Ausstellung, Militärhistorisches Museum, Der Führer Adolf Hitler ist tot
Nachbildung des Besprechungstisches in der Wolfsschanze, angefertigt für den Film "Operation Walküre" Bildrechte: Militärhistorisches Museum

Ausstellung Militärhistorisches Museum beleuchtet Hitler-Attentat

75 Jahre nach dem missglückten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 zeigt das Militärhistorische Museum Dresden eine Sonderausstellung mit vielen Original-Dokumenten. Vorgestellt werden 14 Personen, die den Umsturz geplant und durchgeführt haben, stellvertretend für alle anderen. Zahlreiche Verschwörer kannten sich übrigens aus ihrer Zeit an der Infanterieschule der Reichswehr (heute: Offiziersschule des Heeres) in Dresden, wie Stauffenberg, Hans Oster oder Friedrich Olbricht. Wolfram Nagel hat die Ausstellung für MDR KULTUR besucht.

Ausstellung, Militärhistorisches Museum, Der Führer Adolf Hitler ist tot
Nachbildung des Besprechungstisches in der Wolfsschanze, angefertigt für den Film "Operation Walküre" Bildrechte: Militärhistorisches Museum

Eine Ausstellung im Militärhistorischen Museum Dresden widmet sich dem missglückten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944. Erzählt wird dabei nicht noch einmal, was durch zahlreiche Publikationen oder auch durch den Hollywood-Film "Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat" bereits bekannt ist. Aber die Ausstellung macht die Tragik des misslungenen Staatsstreichs deutlich. So verlor die Wehrmacht vom Juli 1944 bis zum Kriegsende im Mai 1945 noch einmal so viele Soldaten, wie in den Jahren seit Kriegsbeginn. Bei einem gelungenen Attentat wäre die Geschichte möglicherweise anders verlaufen.

Realitätsnahe Hollywood-Filmkulisse

Zu sehen ist in Dresden unter anderem die Originalkulisse der Baracke aus dem Spielfilm "Operation Walküre" mit Tom Cruise. Mitten in der feldgrau gestrichenen Ausstellungshalle liegt auf dem langen Besprechungstisch die Lagekarte vom 20. Juli. Genau zu erkennen ist der Frontverlauf von Norden bis zum Kaukasus. Namen auf den Dielen markieren die Stadtorte der damals Anwesenden. Graf Stauffenberg steht rechts hinter Hitler.

Ja, Stauffenberg ist ganz dicht herangekommen, der Sprengsatz ist explodiert, ist durch die Tischstütze nicht zur vollen Entfaltung Richtung Hitler gelangt, sondern in die andere Richtung, hat vier der 24 Besprechungsteilnehmer dann getötet – aber Hitler hat diesen Anschlag überlebt.

Magnus Pahl, Kurator der Ausstellung

Der Barackennachbau verkörpert ein wichtiges Stück Rezeptionsgeschichte des misslungenen Attentats auf Hitler. Zum anderen veranschaulicht das dreidimensionale Objekt das Geschehen in der Wolfsschanze an diesem Schicksalstag.

Fotos dokumentieren Kriegslage

Ausstellung, Militärhistorisches Museum, Der Führer Adolf Hitler ist tot
Stauffenberg-Büste aus der Dresdner Ausstellung Bildrechte: Militärhistorisches Museum

Mehrere Faktoren trugen dazu bei, dass Hitler später propagieren konnte, die Vorsehung habe ihn geschützt. Dabei war die militärische Lage katastrophal. Das dokumentiert eine Fotowand mit Kriegsbildern von 1944. Eine sowjetische Großoffensive hatte die Heeresgruppe Mitte zerschlagen. Und im Westen war die Invasion seit dem D-Day in vollem Gange.

Als Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres war Oberst von Stauffenberg dafür zuständig, Sperrdivisionen aufzustellen, um die Frontlücken zu schließen. Deswegen wurde er auch am 20. Juli zur militärischen Lagebesprechung befohlen. Solch eine Gelegenheit sollte es bis Kriegsende nicht wieder geben.

In einer Vitrine liegen Fernschreiben und Befehle, mit denen die Operation Walküre reichsweit ausgelöst werden sollte. Darauf ist auch der Satz zu lesen: Der Führer Adolf Hitler ist tot. Der Trick der Verschwörer: man wollte ein offizielles Procedere nutzen.

Die Operation Walküre war ein offizieller Plan, um Ersatztruppen im Deutschen Reich zu alarmieren im Fall von inneren Unruhen. Die Verschwörer haben die geniale Idee gehabt, diese offizielle Planung gegen das Regime umzukehren.

Magnus Pahl über die Operation Walküre

Umsturzpläne schon zu Kriegsbeginn

Bereits 1938/39 hatte es Umsturzpläne gegeben, in die beispielsweise Abwehroffizier Hans Oster aus Dresden eingebunden war. Doch die schnellen Erfolge der deutschen Truppen machten konkrete Versuche lange unmöglich.

Ausstellung, Militärhistorisches Museum, Der Führer Adolf Hitler ist tot
Die Filmkulisse ist separiert zugänglich Bildrechte: Militärhistorisches Museum

Dennoch gelang es den Verschwörern ein breites Netzwerk zu knüpfen. Viele Wehrmachtsangehörige hätten sicher mit ihnen sympathisiert, warteten jedoch ab, sagt Militärhistoriker Pahl. Andere, wie der Kommandeur des Wachbataillons "Großdeutschland", Major Ernst Remer, nahmen als stramme Hitleranhänger den Walküre-Befehl zunächst ernst. Als er jedoch erkennt, dass Hitler überlebt hat und alles ein Umsturzversuch ist, schwenkt er sofort um und handelt in Hitlers Sinn.

Andere bekundeten eifrig ihre Loyalität, um ihre Haut zu retten. Den standrechtlichen Erschießungen im Bendlerblock folgte eine Verhaftungs- und Hinrichtungswelle. Doch neue Erkenntnisse belegen, dass die Gestapo bei ihren Ermittlungen nicht das komplette Netzwerk aufdecken konnte. So überlebte Chefsekretärin Margarete von Oven, Freundin der Familie von Treskow. Sie hat die geheimen Befehle abgetippt. Oder Generalstabsoffizier Peter Sauerbruch, Sohn des berühmten Arztes, dessen Verbindung zu Stauffenberg bekannt war.

Viele Verschwörer haben sich äußerst geschickt in Gestapohaft verhalten. Das weiß man. Also haben sie keine Mitverschwörer belastet und alle hat die Gestapo tatsächlich nicht entdeckt.

Magnus Pahl, Kurator

Die Ausstellung "Der Führer Adolf Hitler ist tot."
Attentat und Staatsstreichversuch am 20. Juli 1944.
Sonderausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr zum zivil-militärischen Widerstand gegen das NS-Regime

5. Juli bis 3. Dezember 2019

Öffnungszeiten:
Täglich außer Mittwoch 10-18:00 Uhr
Montags 10-21:00 Uhr
Mittwochs ist das Museum geschlossen

Militärhistorischen Museum Dresden
Olbrichtplatz 2
01099 Dresden

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Juli 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2019, 15:08 Uhr

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