Theater gegen Machtmissbrauch Nach #MeToo: Deutscher Bühnenverein beschließt Wertekodex

Der Deutsche Bühnenverein hat auf seiner Jahreshauptversammlung 2018 einen "wertebasierten Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch" beschlossen. Die Mitgliedstheater und -orchester sollen den Kode kommunizieren und individuell weiterentwickeln, teilte der Bühnenverein am Samstag zum Abschluss des zweitägigen Treffens mit. Rund 300 Verwaltungsdirektoren, Intendanten, Kulturpolitiker und weitere Gäste hatten teilgenommen.

Dies ist kein Katalog, der menschliches Verhalten bis in den letzten Winkel hinein diktiert und ausleuchtet. Aber der Kodex soll die Theater und Orchester bestärken, mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder auszuhandeln, wie man miteinander umgeht und arbeitet.

Ulrich Khuon, Bühnenvereinspräsident

Hasko Weber, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar (DNT), war an der Ausarbeitung des Leitfadens beteiligt und sagte MDR KULTUR:

Hasko Weber
Hasko Weber, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar (DNT) Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Ich glaube, wir sind es innerhalb dieser Debatte schuldig, klar zu sagen, dass es da keine Kompromisse gibt. Wir müssen übergriffiges oder gar kriminelles Verhalten verfolgen und natürlich auch die Machtstrukturen, die das begünstigen.

Hasko Weber, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar

Weber erklärte weiter: "Insofern setzen wir einen Impuls, von dem wir hoffen, dass er Wirkung hat." Damit werde eine Debatte weitergeführt, die es am DNT Weimar bereits gebe, man sei da sensibilisiert. Kleinere blöde Witze könne man zwar nicht von heute auf morgen abstellen, sagte Weber, "aber dass wir uns jetzt dezidiert damit auseinandersetzen, finde ich sehr gut."

Verhaltenskodex: Ja - Überregulierung: Nein

Auch der Intendant des Neuen Theaters in Halle, Matthias Brenner, begrüßt einen Leitfaden im Umgang mit übergriffigem Verhalten im Theaterbetrieb. Gleichzeitig warnte er bei MDR KULTUR vor einer möglichen Überregulierung: "Ich finde das sehr gut, weil sich dahinter eine generelle Machtdebatte verbirgt. Ich glaube, da müssen wir uns in den Theatern ganz hart schulen und fragen, wo welche Abhängigkeiten bestehen."

Der Schauspieler Matthias Brenner posiert am 16.06.2015 in Bremen am Rande der Dreharbeiten zum neuen Bremer "Tatort"-Krimi "Der hundertste Affe" (AT).
Matthias Brenner, Intendant des Neuen Theaters in Halle Bildrechte: dpa

Ich bin froh, dass diese Debatte bundesweit im Theater geführt wird. Ich hoffe aber auch, dass wir am Ende nicht mit einem Regelwerk rausgehen, das uns zu sehr einengt. Dass ich beispielsweise jedes Mal eine gesetzliche Erklärung unterschreiben muss, wenn jemand mit einem kurzen Rock auf die Bühne geht.

Matthias Brenner, Intendant des Neuen Theaters in Halle

Im Theater Lübeck trafen rund 250 Intendanten, Kulturpolitiker und Verwaltungsdirektoren zu internen Gremiensitzungen und Fortbildungen. Dabei geht es unter anderem auch um die Herausforderungen der Digitalisierung und mögliche Chancen für das Theater im ländlichen Raum.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 08. Juni 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2018, 14:50 Uhr