Buchcover "Mira"
"Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens" Bildrechte: Klett-Kinderbuchverlag

Kinderbuch-Empfehlung Warum Kinder vor der Pubertät den Comic "Mira" lesen sollten

Die Autorin Sabine Lemire und der Illustrator Rasmus Bregnhoi schaffen es perfekt und fast mit Leichtigkeit, Miras Seelenzustände und Gedanken echt und authentisch zu beschreiben und darzustellen. Da ist nichts überdreht. Ein Tipp für alle in der Vorpubertät – und ihre Eltern.

Buchcover "Mira"
"Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens" Bildrechte: Klett-Kinderbuchverlag

Mira steckt gerade in ihrer Entwicklung zwischen zwei Zuständen: zwischen dem Nicht-mehr-Kind-Sein und dem Noch-nicht-Teenager-Sein. An diesem Punkt im Leben könnte schon alles zum Drama werden, feinstes Fingerspitzengefühl ist gefordert, denn der ein oder andere Emotions-Tornado wäre schon drin.

Mira meint zu Beginn des ersten Bandes: Erwachsene sind ECHT peinlich. Auch ihre Mama macht da keine Ausnahme, obwohl sie – davon ist Mira überzeugt – die beste Mama der Welt ist. Für ihre Freunde würde Mira durchs Feuer gehen und basteln macht definitiv mehr Spaß als chillen. Protagonistin Mira ist ein tolles Mädchen, in dem sich die jungen Leser schnell selbst wiederfinden können.

Situationskomik und Wärme

Autorin Sabine Lemire
Autorin Sabine Lemire Bildrechte: Klett-Kinderbuchverlag

Sabine Lemire und Rasmus Bregnhoi schreiben und illustrieren mit viel Einfühlungsvermögen und bestimmt auch mit persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen, denn die beiden verstehen ihre Protagonisten mit ganzer Seele. Sie schaffen es, dass wir mitfühlen, wenn es rührend wird, ein wenig peinlich, verwirrend oder auch komisch. Im Comic steckt echte Situationskomik und viel Wärme und Verständnis, Text und Bild sind ein kongeniales Duo.

Mira erlebt keine großen Abenteuer wie eine weite Reise oder Spukgeschichten, sondern sie steht im Hier und Jetzt und erfährt das tagtäglich-alltägliche Abenteuer Leben. Die Künstler zeigen uns mit dem Kindercomic die kleinen, aber wichtigen Szenen.

Wir begleiten Mira und erfahren unmittelbar, was einer 9-, 10- oder 11-Jährigen so passiert, worüber sie sich Gedanken macht, was sie ärgert, freut oder verunsichert.

Britta Selle, MDR KULTUR

Doppelseiten aus dem Comic "Mira"
Doppelseite aus dem Comic "Mira" Bildrechte: Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens, Klett Kinderbuch 2019

#einjahrmeineslebens

In "Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens. Band 1" ist einiges los, immerhin wird hier von einem ganzen Jahr erzählt, das mit der Silvesternacht beginnt und endet. Auf ihre Neujahrswunschliste hat Mira geschrieben: ein cooleres Zimmer, endlich die Erlaubnis für Instagram und "sich verlieben".

Illustrator Rasmus Bregnhoi
Illustrator Rasmus Bregnhoi Bildrechte: Klett-Kinderbuchverlag

Das mit dem Instagram funktioniert relativ schnell, auch ihr Zimmer richten ihre Mama und sie etwas cooler ein, nur das mit dem Verlieben klappt noch nicht so richtig. Nur ihre Mama hat damit kein Problem. Die hat nämlich Joakim kennengelernt, der recht zügig bei ihnen einzieht. Von ihrem richtigen Vater weiß Mira nichts, weil die Mutter tatsächlich kaum Informationen über ihm hat. Miras Wunsch, ihn kennenzulernen, wird immer heftiger. Am Ende des Jahres gibt ihr ihre Mama wenigstens ein Foto von ihm.

Außerdem ist Mira zwischenzeitlich auch wegen ihrer besten Freundin Klara traurig und enttäuscht. Die findet Beate, die Neue in der Klasse, auf einmal viel cooler. Die beiden grüden Club der Verliebten, zu dem Mira keinen Zugang hat. Mit ihrem besten Freund Louis versucht Mira dann das "Miteinandergehen", aber zusammen Roboter aus Milchkartons basteln ist dann doch die bessere Lösung. Verliebt sein ist noch nix für Mira.

