Islamkritik und neurechte Verbindungen Verlag S. Fischer trennt sich von Autorin Monika Maron

Monika Maron, rauchend unter Rohrleitungen
Die Autorin Monika Maron Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Verlag S. Fischer wird keine weiteren Bücher der Schriftstellerin Monika Maron veröffentlichen. Bereits in einem Interview mit der Welt am Sonntag erzählte die Autorin von der bevorstehenden Trennung. Inzwischen hat auch der Verlag bestätigt, dass es in Zukunft keine weiteren Buchverträge geben soll.

Verbindungen in die neurechte Szene

Maron selbst vermutete, der Grund für die Trennung liege in ihren kritischen Ansichten zu Einwanderung und Islam, die sie in den vergangenen Jahren vermehrt geäußert hatte, unter anderem bei ihrer Rede zum Lessingpreis und in Gastbeiträgen der Neuen Zürcher Zeitung. S. Fischer betonte jedoch, dass Meinungsvielfalt im Verlagsprogramm besonders wichtig sei. Laut der Verlegerischen Geschäftsführerin Siv Bublitz war Anlass eher eine konkrete Zusammenarbeit: "Man kann nicht bei S.Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios Verlag kooperiert."

Lebensläufe: Monika Maron 9 min
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Der S. Fischer Verlag trennt sich von Monika Maron, Grund sei die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Buchhaus Loschwitz in Dresden. Der Journalist Wolfgang Herles hat Monika Maron besucht und schildert seine Eindrücke.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 21.10.2020 06:00Uhr 08:30 min

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Die Dresdner Buchhandlung unter Leitung von Susanne Dagen gilt als der Neuen Rechten und der Pegida-Bewegung nahestehend. Vor drei Jahren initiierte Dagen die Charta 2017, die unter anderem von Uwe Tellkamp ("Der Turm") unterzeichnet wurde. Sie kritisierte darin den Umgang der Frankfurter Buchmesse mit rechten und "andersdenkenden" Verlagen und befürchtete eine sogenannte Gesinnungsdiktatur. Seit einigen Jahren bringt sie außerdem die Reihe "Exil" heraus, die auch vom rechtsextremen Vordenker und Verleger Götz Kubitschek vertrieben wird, dessen "Institut für Staatspolitik" aus Schnellroda in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Monika Maron ihrerseits gab sich in Gesprächen mit verschiedenen Zeitungen unbescholten und sprach von einem "Rausschmiss": Der problematische Reihentitel "Exil", der an jüdische und politisch widerständige Autoren und Autorinnen der NS-Zeit erinnere, sei ihrer Meinung nach als Rückzug aus einer lauten Welt gemeint. Die Nähe zum rechten Antaios-Verlag habe sie selbst überrascht: "Zeigen Sie mir mal einen Autor, der sich um den Vertrieb kümmert", sagte sie der Welt am Sonntag. Sie sei der Idee von Susanne Dagen für einen Essayband gefolgt, weil ihr Vorschlag zu einem ähnlichen Band beim Fischerverlag aus Anlass ihres 80. Geburtstags nicht auf offene Ohren stieß, so die Autorin. Beim Verlag klingt das anders. Tatsächlich sollen im Mai 2021 ausgewählte Essays unter dem Titel "Was ist eigentlich los?" erscheinen. Es wird voraussichtlich die letzte Veröffentlichung Marons bei S. Fischer sein.

Lange Zusammenarbeit

Damit endet eine fast 40-jährige Zusammenarbeit: 1981 konnte die DDR-Bürgerin Monika Maron ihren Roman "Flugasche", der die Umweltverschmutzung in der DDR thematisierte, nicht im eigenen Land veröffentlichen. Stattdessen erschien das Buch in Westdeutschland bei S. Fischer. Seitdem arbeitet Maron fast ausschließlich mit dem Frankfurter Verlag zusammen.

Mit den neuen Verbindungen Marons in die rechte Szene will S. Fischer jedoch nichts zu tun haben, erklärt Siv Bublitz der Süddeutschen Zeitung: "Mit völkischen und rassistischen Diskursen will der S. Fischer Verlag nicht assoziiert werden, auch nicht mittelbar. Die Diktatur des Nationalsozialismus hat die Geschichte und Tradition unseres Hauses geprägt. Dieses Geschichtsbewusstsein leitet uns in unserer verlegerischen Arbeit bis heute." Die Bücher, die Maron bisher in ihrem Haus veröffentlicht hat, sollen aber auch in Zukunft bei S. Fischer verlegt und vertrieben werden. Nur für ihre neuen Texte muss sich Monika Maron nun einen neuen Verlag suchen.

Gute Bücher bei MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Oktober 2020 | 17:30 Uhr