Michael Triegel
Michael Triegel vor seinem Papst-Porträt Bildrechte: imago/PicturePoint

Ausstellung Papst-Maler Michael Triegel im Angermuseum Erfurt

Durch sein Porträt des Papstes Benedikt XVI. wurde Michael Triegel auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Eine Schau des in Leipzig lebenden Künstlers ist jetzt im Erfurter Angermuseum zu sehen.

von Meinhard Michael, Artour-Autor

Michael Triegel
Michael Triegel vor seinem Papst-Porträt Bildrechte: imago/PicturePoint

Seit Michael Triegel 2010 Papst Benedikt XVI. malte, ist er ein bisschen berühmt. Kein anderer Künstler strebt wie er nach klassisch schöner Malerei - und ist damit weiterhin mehr als nur umstritten. Er malt hochgemute Behauptungen der Bilderkunst, raffinierte Verführungen der Augenlust, während die moderne Kunst dem Schönen insgesamt misstraut. Er beharrt auf der Schönheit, obwohl er die Skepsis der Kollegen versteht.

Michael Triegel, Deus absconditus, 2013, Mischtechnik auf Maltafel, 160 x 260 cm courtesy Galerie Schwind, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Michael Triegel: Deus absconditus, 2013, Mischtechnik auf Maltafel - zu sehen in der Erfurter Ausstellung Bildrechte: courtesy Galerie Schwind, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Triegel meint dazu: "Nur habe ich das Gefühl, dass, wenn ich nur das Hässliche, das Zerstörte, das Brutale dieser Welt darstelle - was ich durchaus ja auch tue - ich einen Aspekt des Lebens ausblende. Denn wenn alles schrecklich ist, kann ich aus dem Fenster springen. Also, das ist immer auch für mich der zweite Grund am Leben festzuhalten, dass es das Schöne gibt. Und es ist immer für mich die Schönheit auch eine Art von Utopie."

Das Selbst im Mythos reflektieren

Der Leipziger Glasmaler Michael Triegel steht in der Schloss- und Pfarrkirche St. Maria in Köthen (Sachsen-Anhalt) unter den von ihm gestalteten Kirchenfenstern mit Darstellungen von Maria und Jesus.
Michael Triegel in der Kirche St. Maria in Köthen unter den von ihm gestalteten Kirchenfenstern mit Darstellungen von Maria und Jesus Bildrechte: dpa

In seinem Atelier im Hotspot Leipziger Spinnerei sieht man die Basis dieser Gesinnung. Es ist die gleiche wie bei seinem Vorbild Werner Tübke. Triegel hat sich einige Jahre nach dem Studium in Leipzig - auch er ist wie Tübke ein Schüler Arno Rinks - freigemalt von den Vorbildern.

Seine neue Feinmalerei zielt nicht nur auf die stilistische Höhe der Alten, er versucht auch ihre Geschichten zu modernisieren. Triegel erläutert: "Kern dessen, was ich mache, ist eigentlich das Thematisieren meiner eigenen Sehnsüchte und Zweifel. Und die finde ich im Mythos immer wieder. Da geht es um Liebe und Freundschaft und Nähe - und eben um das Fehlen all dessen. Es geht um Einsamkeit in sehr vielen Bildern. Es geht um Isolation, es geht um Leere, oft genug." Triegel illustriert also keine Mythen, er schreibt sie um.

Verstörung mit Auftrag

Michael Triegel, Die Verwandlung der Götter, 2010, Mischtechnik auf MDF, 196 x 117 cm, Angermuseum Erfurt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Dirk Urban
Michael Triegel: Die Verwandlung der Götter, 2010, Mischtechnik auf MDF Bildrechte: Angermuseum Erfurt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Dirk Urban

Für die Kirche hat Triegel schon einige Altäre und Fenster gemalt, so in der Köthener Schlosskirche. Unter den religiös ambitionierten Bildern des Malers geht es, wenn man so sagen darf, nicht immer ganz koscher zu. Bei nicht gläubigen Betrachtern wird sich das Gefühl des unpassenden Pathos’ einstellen können, christliche werden verdutzt sein, wie der Maler zum Beispiel das Wort vom "abwesenden Gott" wörtlich nimmt, und alle sehen: da stimmt doch was nicht.

Laut Triegel haben seine Auftraggeber genau dies bei ihm gesucht: "Als die ersten Aufträge kamen, habe ich mich gefragt, warum kommen die zu dir, du zweifelst doch eher. Von anderen habe ich die Vorwürfe gekriegt, das ist Gotteslästerung. Und von den Leuten, die mir diese Aufträge gaben - die weiß Gott nicht dumm waren - kam die Antwort: Genau das wollen wir ja, wir wollen ja eher dieses verstörende Element, wir wollen ja eher, dass du Fragen stellst."

Dass Zweifel immer wieder kommen - Ist das richtig, was ich mache? - ist, glaube ich, dem ganzen immanent, wenn man Kunst macht und nicht nur produziert und einmal Gefundenes pausenlos wiederholt. Und ich glaube, das mache ich nicht. Ich bin einfach mit dem, was ich mache, noch lange nicht fertig.

Michael Triegel
Michael Triegel
Michael Triegel Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kurzporträt des Künstlers Michael Triegel wurde am 13. Dezember 1968 in Erfurt geboren. In Leipzig studierte er Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Arno Rink, später absolvierte er ein Meisterschülerstudium bei Ulrich Hachulla. Nach dem Studium arbeitete er als freier Künstler.

Triegel wirkte als Auftragsmaler für die Kirche, gestaltete unter anderem Altarbilder in der niederländischen Hafenstadt Grave an der Maas, das Seitenaltarretabel für die Kirche St. Laurentius im schweizerischen Bern oder das Deckengemälde "Harmonia Mundi" für die Dommusik Würzburg.

Bekannt wurde Triegel als kirchlicher Porträtmaler. 2010 erhielt er den Auftrag für ein Bildnis des damaligen Papstes Benedikt XVI, später einen Folgeauftrag für ein weiteres Porträt des Kirchenoberhauptes. 2014 ließ er sich dennoch taufen. Der Künstler lebt in Leipzig.

Ausstellung in Erfurt Michael Triegel: Discordia Concors.

Angermuseum Erfurt
vom 18. November 2018 bis 17. Februar 2019

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. November 2018 | 09:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2018, 15:06 Uhr