Theatervorstellung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
Szene aus "Monty Python's Spamalot" am Theater Gera Bildrechte: Ronny Ristok

Theater Gera "Monty Python's Spamalot" hat das Zeug zum Kultstück

"Very British" – "Monty Python's Spamalot" feierte am 11. Oktober am Theater Gera Premiere. Das Musical entstand durch liebevolles Fleddern des Films "Die Ritter der Kokosnuss", wie es im Untertitel heißt. Unser Theaterkritiker Wolfgang Schilling war bei der Premiere dabei und ist schwer begeistert.

Theatervorstellung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
Szene aus "Monty Python's Spamalot" am Theater Gera Bildrechte: Ronny Ristok
Theatervorstellung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne. 7 min
Bildrechte: Ronny Ristok
Theatervorstellung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne. 7 min
Bildrechte: Ronny Ristok

MDR KULTUR: Ein Schauspielensemble spielt Musical und versucht, den sehr speziellen britischen Humor von Monty Python auf eine deutsche Stadttheaterbühne zu bringen. Geht das gut?

Das ging nicht nur gut, das ist sogar ganz großartig gelungen. Diese Inszenierung, und da lehne ich mich nicht mal weit aus dem Fenster, die hat das Zeug zum Kultstück.

Was waren denn die entscheidenden Voraussetzungen für den Erfolg?

Theatervorstellung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
"Monty Python's Spamalot" am Theater Gera Bildrechte: Ronny Ristok

Das Musical ist unter Mitwirkung von Meisterhand entstanden. Das Buch, die Liedtexte und auch einige Musiken stammen von Eric Idle, einem Mitglied der Originaltruppe. Der hat sich für dieses Musical mit dem Komponisten John Du Prez zusammengetan. Es geht, wie im Film, um die Gralssuche von König Artus mit Hilfe einer aus dem mittelalterlichen Prekariat angeworbenen skurrilen Ritterschar. Ergänzt ist das Ganze um fast 25 Songs, die sich auch sehr selbstironisch mit dem Theater und dem Genre Musical beschäftigen. 2005 war die offizielle Premiere am Broadway, wo es dann fünf Jahre am Stück lief. Ab 2006 lief es in London und seit 2009 auch in Köln am Musical-Dome.

Wie gelingt der britische Humor in Thüringen?

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Szene aus "Monty Python's Spamalot" am Theater Gera Bildrechte: Ronny Ristok

Der Britische und dazu noch sehr spezielle Humor von Monty Python, das sind Herausforderungen. Aber hier in Gera und Altenburg, muss man sagen, gibt es ein Duo, dass schon mehrfach bewiesen hat, dass man mit dem Schauspielensemble im Musical-Bereich über sich hinauswachsen kann. Das sind Manuel Kressin, der sehr für dieses Fach affine Schauspieldirektor und bekennender Monty Python-Verehrer von Kindesbeinen an – und Olav Kröger, der musikalische Leiter. Die sind da wirklich ein Erfolgsgarant. Und diesmal sind sie zu ganz großer Form aufgelaufen, weil es ihnen gelungen ist, spartenübergreifend zu arbeiten und die Kolleginnen und Kollegen vom Opernchor und die jungen Eleven vom Thüringer Staatsballett mit einzubeziehen.

Wie sich hier ein Opernchor auch in spielerischen Belangen auf den Punkt genau bewegt und die klassisch grundierten Tänzer das Genre Musical bedienen, das ist ein wesentlicher Teil des Erfolgs. Und er ist unbedingt ein Verdienst des Choreographen Paul Julius. Da gibt es keinen Bruch und auch einen aktuellen Vorschlag zur derzeit heiß diskutierten Frage, ob Cheerleading noch politisch korrekt ist. Ja, wenn man das so wie Gera, nämlich im Geschlechtermix präsentiert, ist jedem einseitigem Sexismusverdacht sofort der Wind aus den Gender-Segeln genommen.

Das Musical wird solistisch von den Schauspielern des Geraer Theaters gestemmt. Wie schlagen sich die Kollegen?

Blitzsauber, spielerisch sowieso und musikalisch allesamt überzeugend. Da gibt es keinen Ausreißer. Höchstens einen, nach oben hinaus. Michaela Dazian, die die Fee aus dem See gibt, sie ist die Diva, die Kirsche auf der Sahnetorte. Die Frau ist eine Bühnenurgewalt, singt und spielt ihren Part ganz tief aus dem Bauch heraus und treibt ihn in höchste komödiantische Höhen.

Ohne Wackler und immer noch mit einem erotischen Wimpernschlag, der, im richtigen Moment gesetzt, bis in den zweiten Rang hoch Wirkung zeigt. Und auch die Herren Markus Lingstädt als König Artus sowie Mario Radosin, Adrien Papitz, Thorsten Dara, Sebastian Schlicht und Manuel Struffolino als seine Tafelrunde und in vielen weiteren Rollen geben ihrem Affen Zucker. Sogar der Intendant Kay Kunze zeigt in einem Einspielerfilm komisches Talent. In einer Rolle, die ihm als Herrn des Hauses natürlich zusteht. Er spielt Gott.

Theatervorstellung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
"Monty Python's Spamalot" am Theater Gera hat das Zeug zum Kultstück, findet unser Theaterkritiker. Bildrechte: Ronny Ristok

Das klingt alles nach einem großen und vor allem gelungenen Spaß?

Das ist es, aber es ist noch mehr. Der Erfolg baut nicht nur auf Komik und lustige Äußerlichkeiten. Nicht umsonst rief eine Frau nach dem Song "Ich bin allein", der richtig in die Tiefe geht: "Gänsehaut" in den Szenenapplaus. Den es übrigens reichlich gab. Bei 25 Songs ist auch mal was über und für die Seele dabei. Und, was die Wirkung von Monty Python überhaupt ausmacht, ist ja der lebenskluge und zutiefst humane Unterbau ihres Humors. Wenn die, in den 70er-Jahren ihre Schwulen-Sketche machten, dann lag da ja auch was Befreiungskämpferisches drunter.

Und so wie Sebastian Schlicht seinen Sir Robin und dann vor allem seinen schwulen Prinzen Herbert anlegt, hat das eben auch heute so gar nichts von dummem "Tunten-Humor"-Getue. Es ist auf eine ganz leichtfüßige Art ein Bekenntnis zu Toleranz. Wie überhaupt dieser Humor von Monty Python ein gutes Rezept gegen diese Rechthaberei ist, die unser Leben heute immer mehr in den Griff bekommt. Egal aus welchem Impetus oder ideologischen Anspruch heraus. Man sollte drüber lachen, sich wieder mal ein bisschen locker machen.

Und in diesem Sinne ist "Monty Python's Spamalot" ein Stück, das im Grunde genau zielt in die Unzufriedenheit und Bösartigkeit, die uns gegenwärtig so sehr bedrängt. In diesem Sinne, auf nach Gera zur Therapie. Die zahlt zwar nicht Ihre Krankenkasse, aber sie tut wirklich gut. Ohne Risiken und Nebenwirkungen. Fragen Sie Ihren Kritiker.

Theatervorstellung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
Szene aus "Monty Python's Spamalot" am Theater Gera Bildrechte: Ronny Ristok

Das Gespräch führte Carsten Tesch für MDR KULTUR.

Die nächsten Aufführungen sind am 12.10., 19:30 Uhr, und am 13.10., 14:30 Uhr, im Großen Haus Gera.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Oktober 2019 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2019, 10:15 Uhr

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