Instagram als Illustration

Dass Mira auf Instagram unterwegs ist, wird in Zeichnungen dargestellt, die wie Insta-Fotos aussehen. Für Mira ist Instagram – wie für viele anderen auch - ein Mittel, um den anderen zu zeigen, wie sie gesehen werden will, wie sie sein will. Das ist manchmal wirklich rührend, lustig oder noch ganz kindlich. Allerdings postet sie eher wenig Fotos und auch sonst ist ihr Smartphone seltener im Einsatz, auch wenn es für sie ohne nicht geht. Für Mira sind der direkte Kontakt, der Austausch und die Gespräche mit den Freunden, der Oma oder der Mama wichtiger – und Tagebuch schreibt sie auch.

#wasfüreinsommer

Buchcover "Mira"
Der zweite Band von "Mira" Bildrechte: Klett-Kinderbuchverlag

Der zweite Band 2 hat den Titel: "Mira #freunde #papa #wasfüreinsommer" und auch in diesem Buch ist wieder eine Menge los: Mira, ihre Mama und Joakim ziehen zusammen auf ein Hausboot, wo sich Mira mit ihrer Nachbarin Liva anfreundet  und – das ist ein ganz wichtiger Teil –ihren Vater Björn endlich kennenlernt, der ein echt netter Typ ist. Bisher hat er sich nicht um Mira gekümmert, weil er ganz schlicht nichts von ihrer Existenz wusste. Die eindrücklichste Szene in diesem Comic ist für mich die, in der Mira von ihrer Mutter erfährt, dass sie sie vor Björn verheimlicht hat. Das stürzt das Mädchen in tiefe Verzweiflung, denn Mira fragt sich: Bin ich wirklich so unwichtig? All die Jahre hat sie –  auch wenn sie ihn nicht kannte – an ihren Vater gedacht, er aber hatte gar keine Chance dazu. Das fühlt sich für Mira sehr seltsam an. Die dazugehörigen Szenen hat Rasmus Bregnoi in herrlich treffenden Bildern festgehalten, Schmerz und Verzweiflung sind deutlich spürbar. Erleichterung und Freude machen sich dann breit, wenn sie sich mit ihrer Mutter und Oma ausspricht oder wenn sie den Vater und seine Familie kennenlernt – und auf einmal sogar einen kleinen Brudi hat.

Nicht nur für Mädchen

Die beiden Mira-Bände holen in erster Linie wohl vor allem Mädchen ab, die sich gerade seelisch zwischen Kind- und Teenagersein befinden, in eben diesem Zwischenzustand, in dem Hormone schon eine Rolle spielen, das andere Geschlecht aber nur mäßig interessant ist. Aber auch Jungen können sich durchaus wiederfinden und Spaß an den Geschichten haben, in denen Erwachsene und Kinder offen und ehrlich und ganz ernsthaft miteinander reden. Hier wird kindlicher Kummer genauso ernst genommen wie fröhliches Ausgeflipptsein. Außerdem wird unaufgeregt gezeigt: Auch Erwachsene können traurig, unsicher oder völlig daneben sein.

Die jeweils knapp 100 Seiten Kinder-Comic hinterlassen beim Leser das Gefühl, einen dicken, bunten Roman gelesen zu haben. Schon vom Cover her unterscheiden sie sich sehr angenehm von dem anderen Angebot, das es beim Kindercomic gibt. Der Schriftzug "Mira" ist zwar glänzend gedruckt, doch die Zeichnungen selbst sind dann weit entfernt davon süßlich oder quietschbunt zu sein. Also von mir aus darf die Mira-Geschichte weitergehen.

Doppelseiten aus dem Comic "Mira"
Doppelseite aus dem Comic "Mira" Bildrechte: Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens, Klett Kinderbuch 2019

Infos zum Buch "Band 1: Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens."
"Band 2: Mira #freunde #papa #wasfüreinsommer."
Von dem Künstlerduo Sabine Lemire und Rasmus Bregnhoi
Übersetzt aus dem Dänischen von Franziska Gehm
Für Kinder ab etwa 9 Jahren
Erschienen im Klett-Kinderbuchverlag

Auch interessant

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Spezial: Frühlingsgeblätter - Quicklebendige Bücher für Leserlinge | 17. Mai 2019 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 10:36 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren