ist genau seine Stärke, in der Komödie das Drama zu suchen und andersrum. Das hat er glaube ich bei Tschechow gelernt. Was jetzt Christoph Maria Herbst und mich betrifft, aber auch ein Michael Wittenborn, der meinen Vater spielt oder Carmen Maja Antoni und Bernd Stegemann und Claudia Rieschel: Das sind alles Theatertiere.

Christoph Maria Herbst: Es braucht gute Texte und gute Spieler, die das dann glaubhaft umsetzen. Es ist unsere Aufgabe, dass wir in diesen Rollen aufgehen, dass wir versuchen möglichst eins zu eins diese Figur dann zu sein, und uns nicht über sie erheben, und nicht über sie lustig machen. Und in dem Moment, wo wir dann aufgehen in der Figur, das Ganze so eine merkwürdige Ernsthaftigkeit kriegt, erst dann wird es auch lustig. Ich finde, eine gute Comedy muss auch immer wehtun.

Wie war Ihre gemeinsame (erneute) Zusammenarbeit?

Annette Frier: Also wir sind ein eingespieltes Team (z. B. spielten sie in der ARD-Reihe "Hotel Heidelberg" oder in "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer"). Wir haben eine ganz gute Temperatur, auf der wir morgens einen Drehtag starten. Das ist toll, weil wir unser Timing kennen, und dann kann man natürlich ganz anders Grenzen ausloten. Das ist ja so, als würde ich mich mit jemandem auf so einen Bob schmeißen und einen Berg runterfahren. Und da hast du einen Steuermann und der andere gleicht aus. Das ist dann schon wie Musik machen, wie rumjazzen, und das ist echt toll mit Christoph.

Christoph Maria Herbst: Super! Wir haben schon einiges zusammen gemacht. Mit Annette Frier zu spielen ist immer ein Stück Nach-Hause-Kommen, da muss man in der Verabredung von Situationen, in der Absprache von Dingen nicht mehr viel Worte machen. Wir kennen uns blind, das ist eine tolle Sache. Außerdem ist sie komplett unneurotisch und überhaupt nicht divaesk, da kann man die Energie voll in die Arbeit stecken und man ist am Set nicht mit irgendwelchen Befindlichkeiten beschäftigt.

Das Gespräch mit Annette Frier führte Claudia Bleibaum für MDR KULTUR. Mit Christoph Maria Herbst sprach Ben Hänchen.

Infos zur Serie Ab dem 18. April 2019 sind alle Folgen in der ZDF-Mediathek abrufbar. Schon jetzt - vor der Ausstrahlung - hat das ZDF eine zweite Staffel der Serie geordert.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. April 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2019, 04:00 Uhr

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