Peter Mücke Motorsport Rennfahrer Lebensläufe
Der Berliner Peter Mücke kann auf eine rund 50-jährige Motorsportkarriere zurückblicken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Porträt Rennfahrer Peter Mücke: Mit Vollgas durchs Leben

von Titus Richter, MDR KULTUR

Peter Mücke Motorsport Rennfahrer Lebensläufe
Der Berliner Peter Mücke kann auf eine rund 50-jährige Motorsportkarriere zurückblicken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rennfahrer Peter Mücke begann seine Karriere als Schrauber für einen Melkus-Piloten und führt jetzt, mit 71 Jahren, den größten privaten Rennstall Deutschlands. Mit einem jugoslawischen Fiat wurde Mücke in den 1970ern auf dem Sachsenring und in Frohburg mehrfach DDR-Meister. Heute ist er Teamchef von "Mücke Motorsport" und steht bei den GT Masters in Oschersleben oder auf dem Nürburgring an der Seite der Größen der Szene in der Boxengasse. Unter seiner Führung entwickelten sich Talente wie Sebastian Vettel und Pascal Wehrlein zu Siegertypen und im aktuellen Mücke-Team fährt Markus Winkelhock um Podestplätze. In der Motorsportarena Oschersleben bei Magdeburg ist er der Boss, die Autorität für junge Fahrer wie Lucas Auer und Sebastian Asch. Auf dem Nürburgring fährt er noch selbst mit seinem 600 PS Ford Capri. Mücke ist ein Phänomen, keine andere Größe des DDR-Motorsports hat nach der Wende eine derartige Erfolgsgeschichte auf den Asphalt gebracht. Wie hat er das geschafft?

Wie aus Peter Mücke ein Rennfahrer wurde

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Auch mit 71 Jahren will er es noch wissen: Auf dem Nürburgring startete Peter Mücke mit seinem Capri von der Pole Position. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schon Peter Mückes Vater Fritz war Trainer im DDR-Motorsport. Und die Liebe zu Zweirädern wurde auch bei Sohn Peter immer stärker. Der Vater hatte eine Werkstatt, und so standen an den Wochenenden im Hof 20 bis 30 Motorräder. So begann auch Peter Mücke als Jugendlicher an Motorrädern zu schrauben. Der Versuch, sie noch schneller zu machen trieb ihn an: "Man lernt ja auch viel dabei. Ein Motorrad schneller zu machen, ist ein interessantes Thema, man musste sich damit befassen, um zu wissen warum, weshalb, weswegen. Und das hat dann später im Rennsport geholfen."

Bildergalerie Ein Blick in Peter Mückes privates Fotoalbum

Wie sahen Autorennen in der DDR aus? Ein Wartburg als Rennwagen ist aus heutiger Sicht eher ungewohnt. Rennfahrer und Teamchef von "Mücke Motorsport" Peter Mücke zeigt dem MDR exklusiv sein privates Fotoalbum.

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Ein Blick in Peter Mückes privates Fotoalbum Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Motorsport im Osten war eine Nische für wagemutige Rebellen, für tollkühne Bastler, genau das Richtige für einen wie Mücke. Den Einstieg findet er als Schrauber, schon bald werkelt er an einem Melkus, dem Sportwagen der DDR. Als der Pilot des Rennwagens nicht mehr fahren mag, setzt sich Mücke spontan in das Auto: "Ich habe natürlich nichts gesagt, heute weiß ich ja, wie Eltern denken, wenn man selber Vater ist. Ich wollte ja auch nie, dass mein Sohn anfängt, Rennen zu fahren. Also wollte ich meine auch nicht belasten. Und dann haben die aber am Sonnabendnachmittag im Rundfunk gehört, dass ich auf der Bernauer Schleife Vierter geworden bin. Und als ich dann nach Hause kam, war meine Mutter mittelmäßig schockiert, Vater auch ein bisschen, aber es war nicht mehr aufzuhalten. Man kann den Hahn nicht wieder zudrehen und sagen: Wasser lauf zurück und fertig. Da ging es halt weiter und dann waren sie ja auch stolz."

Du sitzt als Fahrer da drin, du erlebst das Ans-Limit-Gehen, den Kick, die Faszination in dem Auto. Anschließend, steigst du aus und sagst: Boah, war geil. Aber die Jungs, die haben das ja nicht und schrauben trotzdem. Man versucht natürlich, das zu ihnen zu transportieren, dieses Feeling. Aber die haben ja nur geschraubt bis die Finger wund waren.

Peter Mücke, Rennfahrer

Seinen ersten eigenen Rennwagen, einen Wartburg, schraubt sich Mücke aus einem Schrottauto selbst zusammen. Mit diesem Gefährt gewinnt er reihenweise Rennen gegen starke Konkurrenz und macht sich bald einen Namen im ostdeutschen Motorsport. Mit seinem nächsten Auto, einem Zastava, dem jugoslawischen Fiat, auch liebevoll "Zassi" genannt, wurde Mücke dann endgültig zum Siegfahrer.

