Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat ein Plakat tapeziert, das fürs Erzgebirge wirbt. Die Region will den Titel UNESCO-Weltkulturerbe haben.
Der Weg zum Weltkulturerbe war erfolgreich Bildrechte: MDR/Christiane Günther

Gespräch mit Initiator Helmuth Albrecht UNESCO-Welterbetitel für Montanregion Erzgebirge – "ein Beitrag gegen den Nationalismus"

Im Sommer ist die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen worden – am Samstag findet in Freiberg die feierliche Übergabe der offiziellen Ernennungsurkunde durch Kulturstaatsministerin Monika Grütters statt. Helmuth Albrecht von der TU Freiberg hatte als Initiator und Berater für den Welterbe-Antrag großen Anteil an diesem Erfolg für die Region und sieht darin einen Beitrag zur Völkerverständigung.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat ein Plakat tapeziert, das fürs Erzgebirge wirbt. Die Region will den Titel UNESCO-Weltkulturerbe haben.
Der Weg zum Weltkulturerbe war erfolgreich Bildrechte: MDR/Christiane Günther

Am Samstag wird der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří offiziell der Welterbetitel verliehen. Im Rahmen eines Festaktes in Freiberg wird die UNESCO-Ernennungsurkunde feierlich übergeben. Mit dabei ist auch Helmuth Albrecht, Professor für Technikgeschichte und Industriearchäologie an der TU Bergakademie Freiberg. Er ist einer der Initiatoren und Wegbereiter des UNESCO-Antrags. Albrecht sagte MDR KULTUR, die Auszeichnung habe eine große Bedeutung für die Region Erzgebirge – zumal an diesem Tag: "Es ist eine glückliche Koinzidenz, dass wir die ohnehin geplanten Feierlichkeiten zum heutigen Geburtstag von Humboldt mit der Verleihung dieser Urkunde aufwerten können."

Humboldt, in Freiberg studiert und in die Welt hinausgegangen, stehe symbolisch für das Welterbe. Denn das sei "darauf angelegt, Nationalismen zu überwinden – in kultureller, wissenschaftlicher Hinsicht und bezogen Bildungszusammenarbeit". Es stehe, so Albrecht, auch für Völkerverständigung und Kulturaustausch über Grenzen hinweg. "Insofern ist es ein Beitrag gegen Nationalismus."

Beitrag zum europäischen Einigungsprozess

Den außergewöhnlichen, universellen Wert, den die UNESCO für ein Welterbe fordert, habe man nur mit dem Nachbarland Tschechien darstellen können, betont der Industriearchäologe. Immerhin habe man eine lange gemeinsame Geschichte: "Die Grenze war ja bis ins 15. Jahrhundert überhaupt nicht definiert." Außerdem gebe es bisher nur wenige grenzüberschreitende Welterbestätten.

Helmuth Albrecht, 2011
Helmuth Albrecht Bildrechte: dpa

Albrecht schwärmte auch von der Zusammenarbeit mit den tschechischen Partnern. Die Sprachgrenze habe man schnell überwunden. "Dann haben wir in der Bevölkerung, in den Vereinen und Kommunen vor Ort viele offene Arme vorgefunden. Wir sind im Laufe der Zusammenarbeit zu Freunden geworden." Von Anfang an sei das Projekt Welterbe Montanregion auch ein Beitrag zum europäischen Einigungsprozess gewesen.

Heute ist die politische Grenze nicht mehr so entscheidend. Da sind eher Sprach- und Kulturgrenzen. Aber der Bergbau bringt die Menschen beiderseits der Grenzen zusammen.

Helmuth Albrecht, Professor für Technikgeschichte

Welterbe-Projektgruppe

Die UNESCO hat am 6. Juli die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří als Weltkulturerbe anerkannt. Albrecht oblag 19 Jahre lang die fachliche Beratung für den deutsch-tschechischen Antrag und er war auch bei der Entscheidung in Baku vor Ort. 2000 hatte er die Idee des Freistaates Sachsen aus dem Jahr 1998 aufgegriffen, das Erzgebirge als möglichen Kandidaten für die UNSECO-Liste des Weltkulturerbes vorzuschlagen. Zur Realisierung gründete er an der TU Bergakademie Freiberg die Welterbe-Projektgruppe.

800-jährige Geschichte des Erzbergbaus

Die Bergstadt Banská Štiavnica gehört mit ihren Sehenswürdigkeiten wie dem Kalvarienberg seit 1993 zum UNESCO Welterbe
Bergstadt Banská Štiavnica Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Welterbe-Antrag der Montanregion hatte vor dem Erfolg viele Hochs und Tiefs. So wurde eine vorangegangene Version nach Bedenken des Weltdenkmalrats Icomos zunächst zurückgezogen. Mit dem überarbeiteten Antrag ist nun die Aufnahme in die Liste des schützenswerten Erbes der Welt gelungen. Die Region bewarb sich mit 17 sächsischen und fünf tschechischen Bestandteilen. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften sind Teil einer 800-jährigen Geschichte des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus und vermitteln das Bild einer vom Bergbau geprägten historischen Kulturlandschaft.

Engagierte Bürger und Institutionen beiderseits der Grenze hatten 2003 den Förderverein Montanregion Erzgebirge e.V. gegründet. Unterstützung für die Bewerbung um den UNESCO-Titel erhielten sie auf sächsischer und tschechischer Seite von drei Landkreisen sowie 32 Städten und Gemeinden, die sich eigens dafür zusammenschlossen. Mehr als 1.000 Menschen hatten über die Jahre das Projekt begleitet und unterstützt.

Zur Person von Helmuth Albrecht Helmuth Albrecht wurde 1955 in Celle/Niedersachsen geboren. Er wuchs in einer Familie auf, deren Geschichte seit Generationen eng mit dem Bergbau verbunden ist. Albrecht selbst studierte Elektrotechnik, Physik und Geschichte an der TU Braunschweig. Er promovierte 1984 im Hauptfach Geschichte und im Nebenfach Physik. Von 1985 bis 1995 war Albrecht Hochschulassistent an der Universität Stuttgart, an der er 1997 für das Fachgebiet Wissenschafts- und Technikgeschichte habilitierte. 1997 bekam er den Lehrstuhl für Technikgeschichte und Industriearchäologie und wurde Direktor des Institutes für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte an die TU Bergakademie. Er ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften und Beiräte, zum Beispiel im Sächsischen Kultursenat.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft ... | 27. Juli 2019 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2019, 04:00 Uhr

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