Mick Jagger
Seit 56 Jahren mit den Stones auf der Bühne: Mick Jagger Bildrechte: IMAGO

Zum 75. Geburtstag von Mick Jagger Diese Blues-Alben machten die Rolling Stones zur Legende

Am 12. Juli 1962 gaben The Rolling Stones im Londoner Club "Marquee" ihr erstes Konzert. Die Stones, das ist die älteste Rock’n’Roll-Band oder wahlweise das größte Rockunternehmen des Universums. Begonnen aber hat aber alles mit dem Blues. Er war das musikalische Schmiermittel zwischen Mick Jagger und Keith Richards. Stefan Maelck erzählt den musikalischen Werdegang von Mick Jagger in Blues-Alben.

Mick Jagger
Seit 56 Jahren mit den Stones auf der Bühne: Mick Jagger Bildrechte: IMAGO

Muddy Waters – Rollin’ Stone

War dieser ewig junge Mann jemals wirklich jung, oder ist Mick Jagger der Dorian Gray der Rockmusik? Er wurde 2003 zum Ritter geschlagen, er ist Ehrenpräsident der University of London und hat etliche Kinder und Enkel. Mick Jagger ist nie betrunken von der Leiter seiner Bibliothek gefallen, wie Keith Richards. Er hat nie so gesoffen wie Ron Wood, der immer mal wieder pleite war. Er lebt vielmehr das Leben eines oft übellaunigen Rockasketen: Ein abgehärmter Kerl, der aussieht wie der Chef der Fremdenlegion. Wenn man der Legende Glauben darf, soll Mick Jagger eines Morgens 1961 Keith Richards auf dem Bahnhof von Dartmore getroffen haben - mit Schallplatten von Muddy Waters und Chuck Berry unter dem Arm. Schallplatten gab es damals nur in Elektroläden und amerikanische Importe waren Goldstaub.

Chuck Berry – No Money down

Mick Jagger, Keith Richards, Ronnie Wood und Charlie Watts von The Rolling Stones bei einem Konzert
Zusammen sind die Rolling Stones knapp 300 Jahre alt. Ihre Wurzeln haben die Gockgiganten im Blues. Bildrechte: IMAGO

"Nostalgie und das Leben in der Vergangenheit habe ich immer gehasst", singt Mick Jagger in "Too far Gone", einem der überzeugendsten Stücke seines Soloalbums "Goddess in the Doorway" aus dem Jahr 2001. Das glaubt man ihm trotz aller Widersprüche in seiner einzigartigen Karriere. Aber einzig, wenn es um den Blues geht, scheint Mick auch mal melancholisch zu werden. Sonst hätte er sich wohl kaum auf das Album "Blue & Lonesome" von 2016 eingelassen, auf dem die Stones zu ihren Wurzeln zurückreisen - sprich, sich einer späten Wurzelbehandlung unterziehen. Sicher ist: Ohne den Blues hätte es die Stones nicht gegeben. Als Jagger sich 1962 dem Gitarristen Brian Jones vorstellte, spielte Jones bereits bei Alexis Korners Blues Incorporated, bis heute eine Legende vor allem als britische Kaderschmiede. Jones spielte damals das Robert Johnson-Stück "Dust my Broom" in der Version von Elmore James. So muss sich der junge Wirtschaftsstudent Jagger den Musikhimmel vorgestellt haben.