Der Rennfahrer Peter Mücke begann seine Karriere als Schrauber für einen Melkus-Piloten und führt jetzt, mit 71 Jahren, den größten privaten Rennstall Deutschlands. Mit einem jugoslawischen Fiat wurde Mücke in den 1970ern auf dem Sachsenring und in Frohburg mehrfach DDR-Meister. Mücke ist aber kein Fossil, sondern immer noch der Liebling der ostdeutschen Motorsportfans.
Der Rennfahrer Peter Mücke begann seine Karriere als Schrauber für einen Melkus-Piloten und führt jetzt, mit 71 Jahren, den größten privaten Rennstall Deutschlands. Mit einem jugoslawischen Fiat wurde Mücke in den 1970ern auf dem Sachsenring und in Frohburg mehrfach DDR-Meister. Mücke ist aber kein Fossil, sondern immer noch der Liebling der ostdeutschen Motorsportfans. Bildrechte: Fam. Mücke

Warum der Motorsport früher gefährlicher war als heute

"In der damaligen Zeit, das muss man ja wirklich sagen, war Motorsport doch noch deutlich gefährlicher als heute", erinnert sich Rennfahrer und Teamchef Peter Mücke. "Da wurden noch Rennen gefahren ohne Handschuhe, ohne feuerfeste Unterwäsche und mit einer Nylonjacke an. Man darf gar nicht dran denken, wenn irgendwas gewesen wäre. Aber ein feuerfester Anzug war ein Unding, das gab es nicht und wir hätten ihn ja auch nicht bezahlen können." Tödliche Unfälle gab es dementsprechend relativ oft, erzählt er: "Jedes Jahr waren ein-zwei von den Leuten, mit denen man unterwegs war, dann einfach nicht mehr da." Auch Mücke selbst hatte den einen oder anderen Unfall: Mücke selbst wurde dabei kaum verletzt, aber das Auto sah schlimm aus.

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Mücke beim Rennen in DDR-Zeiten. Bildrechte: Peter Mücke

Rennsport in der DDR war nur was für ganze Kerle. Die Fahrer erschienen oft völlig übermüdet zum Start, weil sie die ganze Nacht am Auto gebastelt hatten. Ersatzteile musste man selber herstellen. Die Mücke-Leute gossen Kolben und sogar Felgen. Mit solchem Material wurde dann gekämpft um jeden Meter. "Es war nicht immer einfach - die anderen waren ja auch nicht alles Nasenbohrer, die haben natürlich auch probiert", erzählt Mückes Mechaniker Peter Groß. "Aber im Endeffekt war Peter Mücke immer vorne dran durch seinen Ehrgeiz."

Ein Teil dessen [der Faszination, Anm. der Red.] ist sicher auch, ein anderes Leben zu führen als die Massen, die frühmorgens an die Stempeluhr und halb fünf nach Hause gegangen sind und dann vielleicht noch ein Bier getrunken haben. Das haben wir eben nie gehabt. Wir haben immer anders gelebt und das war vielleicht auch ein Teil der Motivation.

Peter Mücke, Rennfahrer

Auch Peter Mückes Sohn Stefan hatte schon früh einen Hang zu sportlichen Autos – die nächste Mücke-Generation. Schon als Teenager galt er als Riesentalent, für den stolzen Vater bedeutete das vor allem viel Arbeit. Peter Mückes Rennstall begann zu wachsen und Stefans Erfolge wehten ihm ganz neue Kundschaft in die Garage, Eltern von talentierten Nachwuchsfahrern. Mücke spezialisierte sich auf die Rennfahrerausbildung. Dabei ist es geblieben, auch wenn Stefan heute nicht mehr für den Stern, sondern für Ford als Werksfahrer fährt. "Dann kam als nächstes die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft (DTM) dazu und somit waren wir im professionellen Motorsport, was aber eigentlich nie der Plan war", so Peter Mücke. "Ich musste nur immer dem folgen, was er uns vorgegeben hat. Man hat versucht, den Weg mitzugehen, das war auch wirklich hochinteressant."

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Peter Mücke mit seinem Sohn Stefan auf dem Nürburgring. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was sich im Motorsport verändert hat

Im Profimotorsport schraubt heute kein Fahrer mehr und bei der Ausbildung gehen kaum noch Autos kaputt. Der Simulator ist unkaputtbar. Alles kann man einstellen, die Strecke, das Auto, den Untergrund. Die Bedingungen sind so real, dass sich selbst ein Klassefahrer wie Stefan Mücke richtig konzentrieren muss. "Wir sind damals zwei Jahre auf einer Rennstrecke gefahren und haben dann festgestellt, die Ecke geht, warum haste das vor zwei Jahren noch nicht gekonnt? Hier kannst du dich reinsetzen und das probieren und in der Endkonsequenz steigst du nach einer halben Stunde aus und hast das Limit schon gefunden. Also der Lernfaktor ist enorm größer und damit der Zeitverbrauch viel geringer, um auf ein bestimmtes Level zu kommen."

