Geboren am 12. November 1929 Wie Michael Ende mit Jim Knopf lernte, Schreiben als Abenteuer zu verstehen

65 Jahre alt ist Michael Ende geworden. "Momo", "Die unendliche Geschichte" oder "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" zählen zu seinen großen Erfolgen. Dabei war sein erstes literarisches Werk ein Reinfall. Dass ihm schließlich doch der Durchbruch als Jugendbuchautor gelang, liegt an einer weiteren seiner wichtigen Figuren – Jim Knopf.

von Thomas Hartmann

Der Autor Michael Ende rückt im Jahr 1982 seine Brille zurecht.
Michael Ende im Jahr 1982. Bildrechte: dpa

"Wer keine Vergangenheit mehr hat, der hat auch keine Zukunft", heißt es bei Michael Ende. Ein Satz, der im Rückblick auf sein Werk besondere Bedeutung gewinnt. Am 11. November 1929 wird Ende in Garmisch-Partenkirchen geboren. Der Ruhm, den er mit "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" erlangt, liegt da noch in weiter Ferne.

Das Land, in dem Lukas der Lokomotivführer lebte, hieß Lummerland und war nur sehr klein. Sogar außerordentlich klein im Vergleich zu anderen Ländern wie zum Beispiel Deutschland oder Afrika oder China. Es war etwa doppelt so groß wie unsere Wohnung und bestand zum größten Teil aus einem Berg mit zwei Gipfeln.

Aus: "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer"

Zwischen Atelier, Theater und Schriftstellerei

Der Wunsch zu schreiben, formt sich bei Ende mit 14, 15 Jahren. Vielleicht auch, weil dies eine Perspektive verspricht in einer Zeit, die vom Weltkrieg diktiert wird und das künstlerische Werk des Vaters, des Malers Edgar Ende, von den Nazis als entartet verbannt wurde. Das Theater reizt Michael Ende besonders. Ab 1948 besucht er eine Schauspielschule und bespielt dann die Bretter, die die Welt bedeuten sollen – bis er glaubt, ein dramatisches Meisterwerk verfasst zu haben. Aber bald folgt die Ernüchterung: "Es hat keinen Menschen interessiert und nun saß ich da mit meinem Stück und meinem gelösten Vertrag."

Jim Knopf tritt in Endes Leben

Erst Jahre später tritt Jim Knopf in Endes Leben. Der Anstoß kommt von außen, ein Grafiker hätte gern den Text zu einem Bilderbuch von ihm. Doch der Text dehnt sich aus, mehr und immer mehr.

Das passiert, dass eine Figur, wenn sie ihren Charakter gefunden hat, wenn sie wirklich ihr Eigenleben bekommen hat, sich selbstständig macht. Das heißt, man kann dann mit ihr nicht alles machen, was man will, sondern man muss dann der Figur Raum geben, ihr Recht geben sozusagen, ihr Lebensrecht geben, sich so zu entwickeln, wie sie selber es verlangt und braucht.

Michael Ende

Schreiben ohne fertiges Konzept

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer.
"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" in der Augsburger Puppenkiste. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1960 wird "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" veröffentlicht. Es ist in zweifacher Hinsicht für Michael Ende von enormer Wichtigkeit. Materiell gesehen verschafft es seinem Leben Stabilität. Und vor allem: Er lernt, begreift mit dem Buch, was für ihn die beste Art des Schreibens ist:

Nämlich das Schreiben als Abenteuer. Das Schreiben als Prozess. Das Schreiben, ohne vorher schon ein fertiges Konzept zu haben, sondern sich von den jeweiligen Notwendigkeiten der Geschichte selber immer führen zu lassen, sodass ich wirklich buchstäblich selber oft ganz gespannt war, wie es jetzt weitergehen wird.

Jugendautor und Schriftsteller

Michael Ende sitzt 1989 in einem Fernsehstudio, raucht eine Zigarette und trinkt aus einem Wasserglas.
Bei einem TV-Auftritt 1989 nimmt Michael ende einen Schluck Wasser. Auch Bilder mit Pfeife gibt es von ihm. Bildrechte: imago/teutopress

Mit Jim und Lukas wird der Kinder- und Jugendbuchautor Michael Ende geboren. Sich selbst sieht er als Schriftsteller, der schreibt, was er gern lesen würde. Kinder- und Jugendbücher erfahren in seinen Augen zwar zu wenig Respekt, trotzdem fühlt er sich gut aufgehoben. Auch weil Jugendliteratur anderen Regeln folgt als Erwachsenenliteratur, wie Ende findet: "Also eine bestimmt Art von Poesie zum Beispiel, die in der Erwachsenenliteratur verboten ist, die kann man einfach stilistisch auf diesem Gebiet machen und deswegen bin ich denn auch dabei geblieben." Glücklicherweise. Denn wer hätte sonst "Momo", "Die unendliche Geschichte" oder "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" schreiben sollen. Am 28. August 1995 stirbt Michael Ende im Alter von 65 Jahren.

Die unendliche Geschichte
Die Verfilmung von "Die unendliche Geschichte" ist weltbekannt. Michael Ende selbst hat den fertigen Film abgelehnt. Bildrechte: imago/Prod.DB

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. November 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2019, 04:00 Uhr

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