Ein Blick in die Schatzkammern Faszinierende Schätze in Sachsen-Anhalts Museen

Sachsen-Anhalt ist reich an UNESCO-Welterbe-Stätten und Kulturschätzen, die schon diverse Krisen überdauert haben und die es weiterhin zu schützen gilt: In Halle gibt es mit der Himmelsscheibe von Nebra den wichtigsten archäologischen Fund der jüngeren Geschichte, die Merseburger Zaubersprüche zeugen von der Macht der Worte und im Naumburger Dom verzaubert mit Uta eine der berühmtesten Skulpturen der Gotik. Wir stellen eine Auswahl der bemerkenswertesten Museumsschätze in Sachsen-Anhalt vor.

Landesmuseum für Vorgeschichte Halle: Himmelsscheibe von Nebra

Die Himmelscheibe von Nebra ist der wichtigste archäologische Fund der jüngeren Geschichte. Die Bronzeplatte wurde zwischen 2100 und 1700 v. Chr. geschaffen und stellt somit die älteste bekannte Himmelsdarstellung der Welt dar. Die kreisrunde Fläche mit 32 Zentimetern Durchmesser ist mit mehreren Goldelementen verziert. In der Mitte lassen sich eine runde Sonne und ein Sichelmond erkennen, dazwischen mehrere Punkte als Sterne. Am Rand finden sich zwei Bögen. Vermutlich wurde die Himmelscheibe von den Menschen des Bronzezeitalters als Orientierungspunkt genutzt: Die Ordnung der Sterne gab Hinweis, wann die Saat am besten ausgebracht werden sollte. Die Bögen könnten auf Sonnenaufgang und -untergang hinweisen. Bemerkenswert ist, dass die Scheibe Laufe der Zeit immer wieder verändert und ergänzt wurde. Die grüne Farbe entwickelte sich erst nach ihrer Nutzung. Ursprünglich war die Scheibe wohl schwarz – wie der Nachthimmel.

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine
Die Himmelsscheibe von Nebra Bildrechte: dpa

Ebenso spannend wie die frühzeitlichen Erkenntnisse ist die Geschichte des Fundes. Zwei Männer waren 1999 auf der Suche nach historischen Artefakten und suchten dafür den Mittelberg in Sachsen-Anhalt mit einem Metalldetektor ab. Tatsächlich gruben sie irgendwann zwei Schwerter, zwei Beile, Reste von Armreifen und eine große Metallscheibe aus. Entgegen gesetzlicher Bestimmung behielten sie die Funde und versuchten, sie meistbietend zu verkaufen. 2002 zeigte ein Archäologe Interesse und traf sich mit den Grabräubern. Eine Täuschung, die mit der Polizei vereinbart wurde. Nach einigen Nachforschungen wurde der Fundort rekonstruiert und die Himmelsscheibe kehrte nach Sachsen-Anhalt zurück. Inzwischen gehört sie als erste bekannte Himmelskarte zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Mehr Informationen Die Himmelsscheibe gehört zur Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle.

Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle (Saale)

Öffnungszeiten:
Di bis Fr, von 9-17 Uhr
Sa und So, von 10-18 Uhr
Montags nur mit Voranmeldung

Wegen Sanierungsarbeiten ist die Himmelsscheibe bis zum 3. Juni 2021 nicht zu sehen.


Schloss Wörlitz: Südseesammlung von Georg Forster

Vor 30 Jahren verschwand sie aus dem Licht der Öffentlichkeit, um sie vor dem Verfall zu schützen. Denn dGeorg Forsters Südseesammlung im Wörlitzer Schloss zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie besonders gut erhalten ist. Da es sich bei den Stücken nicht um Schmuck handelt, sondern um Alltagsgegenstände wie das Kostüm einer tahitischen Tänzerin, zwei Streitkolben aus Tonga und eine Axt aus jadegrünem Nephrit aus Neuseeland, ist das nicht selbst verständlich.