Früher sind die Leute hingefahren und da war Racing und es war schön und da gab es ein paar Würstchenbuden und das war‘s. Heutzutage musst du da ein Event draus machen, um die Leute zu locken. Das Freizeitangebot ist ein ganz anderes geworden und dementsprechend hochwertiger muss so ein Wochenendprogramm gestaltet sein. Nur mit Autos im Kreis fahren, reicht nicht.

Peter Mücke, Rennfahrer
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Peter Mücke mit seinem Capri auf dem Nürburgring. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch das Gesamtfeld der Rennfahrer ging weiter auseinander. Auch, wenn man sich schon damals Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert habe, sind die Zeiten heute dichter beieinander: "Heutzutage haben wir vielleicht 20 Fahrer in einer Sekunde." Was sich nicht geändert hat: Wenn die Saison beginnt, dann ist Mücke Motorsport unterwegs von Dubai bis LeMans, von Spa bis Most. Die GT Masters-Serie beginnt dieses Jahr in Oschersleben, der Männerzirkus packt die Koffer. Ein halbes Dutzend Autos werden verfrachtet, das Fieber steigt, es geht wieder auf die Piste. "Einen Rennstall zu haben, bedeutet erst mal ganz viel unterwegs zu sein", so Mücke.

Sebastian Vettel und Romain Grosjean auf dem Podest nach dem Großen Preis von Indien
Sebastian Vettel fuhr eine Zeit lang für das Team Mücke Motorsport. Hier ist er auf dem Podest zu sehen nach dem Großen Preis von Indien. Bildrechte: GEPA pictures

Jedes Rennwochenende simuliert der Motorsportzirkus auf irgendeiner anderen Strecke  die perfekte Männerwelt, es gibt Helden zum Anfassen und junge Frauen in knappen Trikotagen. Es riecht männlich nach verbranntem Gummi und Benzin, man darf sie fühlen, die ganze Boxengassenlässigkeit. Mücke weiß, dass er heute mit seiner Truppe Teil einer Inszenierung ist, es wird etwas verkauft: Geschwindigkeit, Gefahr, Nervenkitzel. Geht es noch um Sport? "Wenn die Rennen erst gestartet sind, dann irgendwie schon", findet Mücke. In einer Ecke der Zentrale von Mücke Motorsport kann man sehen, worum es eigentlich geht: Um Siege und Trophäen. Das ist die "Hall of Fame" all der Fahrer, die für Mücke im Profisport erfolgreich waren - bisher über hundert. Dabei u. a. David Coulthard, Pascal Wehrlein, Lucas Auer und auch Sebastian Vettel. Ein Jahrhunderttalent wie Vettel hat Mücke aktuell nicht im Team. Aber einen Hoffnungsträger, gerade mal achtzehn Jahre alt: Mike David Ortmann.

Du kämpfst mit deinem Auto, um deinen Willen durchzusetzen … hier geht noch was, ich will noch ein Stückchen schneller sein. Je näher ich an diese Grenze komme, desto schwieriger wird es, das Auto dahin zu dirigieren. Irgendwann fliegst du ab, aber kurz davor ist es natürlich am prickelndsten.

Peter Mücke, Rennfahrer

"Geht nicht, gibt‘s nicht - das ist sein Lebensmotto"

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Auf dem Siegertreppchen stand Peter Mücke schon oft - so auch nach dem Rennen mit seiner Capri auf dem Nürburgring 2018. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn der Capri am Nürburgring steht und die Mückes Autogramme schreiben, dann ist die Welt für sie in Ordnung. "Ist schön hier" sagt Peter Mücke, wenn man ihn fragt, was ihm am Rennzirkus gefällt. Dass dieses Lebensgefühl auch einen Preis hat, merkt man eben nur ganz selten. So wie 2016 bei Stefans Unfall in Spa: In der Eau Rouge-Kurve platzte bei 250 km/h ein Reifen. "Ich hab nur noch den Knall gesehen und wie das Auto durch die Gegend flog und die ganzen Teile wegflogen und hab dann mitgekriegt, es ist Stefan. Der Moment, wo der auf der Eau Rouge stand und die anderen kommen von unten mit vollen Segeln an und die fahren Eau Rouge mit 270 flat, die konnten ihn ja nicht sehen. Das möchte ich nicht nochmal erleben. Aber ist nichts passiert. - Weiter geht's."

Der 71-Jährige ist eine Legende im Motorsport als Teamchef und als Fahrer. Kollegen und Mitarbeiter sprechen viel Gutes über ihn: "Peter Mücke ist einzigartig kann man nur sagen. Er ist ein sehr guter Chef, der immer ein offenes Ohr hat", so Mitarbeiterin Marina Weiß. Und Rennfahrer Markus Winkelhock findet, Mücke sei den Fahrern gegenüber sehr fair: "Er kann es selber gut einschätzen, was in so einem Rennauto abgeht, weil er auch hinterm Steuer sitzt." Sohn Stefan Mücke bringt das Motto seines ehrgeizigen Vaters auf den Punkt: "Geht nicht, gibt‘s nicht - das ist sein Lebensmotto."

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Rennwagen von Team Mücke Motorsport. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe | 13. September 2018 | 23:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 04:00 Uhr

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