Trauer Schauspieler Michael Degen gestorben

Michael Degen
Michael Degen wurde 1932 in Chemnitz geboren und feierte sowohl auf der Theaterbühne als auch in Film und Fernsehen Erfolge. Am 9. April 2022 starb er in Hamburg. Bildrechte: dpa

Der Schauspieler Michael Degen ist tot. Er starb am Samstag in Hamburg im Alter von 90 Jahren, wie der Rowohlt-Verlag in Berlin am Dienstag mitteilte. "Wir trauern und verneigen uns vor einem Menschen und Künstler, der mit seiner Wärme und Begeisterung berührte und mitriss, und dessen vielseitiges Werk bleiben wird", hieß es in der Mitteilung weiter.

Bekannt aus "Donna Leon"

Degen war einem großen TV-Publikum zuletzt vor allem durch die "Donna Leon"-Krimiserie der ARD vertraut. Darin verkörperte er jahrelang den "Vice-Questore Patta". Zuvor hatte der Künstler in zahlreichen klassischen, modernen und unterhaltenden Rollen auf wichtigen Bühnen sowie in Film und Fernsehen Erfolge gefeiert. Er arbeitete mit Regiegrößen wie Peter Zadek, Claude Chabrol und Ingmar Bergman zusammen und inszenierte auch selbst als Regisseur.

Israelischer und deutscher Staatsbürger aus Chemnitz

Mit oft autobiografisch geprägten Büchern hatte sich Degen, der 1932 in Chemnitz geboren wurde, zudem als Autor hervorgetan. So schrieb er 1999 in seinem Erstling "Nicht alle waren Mörder. Eine Kindheit in Berlin" von Ereignissen, die ihn sein Leben lang nicht loslassen sollten: Sein jüdischer Vater Jakob, ein Sprachenprofessor und Kaufmann, starb 1940 an den Folgen seiner KZ-Haft in Sachsenhausen. Um ihrer Deportation zu entgehen, verbrachten Michael und seine Mutter Anna einige Kriegsjahre als sogenannte "U-Boote" in Berlin – untergetaucht bei Helfern, an die Degen in seinem Werk dankbar erinnert.

Die Geschichte hat Jo Baier 2006 für das Erste verfilmt. Degen war 1949 nach Israel ausgewandert, kehrte aber nach zwei Jahren zurück. Aus Sehnsucht, in seiner Muttersprache Theater zu spielen, wie er später erzählte. Zeitlebens war er dann israelischer und deutscher Staatsbürger.

Hannah Arendt (Barbara Sukowa) und Kurt Blumenfeld (Michael Degen)
Im Film "Hannah Arendt" spielte Michael Degen Arendts Freund Kurt Blumenfeld Bildrechte: MDR/Degeto/WDR/BR/Heimatfilm

Gratulation vom Bundespräsident

Jahrzehnte nach der Nazizeit, 1986, musste Degen erleben, dass Neonazis seine Hamburger Wohnung verwüsteten und er Morddrohungen erhielt, nachdem er gegen ein Treffen von SS-Veteranen protestiert hatte.

Zu seinem 90. Geburtstag am 31. Januar 2022 gratulierte ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und zeigte sich von seinem Lebensweg beeindruckt. "Ihre Biografie spiegelt den Abgrund deutscher Geschichte. Trotz allem, was Ihnen und Ihrer Familie angetan wurde, haben Sie sich nicht von Deutschland abgewandt", sagte der Politiker in Berlin.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth würdigte Degen als tiefgründigen und vielseitigen Schauspieler: "Ich bin in großer Trauer über den Tod von Michael Degen. Wir verlieren einen herausragenden Künstler und einen beeindruckenden Menschen", so Roth. Sein Tod sei ein großer Verlust. Degen werde "in unseren Herzen und vielen Filmen in Erinnerung bleiben".

Filme von "Buddenbrooks" bis "Derrick"

Einem großen TV-Publikum wurde der Darsteller 1979 als Bendix Grünlich in Franz Peter Wirths "Die Buddenbrooks" bekannt. Mit der NS-Vergangenheit setzte er sich unter anderem in Egon Monks "Die Geschwister Oppermann" (1983) und Michael Kehlmanns "Geheime Reichssache" (1987), wo er Hitler verkörperte, auseinander. Häufig trat er aber auch in leichteren Sendungen auf – von "Derrick" und "Klinik unter Palmen" bis zu "Traumschiff" und "Rosamunde Pilcher".

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 12. April 2022 | 14:30 Uhr

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