Der Marktplatz mit dem Rathaus und dem Brunnen Otto der Reiche in Freiberg im Erzgebirge
Der Marktplatz von Freiberg Bildrechte: imago/Uwe Meinhold

Freiberg Welterbe-Debatte im Erzgebirge: Wohin soll das Besucherzentrum?

Als die UNESCO die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří im Sommer als Welterbe ernannt hatte, war es ein Triumph. Doch trübt eine innerstädtische Diskussion in Freiberg um den Standort eines Besucherzentrums nun die Freude. Am von der Stadtverwaltung favorisierten Standort, dem Silbermannhaus, müsste die Silbermannausstellung weichen, die in dem traditionsreichen Haus beherbergt ist.

Der Marktplatz mit dem Rathaus und dem Brunnen Otto der Reiche in Freiberg im Erzgebirge
Der Marktplatz von Freiberg Bildrechte: imago/Uwe Meinhold

Im erzgebirgischen Freiberg herrscht dicke Luft. Grund ist die Standortwahl eines möglichen Welterbestätten-Besucherzentrums in der Stadt. Eine große Tageszeitung fragte gar polemisch: "Spaltet der Titel das Erzgebirge?"

Fast zwei Jahrzehnte hatten Sachsen und Tschechien dafür gekämpft, dass die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří als Welterbe anerkannt wird. Groß war der Jubel, als die UNESCO im Juli 2019 den Titel offiziell verliehen hat. Inzwischen liegt eine Welterbe-Broschüre vor und gibt es eine Welterbe-App. Im nächsten Schritt sollen in den vier großen Bergstädten Annaberg, Freiberg, Marienberg und Schneeberg Welterbe-Informationszentren als Anlaufstelle für Touristen entstehen. Doch was in Annaberg-Buchholz recht geräuschlos verläuft, sorgt in Freiberg für Konflikte.

Kostengründe als Entscheidungsgrund

Die Freiberger Stadtverwaltung hat seit längerem einen klaren Favoriten:  Als bester Standort für das Welterbe-Besucherzentrum schwebt ihr das Silbermannhaus am Schlossplatz vor. Vize-Oberbürgermeister Holger Reuther erklärt, warum: "Der Hauptgrund, warum wir diese Variante favorisiert haben, ist der,  dass die Touristinfo in diesem Haus untergebracht ist und es günstig wäre, dort auch das Welterbezentrum unterzubringen, da man über die Touristinfo das Zentrum bedienen könnte. Eine deutliche Kostenersparnis! Wir müssen kein zusätzliches Personal einstellen. Das ist Kosteneffizienz."

Silbermanngesellschaft will bleiben

Schriftzug von Gottfried Silbermann am Silbermannhaus
Das Silbermannhaus in Freiberg Bildrechte: imago/Hanke

So pragmatisch sehen das freilich nicht alle. Albrecht Koch zum Beispiel. Er ist Präsident der Silbermanngesellschaft, die seit Ende der 90er-Jahre im Silbermannhaus sitzt und für die schlicht kein Platz mehr wäre, wenn das Infozentrum käme. Im Haus gibt es ein kleines Museum über den Meister Silbermann und ein gläsernes Orgelmodell zum Anfassen und Spielen für Jedermann.

Die  Silbermanngesellschaft hat sich eigentlich von Anfang an so positioniert, dass die Authentizität des Ortes für uns ganz wichtig ist. Und dass das Besondere an diesem Ort ist, dass er hier 40 Jahre lang seine Werkstatt hatte. Und das macht dieses Haus besonders. Ein authentischer Ort, verknüpft mit einer herausragenden Persönlichkeit der Kunstgeschichte.

Albrecht Koch, Präsident der Silbermanngesellschaft

Mit anderen Worten: die Silbermanngesellschaft will bleiben. Zwar hat die Stadt ein Ausweichquartier am Domplatz angeboten, doch die historischen Domherrenhäuser 2 und 3 liegen ein wenig ab vom Schuss. Und damit nicht genug, so Koch:

Albrecht Koch, Präsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e.V. und Künstlerischer Leiter der Silbermann-Tage.
Albrecht Koch, Präsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e.V. Bildrechte: Gottfried-Silbermann-Gesellschaft/Martin Förster

Sehr wohl stehen da viele Fragen im Raum, weil dort immens  hohe Investitionskosten sind, Fragen von Denkmalschutz, von Statik, von Bauzustand, die im Raum stehen, weil die Häuser unsaniert sind. Und so wie es aussieht, ist für uns als Gesellschaft eine Sanierung der Häuser überhaupt nicht zu schaffen.

Albrecht Koch, Präsident der Silbermanngesellschaft

Unterschiedliche Meinungen

Auf einer Ampel ist ein grüner Bergmann in Seitenansicht zu sehen.
Auch auf den Freiberger Ampeln wird an die Bergbautradition erinnert Bildrechte: Michael Milew

In der Diskussion um den richtigen Standort mischen inzwischen viele Seiten mit: so der Landrat,  der das Besucherzentrum gern im Silbermannhaus sehen würde.

Aber auch Besucher des Silbermannhauses mischen sich in die Debatte ein, und hinterlassen im Gästebuch Botschaften wie "Lasst Euch nicht vertreiben".

Und schließlich die lokale Presse, die daran erinnert, dass die UNESCO den Orgelbau zum immateriellen Welterbe zählt – und deren jüngste, provokante Schlagzeile den Vize OB ärgert:

'Welterbe gegen Welterbe' halte ich für eine völlig überzogene Schlagzeile. Das Welterbe ist letztlich doch die Gesamtheit aller historischen Ereignisse, die dazu geführt haben, dass sich diese Bergbauregion entwickeln konnte. Und dazu zählt natürlich auch der Orgelbau. Insofern: eine Lösung gegen die Silbermanngesellschaft wird es nicht geben.

Holger Reuther, Vize-Oberbürgermeister von Freiberg

Auch wenn Vize-OB Reuther zunächst vage beibt, klingt das nach einem in der Luft liegenden Kompromiss.

Entspannung in Annberg-Buchholz

Matthias Lißke ist Geschäftsführer des Welterbevereins und ihn verwundert die Freiberger Debatte. Lißke sitzt im 60 km entfernten Annaberg-Buchholz, wo die Standortsuche nach einem Besucherzentrum ganz geräuschlos verläuft. Die Erfahrungen um das Welterbe haben die Region ja eher zusammengeschweißt, meint er. Zeugnis der Euphorie sind bis heute die vielen bunten Flaggen mit dem Aufdruck "Hurra, wir sind Welterbe!", die an Welterbestätten wie der Annenkirche in Annaberg-Buchholz wehen.

Matthias Lißke
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich denke, das ist ein Stück überhitzt. Man muss in Freiberg erstmal prüfen, was gibt's für Alternativen. Die Stadt ist riesengroß und da gibt's mit Sicherheit eine Möglichkeit, für beide Einrichtungen, einen Gewinn zu erzielen dabei.

Matthias Lißke, Geschäftsführer des Welterbevereins

Die Gestaltung des Welterbestättentitels scheint also kein unlösbares Problem zu sein. Bis Ende Februar hat Freiberg nun Zeit, dem Welterbeverein sein Konzept für ein Besucherzentrum vorzulegen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. November 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 04:00 Uhr

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