Trauer Schauspieler Michael Gwisdek gestorben

Michael Gwisdek, 2015
Der Schauspieler MIchael Gwisdek Bildrechte: dpa

Der Berliner Schauspieler und Regisseur Michael Gwisdek ist tot. Er starb am Dienstag nach kurzer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie, wie seine Agentur heute mitteilte.

Elstermann: "Der Tod passt gar nicht zu Gwisdek"

Michael Gwisdek galt als einer der renommiertesten deutschen Charakterdarsteller. Bei MDR KULTUR erinnerte Filmkritiker Knut Elstermann am Mittwoch an ihn. Elstermann sagte, er sei von der Nachricht noch geschockt, auch weil der Tod gar nicht zu Gwisdek passe. Gwisdek habe so eine enorme Lebensfreude gehabt, hätte immer einen Schalk im Nacken gehabt und konnte herrlich albern sein. Gleichzeitig sei Gwisdek einer der ganz großen Komödianten des Theaters gewesen, der immer mit einem gewissen schlaksigem Charme aufgetreten sei. Gwisdek sei in seinen Rollen oft ein trauriger Clown gewesen. Zudem, so Elstermann, war er immer ein Film-Besessener gewesen, schon von Jugend an, auch besessen von der Freude an der Selbstdarstellung. Als bemerkenswerteste Filme von Gwisdek bezeichnete Elstermann unter anderem den Box-Film "Olle Henry" (1983). Außerdem habe sich bei ihm der wunderbare Dialog aus "Oh Boy" (2012) eingeprägt. Von Gwisdeks Regiearbeiten hob der Kritiker "Treffen in Travers" (1988) hervor, ein historischer Film rund um die französische Revolution, der laut Elstermann perfekt in die Stimmung der bleiernen Zeit der späten DDR passte.

Michael Gwisdek (l) als Friedrich und Tom Schilling in dem Film "Oh, Boy" 7 min
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Der Berliner Schauspieler galt als einer der renommiertesten deutschen Charakterdarsteller. Filmkritiker Knut Elstermann erinnert an Michael Gwisdek, zu dem der Tod überhaupt nicht passe.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 23.09.2020 12:00Uhr 06:45 min

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Vom Theater ins Kino

Nach seinem Schauspielstudium nahm der junge Michael Gwisdek 1968 sein erstes Engagement am Schauspiel Karl-Marx-Stadt an, dem heutigen Theater Chemnitz. Dort übernahm er zahlreiche große Rollen, wie beispielsweise den Pantalone in Goldonis "Diener zweier Herren" und entwickelte "sich schnell zu einem der prägenden Köpfe des Ensembles", erklärt der Chemnitzer Schauspieldirektor Carsten Knödler. Gwisdek habe "sich in die Herzen zahlreicher Zuschauer und auch vieler ehemaliger Mitarbeiter der Theater Chemnitz gespielt", erinnert sich der Regisseur. Das Haus drückte seine Trauer und sein Mitgefühl noch am Mittwochabend aus.

Archivbild einer Theateraufführung
Michael Gwisdek und Jutta Wachowiak in "BOLSCHEWIKI" am Schauspiel Karl-Marx-Stadt 1969 Bildrechte: Theater Chemnitz

Seit 1973 spielte Gwisdek an der Berliner Volksbühne in Inszenierungen wie "Wie es euch gefällt", "Was ihr wollt" und "Hamlet". Bis in die 70er-Jahre war Gwisdek in Filmen vor allem in Nebenrollen zu sehen. 1968 spielte er in der Anna-Seghers-Verfilmung "Die Toten bleiben jung" einen SS-Offizier. Auch in den DEFA-Indianerfilmen "Spur des Falken" und "Weiße Wölfe" glänzte er in Nebenrollen.

Sein komödiantisches Talent brachte ihm bald Rollen im Kino ein. Die Literaturverfilmung "Dein unbekannter Bruder" (1982) und das Boxer-Drama "Olle Henry" (1983) gefielen der DDR-Zensur nicht. Das Publikum, darin geübt, zwischen den Zeilen zu lesen, feierte die Filme und den Hauptdarsteller Gwisdek für die DDR-Kritik.

1988 führte Gwisdek für den DEFA-Historienfilm "Treffen in Travers" erstmals Regie, mit seiner damaligen Frau Corinna Harfouch und ihm selbst in den Hauptrollen. Hierfür gewann er 1990 beim 6. Nationalen Spielfilmfestival der DDR den Preis für den besten Film und erhielt 1989 eine Einladung zum Filmfestival Cannes. 1989 spielte er in "Coming Out", dem ersten DDR-Film über Homosexualität, den Homosexuellen Barwirt Achim.

Zahlreiche Auszeichnungen

Auch nach der Wende war Gwisdek in vielen Filmen zu sehen. 1999 wurde er bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären für "Nachtgestalten" ausgezeichnet. In der Tragikkomödie von Andreas Dresen spielte Gwisdek die Hauptrolle. Gefeiert wurde er auch für seine Rollen in "Good Bye, Lenin!", "Herr Lehmann" und "Oh Boy". Hierfür erhielt er 2013 den Deutschen Filmpreis in der Kategorie "Beste Nebenrolle". Zuletzt war er in den Filmen "Kundschafter des Friedens",  "Das schweigende Klassenzimmer" und "Traumfabrik" zu sehen. Im Fernsehen kannten ihn viele aus dem "Tatort" oder "Donna Leon".

Von 1984 bis 2007 war Gwisdek mit der Schauspielerin Corinna Harfouch verheiratet. Er hinterlässt seine zwei Söhne Johannes Gwisdek und Robert Gwisdek, auch bekannt als Shaban & Käptn Peng.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. September 2020 | 12:10 Uhr