Monika Osberghaus
Monika Osberghaus Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Wenn Kinder "Loslesen!" Monika Osberghaus verlegt Kinderbücher abseits von Mainstream und Glitzer

Monika Osberghaus
Monika Osberghaus Bildrechte: MDR/Simon Bernard

2008 wurde der Klett Kinderbuch Verlag als kleiner Ableger des großen Stuttgarter Klett Konzerns in Leipzig gegründet. Seit 2015 ist er ein unabhängiger Verlag und von Anfang an ist hier Monika Osberghaus die Chefin. Die Bücher, die unter ihrer Regie das Licht der Kinderliteraturwelt erblicken, sind anders als andere: authentisch und unkonventionell. Man müsse schon, wenn man mit Kinderbüchern zu tun hat, eine kindliche Art behalten, auch gern mal Quatsch machen können und albern sein, sagte Monika Osberghaus bei MDR KULTUR trifft ...

Das große Problem, wenn man als Erwachsener Kultur für Kinder macht, ist da diese Asymmetrie: Denn die Kinder sind NICHT wir.

Monika Osberghaus, Verlegerin

Sie habe ein ganz gutes Gefühl dafür entwickelt, was Kinder mögen, sagt Osberghaus. Aber letztendlich mache ihr Verlag Produkte für Kinder und müsse die Erwachsenen bewegen, diese zu kaufen. Das sei die Klippe, die sie umschiffen müsse. Das heißt, ein bisschen "Mogelpackung" machen, damit das Buch von außen netter und braver aussehe, als es innen ist. Weil so viele Erwachsenen zwischen den Kindern und Büchern stehen: Eltern, Erzieherinnen, Buchhändlerinnen - Osberghaus nennt sie "Torwächter", Leute, die meinen zu wissen, was gut für Kinder ist.

Klett Kinderbuch als subversives Objekt im Mainstream

In letzter Zeit sei der Anspruch noch höher geworden: Die Erwachsenen wollen, dass ein gutes Kinderbuch politisch korrekt ist, und dass die Kindern etwas bei der Lektüre lernen. Das spiele dann so sehr die Hauptrolle, dass die Bücher am Ende langweilig werden. Die Aufgabe von Klett Kinderbuch sei es, dagegen anzugehen, auch "etwas anzustinken".

Ich finde, Kindheit ist alles, da sollte alles drin vorkommen. In einem Kinderbuch will ich lachen, weinen, was Neues erfahren.

Monika Osberghaus, Verlegerin

Als sei im Kinderbuchbereich alles wunderschön und niedlich

Wenn Osberghaus anderen von ihrem Beruf erzählt, dann lächeln alle und sagen: "Oh, das sei ja schön, das würde ich auch gern mal machen." Als ob im Kinderbuch-Metier immer alles ganz niedlich sei. Speziell für Männer würde die Reaktion noch stärker ausfallen, denn die Kinderbuchbranche sei schon ein ziemlicher Frauenverein. Wenn ein Mann sagt, er ist Kinderbuchillustrator, dann beginne sein Gegenüber regelrecht zu lachen. Kinderbücher machen, das sei - so die gängige Vorstellung - eher was für eine nette Frau. Ein Mann dagegen werde fast ausgelacht.

Gegen den Mainstream und Glitzer veröffentlichen

Dabei sei die Herausforderung, in der Kinderliteratur eine Spur zu hinterlassen, sehr groß und sehr wichtig. Büchermachen für Kinder, das habe nichts mit Reputation zu tun, sondern da mache man was Relevantes.

Im Bereich Kultur für Kinder gebe es immer mehr Mainstream. Das sehe man sofort, wenn man zum Beispiel in eine Buchhandlung geht und den Glitzerkram sieht. Osberghaus verstehe, dass Kinder Glitzer mögen und brauchen und lieben. Das sei nicht das Problem. Aber die Frage sei, ob es davon so wahnsinnig viel geben muss. Und: Die Geschichten, die damit erzählt werden, seien austauschbar, letztendlich Trivialliteratur für Kinder, die den Markt verstopfe.

Der Klett Kinderbuch-Verlag stoße da eher in eine Lücke, was realistische Geschichten und vor allem, was nicht ganz brave Geschichten angeht. Klett Kinderbuch gucke nicht nur danach, was Kinder lernen sollen, sondern was Kinder lernen wollen. Sie würde vor allem viel quatschige Bücher machen, weil Kinder das eben wollen.

Ich will, dass bei den Kindern irgendwas angeknipst wird. Dass sie ihr eigenes Leben darin erkennen, weiterdenken, ins Reden geraten, dass es irgendwas anschubst. Dass es nicht nur Eskapismus ist.

Monika Osberghaus, Verlegerin

Kinderliteratur bei MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft ... | 06. Oktober 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2018, 16:03 Uhr

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