Georg Forster war einer der bedeutendsten Forschungsreisenden der Aufklärung: Von 1772 bis 1775 war er gemeinsam mit seinem Vater auf James Cooks Expedition durch den Pazifik, auf der sie zahlreiche Inseln besuchten und so nah an den Südpol herankamen, wie kein Mensch zuvor. Vater und Sohn fertigten zahlreiche Zeichnungen bisher unbekannter Tiere und Pflanzen an und gaben den Menschen in Europa mit ihren Aufzeichnungen einen Einblick in eine ferne Welt.

Exponate aus der Wörlitzer Südseesammlung, die einzeln aufgereiht sind.
Exponate aus der Wörlitzer Südseesammlung von Georg Forster Bildrechte: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz/ Heinz Fräßdorf

Sie traten auch immer wieder in den Austausch mit der einheimischen Bevölkerung, denen sie Gegenstände abkauften und nach Europa brachten. Zurück in Europa erhielt Forster Besuch von Fürst Franz von Anhalt. Forster war von dem ehrlichem Interesse des Adligen so begeistert, dass er ihm einige seiner "Curiositäten" schenkte. Für die neue Ausstellung im Schloss Wörlitz wurden auch Forschende des "Ancient Tonga Project" eingeladen, die die Beschreibungen Forsters ergänzten und korrigierten. Vor allem zeigten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begeistert, dass die Artefakte von den Pazifik-Inseln in Sachsen-Anhalt die Zeit überdauert haben.

Mehr Informationen Die Südseesammlung von Georg Forster ist im Schloss Wörlitz zu sehen.

Öffnungszeiten:
4. bis 30. April: Di bis So, von 11-17 Uhr
1. Mai bis 30. September: Di bis So, von 10-18 Uhr
1. Oktober bis zum Sonntag nach dem Reformationstag: Di bis So, von 11-17 Uhr
Montag ist Ruhetag
Von November bis März geschlossen


Kunstmuseum Moritzburg Halle: "Die weiße Katze"

"Ich empfand schon sehr früh den Menschen als hässlich; das Tier schien mir schöner, reiner...", schrieb der Maler Franz Marc an seine spätere Frau Maria Franck. Ab 1910 wendete sich der Künstler immer mehr den Tiermotiven zu, in denen er etwas Ursprüngliches und Unbelastetes erkannte. Immer wieder finden sich in seinen Bildern auch Katzen. So gehört "Die weiße Katze" zu seinen bekanntesten Arbeiten und zu den beliebtesten Bildern im Halleschen Kunstmuseum.

Franz Marc, geboren 1880, begann spätestens um die Jahrhundertwende herum, zu malen. Marc war damals noch ganz dem Realismus verpflichtet und malte Landschaften in gedeckten Farben. Ab 1904 suchte er jedoch einen eigenen Stil und begann, Tiere zu malen. Auf einer Reise nach Paris entdeckte er van Gogh und Gaguin, die großen Einfluss auf sein Schaffen hatten. Seine Bilder wurden farbiger, versuchten das innere Wesen der Tiere einzufangen und somit etwas Höheres darzustellen. Gemeinsam mit anderen Künstlern bildete er die Gruppe, die heute als "Blauer Reiter" bekannt ist. 1914 wurde Marc zum Kriegsdienst eingezogen und fiel 1916 an der Front bei Verdun. Heute gilt er als wichtigster Vertreter des deutschen Expressionismus.

Franz Marc - "Die weiße Katze" (Kater auf gelbem Kissen), 1912
"Die weiße Katze" von Franz Marc Bildrechte: Punctum/Bertram Kober

Im Gemälde "Die weiße Katze" liegt eine Katze eingerollt auf mehreren Kissen. Das Gemälde zeigt aber nicht nur eine schlafende Katze, sondern vermittelt eine Ruhe, die einer wachsenden Hektik der Moderne entgegensteht. In dem Tier drückt sich für Marc eine große Reinheit aus und so bettet er sie, wie etwas Königliches oder Heiliges, auf mehrere Kissen. Die starken Farben entsprechen bei Marc auch immer einer tieferen Bedeutung: Das Rot bestimmt die rechte Bildhäfte und drückte eine gewisse Schwere aus, die auch durch die Sterne, die zwischen dem Rot leuchten, in das Gelb des Kissens übergehen. Diese Farbe steht für Marc für das Weibliche und die Heiterkeit. Alles im Bild wirkt aufeinander abgestimmt und drückt größte Harmonie aus.

