Kultur und Gesellschaft Nach #MeToo: Mitteldeutsche Theater befürworten Verhaltenskodex

Der Deutsche Bühnenverein will auf seiner heutigen Jahreshauptversammlung einen wertebasierten Verhaltenskodex beschließen. Er soll Orientierung bieten im Umgang mit Machtmissbrauch und übergriffigem Verhalten. Hasko Weber, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar (DNT), war an der Ausarbeitung des Leitfadens beteiligt und sagte MDR KULTUR:

Ich glaube, wir sind es innerhalb dieser Debatte schuldig, klar zu sagen, dass es da keine Kompromisse gibt. Wir müssen übergriffiges oder gar kriminelles Verhalten verfolgen und natürlich auch die Machtstrukturen, die das begünstigen.

Hasko Weber, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar
Hasko Weber
Hasko Weber Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Weber erklärte weiter: "Insofern setzen wir einen Impuls, von dem wir hoffen, dass er Wirkung hat." Damit werde eine Debatte weitergeführt, die es am DNT Weimar bereits gebe, man sei da sensibilisiert. Kleinere blöde Witze könne man zwar nicht von heute auf morgen abstellen, sagte Weber, "aber dass wir uns jetzt dezidiert damit auseinandersetzen, finde ich sehr gut."

Verhaltenkodex: Ja - Überregulierung: Nein

Auch der Intendant des Neuen Theaters in Halle, Matthias Brenner, begrüßt einen Leitfaden im Umgang mit übergriffigem Verhalten im Theaterbetrieb. Gleichzeitig warnte er bei MDR KULTUR vor einer möglichen Überregulierung: "Ich finde das sehr gut, weil sich dahinter eine generelle Machtdebatte verbirgt. Ich glaube, da müssen wir uns in den Theatern ganz hart schulen und fragen, wo welche Abhängigkeiten bestehen."

Der Schauspieler Matthias Brenner posiert am 16.06.2015 in Bremen am Rande der Dreharbeiten zum neuen Bremer "Tatort"-Krimi "Der hundertste Affe" (AT).
Matthias Brenner Bildrechte: dpa

Ich bin froh, dass diese Debatte bundesweit im Theater geführt wird. Ich hoffe aber auch, dass wir am Ende nicht mit einem Regelwerk rausgehen, das uns zu sehr einengt. Dass ich beispielsweise jedes Mal eine gesetzliche Erklärung unterschreiben muss, wenn jemand mit einem kurzen Rock auf die Bühne geht.

Matthias Brenner, Intendant des Neuen Theaters in Halle

Noch bis morgen treffen sich im Theater Lübeck rund 250 Intendanten, Kulturpolitiker und Verwaltungsdirektoren zu internen Gremiensitzungen und Fortbildungen. Dabei geht es unter anderem auch um die Herausforderungen der Digitalisierung und mögliche Chancen für das Theater im ländlichen Raum.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 08. Juni 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2018, 14:29 Uhr