Bildergalerie: Mit Mick Jagger durch sechs Jahrzehnte Rolling Stones

Mick Jagger, Bill Wyman, Keith Richards, Charlie Watts und Brian Jones, 1962
1960er: Die Rolling Stones spielten 1962 in London ihr erstes Konzert. Die Besetzung sollte sich noch ändern. Von links: Mick Jagger, Bill Wyman, Keith Richards, Charlie Watts und Brian Jones. Bildrechte: IMAGO
Mick Jagger, Bill Wyman, Keith Richards, Charlie Watts und Brian Jones, 1962
1960er: Die Rolling Stones spielten 1962 in London ihr erstes Konzert. Die Besetzung sollte sich noch ändern. Von links: Mick Jagger, Bill Wyman, Keith Richards, Charlie Watts und Brian Jones. Bildrechte: IMAGO
Ron Wood und Mick Jagger, 1978
1970er: Gitarrist Ron Wood stieß 1975 zur Band. Am Tag seines ersten Konzerts mit den Stones wurde "Ronnie" 28 Jahre alt. Bildrechte: IMAGO
 Mick Jagger und Keith Richard, 1982
1980er: Die gemeinsame Geschichte von Mick Jagger und Keith Richards ist die einer großen Hassliebe. In den 80ern wurden Spannungen zwischen den beiden öffentlich. Bildrechte: IMAGO
Mick Jagger, 1995
1990er: Mick Jagger tritt am 15. August 1995 in Leipzig zum ersten Mal mit den Rolling Stones in Ostdeutschland auf. Die dienstälteste Rockband der Welt spielte auf der Festwiese vor dem Zentralstadion vor 80.000 Zuschauern. Im Rahmen ihrer Tournee zum  Album "Vodoo Lounge" ist es das einzige Konzert in den neuen Bundesländern. Bildrechte: dpa
Ron Wood, Mick Jagger, Keith Richards und Charlie Watts, 2007
2000er: In den Nullerjahren feierten die Stones den vierzigsten Jahrestag ihres Live Albums „Get Yer Ya-Ya’s Out!“, das im Madison Square Garden in New York aufgenommen wurde. Dort waren die Rolling Stones häufige Gäste. Bildrechte: IMAGO
Die Rolling Stones bei einem Konzert in Havanna
2010er: Am Karfreitag 2016 spielen die Rolling Stones vor 450.000 Fans in Havanna. Der Eintritt ist frei. Es ist ein Zeichen der kulturellen Öffnung von Kuba. Bildrechte: IMAGO
Mick Jagger
2018: Dieser Mund spricht Rock'n'Roll: Am 26. Juli wird Mick Jagger 75 Jahre alt. Bildrechte: IMAGO
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Elmore James – Dust my broom | Little Walter – Juke

Jaggers Spektrum reichte damals von Chuck Berry bis Bo Diddley. Vor allem war es aber Muddy Waters, von dem die Stones in den frühen Jahren immer wieder Stücke coverten. Hinzu kamen die Stücke von Little Walter Jacobs, der Jagger zu seinem Harmonikaspiel inspirierte. Walter Jacobs Stück "Juke" wurde 1952 auf dem Chess-Label Nachfolger Checker veröffentlicht. Der Song war ein gigantischer Hit, der Walter ermöglichte, sich aus dem Schatten von Muddy Waters zu bewegen. 1964 tourte Little Walter durch England – mit den Rolling Stones. Ein anderer Harmonikaheld für Mick Jagger war Jimmy Reed.

Jimmy Reed – Ain’t that lovin’ you Babe? |  Bo Diddley - Cops & Robbers

Nicht vergessen werden als wichtige Einflüsse für Mick Jagger sollen hier: Howlin’ Wolf und John Lee Hooker. Später kamen B. B. King und Bukka White dazu. Und eine zentrale Rolle spielte natürlich: Bo Diddley, dessen Stücke "Diddley Daddy" und "Cops & Robbers" auch im Repertoire der Stones landeten. Logischerweise spielten auch Jazz, Country und Rock’n’Roll für die Entstehung des typischen Rolling Stones-Sounds eine große Rolle. Der Hauptbestandteil aber war der Blues. Wer die Stones Version von Robert Johnsons "Love in Vain" vom Album "Let it Bleed" hört, der stellt schnell fest: Das ist weit mehr als eine gelungene Coverversion. "Love in Vain" von den Stones ist so, also würde ein Sternekoch sein Kochbuch ins Netzt stellen: Klarer kann man nicht zeigen, wo man den Most hergeholt hat und wie er schmecken muss.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Juli 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2018, 04:00 Uhr