Robert Moog
Robert Moog (1934 – 2005). Bildrechte: dpa

Musik Diese zehn Songs würde es ohne Robert Moog nicht geben

Robert Moog war ein Pionier der elektronischen Musik. Er erfand den Moog-Synthesizer, mit dem zahlreiche namenhafte Musiker experimentierten, etwa Kraftwerk, Emerson, Lake and Palmer oder Donna Summer. Am 23. Mai 1934 wurde Moog in New York geboren. Anlass für uns, zehn Songs zu sammeln, die es ohne ihn vielleicht nie gegeben hätte.

Robert Moog
Robert Moog (1934 – 2005). Bildrechte: dpa

1. Wendy Carlos – "Switched-on Bach" (1968)

Einer der ersten Musiker und Spundtütler, der das Potential des Moog-Sythesizers erkennt, ist Wendy Carlos – geboren als Walter Carlos. Dass er Stücke von Johann Sebastian Bach adaptiert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. "Switched-on Bach" wird mit drei Grammys ausgezeichnet und ist für viele Popmusiker – wie etwas Giorgio Mororder – der Moment der elektronischen Erleuchtung.

2. Hot Butter – "Popcorn" (1969/1972)

Gershon Kingsley hatte das Stück schon 1969 für sein First Moog Quartett für die LP "Music To Moog By" komponiert. Die Band spielt 1970 das erste voll elektronische Konzert in der Londoner Carnegie Hall. Die vierköpfige Band kann übrigens als Blaupause für Kraftwerk gesehen werden. Kingsleys "Popcorn" wird zwei Jahre später in gleich drei Versionen in den Charts zu finden sein – die erfolgreichste ist die von Hot Butter.

Moog Synthesizer
Ein analoger Moog-Synthesizer von Keith Emerson (Emerson, Lake and Palmer). Bildrechte: imago images/ZUMA Press

3. Emerson, Lake and Palmer – "Lucky Man" (1970)

Greg Lake ist gerade mal zwölf, als er den Song auf einer alten Gitarre mit nur noch einer Saite erfindet. Jahre später wird seine Band im Studio sitzen und einen Song benötigen, denn die Platte ist noch nicht "voll". Das ist der Moment für "Lucky Man". Das und der Fakt, dass Keith Emerson sich gerade einen Moog-Synthesizer zugelegt hatte. Keith spielt nur zum Spaß über die eigentlich schon fertige Aufnahme. Dieses Moog-Solo ist bis heute ein Meilenstein der Rockgeschichte.

 4. Tangerine Dream – "Phaedra" (1974)

Bereits 1967 gründet Edgar Froese gegründete die Band mit dem Namen "Mandarinentraum". Sie gehört zu den Wegbereitern des Krautrock und später dann auch der elektronischen Musik. Was 1970 als Experiment im Heimstudio beginnt, entfaltet sich auf der "Phaedra" zum ersten Mal in voller Pracht und beschränkt sich nicht nur auf Moog-Sounds.

Tangerine Dream
Tangerine Dream Bildrechte: IMAGO

5. Donna Summer – "I feel love" (1976)

Giorgio Moroder will für die Donna Summer LP "I remember yesterday" den Klang der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Die Zukunft findet er zusammen mit seinem Toningenieur am Moog-Synthesizer in den  Münchner Musicland Studios. Donna Summer schreibt einen Text für das Stück. Aber sie wird nur den Refrain singen, sie sagt: Lass das einfach fließen. Mit "I feel love" gehört Giorgio Moroder – neben Kraftwerk –  gehört zu den Geburtshelfern des Techno.

6. Chicory Tip – "Son of my father" (1972)

Auch der deutsche Schlager will Anfang der Siebziger Jahre cool sein. "Nachts scheint die Sonne" heißt das deutsche Original, das Michael Holm gesungen und mitgeschrieben hat, produziert von den Moog-Pionieren Giorgio Moroder und Pete Belotte. Die Coverversion der britischen Band Chicory Tip gilt als der erster Nummer 1-Hit, der fast vollständig auf den Moog-Klang setzt.

7. Kraftwerk – "Autobahn" (1974)

Das vierte Album von Kraftwerk heißt schlicht "Autobahn". Das Titelstück misst 23 Minuten und basiert auf Moog-Sounds. Zum ersten Mal setzt die Band hier auch Text und Gesang ein. Die LP schafft es in die internationalen Top Ten, die stark gekürzte Singleauskopplung macht sich auch bemerkbar. Minimalistisch, hypnotisch und klanglich brillant. Mit "Autobahn"  definiert sich Kraftwerk als Band neu und setzt Maßstäbe für die elektronische Musik bis heute.

Konzert der Band Kraftwerk, 2013
Kraftwerk Bildrechte: imago/Eastnews

8. Billy Cobham & George Duke Band – "Stratus" (1973)

"Stratus" findet sich auf "Spectrum", dem ersten Solo-Album des Jazz/Fusion-Schlagzeugers Billy Cobham, der hier zum ersten Mal Jazz-, Rock- und Funk-Elemente miteinander verbindet. Besonders "Stratus" beeinflusste die Popmusik, aber auch die Jazzmusik, die weitaus offener für elektronische Sounds wurde. Den Moog bedient ein gewisser Jan Hammer, der da seinen kommerziellen Durchbruch mit "Miami Vice" noch vor sich hat.

9. Parliament – "Flashlight" (1978)

Für den Funk ist die Basslinie –also der groove essentiell. Und dieser hier klingt anders: Er klingt satt, organisch und er reißt mit. Hier sind mehrere Minimoog-Synthesizer gekoppelt und legen so die Basis für den elektronischen Funk und den Hip Hop der 80er-Jahre. Die Single hält sich vier Monate in den amerikanischen Charts, auf der "Flash Light"-LP misst das Titelstück 10:23 Minuten. Für die Diskotheken der Disco-Ära gehört das Stück zum Pflichtprogramm.

10. Gary Numan – "Cars" (1979)

Gary Numans Band "Tubeway Army" gehört eigentlich zum Punk. Im Studio erweckt vergessenes Minimoog-Gerät  Numans  Aufmerksamkeit. Drei Tage experimentiert er mit dem Synthesizer herum, am Ende ist er süchtig. Der neue Sound verärgert Bandmitglieder  und Plattenfirma. Der kommerzielle Erfolg glättet die Wogen jedoch schnell. Gary Numan hat den durch Zufall den Sound der aufdämmernden Achziger Jahre entdeckt – später wird man das Synthie-Pop nennen.

Moog Synthesizer
Ein modularer Synthesizer. Bildrechte: imago/Dirk Sattler

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Mai 2019 | 14:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2019, 04:00 Uhr

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