Mehr Informationen "Die weiße Katze" von Franz Marc ist im Kunstmuseum Moritzburg Halle zu sehen.

Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle

Öffnungszeiten:
Do bis Di, von 10-13 und 14-17 Uhr


Naumburger Dom: Uta von Naumburg

Umberto Eco würde mit ihr Essen gehen, erklärte der bekannte italienische Philosoph und Schriftsteller einst in einem Interview. Er schien von Uta von Naumburg, wie die Stifterfigur im Naumburger Dom heißt, ebenso fasziniert, wie Betrachterinnen und Betrachter heute noch. Uta ist eine der bedeutendsten deutschen Skulpturen der Gotik. Allgemein wird angenommen, dass die Figur Uta von Ballenstedt darstellt, die Ehefrau des Markgrafen Ekkehard II. von Meißen. Die Steinfigur wurde im 13. Jahrhundert von einem unbekannten Naumburger Meister geschaffen und stellt im Verbund mit elf anderen Figuren eine der Stifterinnen der früheren Kapelle dar, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung bereits mehrere Jahrhunderte verstorben war.

Eckehard und Uta von Naumburg im Naumburger Dom
Ekkehard und Uta im Naumburger Dom Bildrechte: IMAGO

Die Skulptur wird als Höhepunkt einer künstlerischen Gegenbewegung zur Romantik betrachtet, die Menschen weniger als Persönlichkeiten, sondern in ihrer Position in der (Welt-)Ordnung zeigten. Uta zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Haltung aus: Sie hat ihren Mantelkragen halb ins Gesicht gezogen, mit der linken Hand rafft sie ihren Umhang näher an ihren Körper. Es wirkt, als wolle sie sich vor dem Wetter schützen und doch behält sie in ihrer Haltung eine Würde, die allem trotzen würde. So entsteht eine Dynamik in der Figur, die auf eine emotionale Tiefe hindeutet.

Im 19. Jahrhundert wuchs die Bekanntheit der Figur, die mit dem Aufkommen der Fotografie in mehreren Reiseführern abgebildet wurde und als ein Höhepunkt der Bildhauerei gezeigt wurde. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Darstellung der edlen, schutzbedürftigen Frau als Ideal stilisiert. Als Symbol von Schönheit gilt sie noch heute.

Mehr Informationen Die Stifterfigur ist im Naumburger Dom zu sehen.

Domplatz 19
06618 Naumburg

Öffnungszeiten:
März bis Oktober: Mo bis Sa, von 9-18 Uhr, So und Feiertage, von 11-18 Uhr
November bis Februar: Mo bis Sa, von 10-16, So und Feiertage, von 12-16 Uhr


Merseburger Dom: Merseburger Zaubersprüche

"Entspring den Banden, entweich den Feinden!" So ließe sich das Ende des ersten von zwei Merseburger Zaubersprüchen übersetzen. Die beiden althochdeutschen Texte wurden 1841 von dem Historiker Georg Waitz in einer Gebetssammlung des Merseburger Domschatzes gefunden, wo sie auf einer unbeschriebenen Seite standen. Vermutlich wurden sie im 10. Jahrhundert in Fulda aus einem anderen Buch abgeschrieben. Die Sprüche gehören zu den wenigen Texten, die sich auf die germanische Mythologie beziehen und die in althochdeutscher Sprache erhalten sind.

Die originalen Merseburger Zaubersprüche liegen auf einem Tisch im Domstiftsarchiv Merseburg.
Die Merseburger Zaubersprüche im Dom Merseburg. Bildrechte: dpa

Der zweite Spruch erzählt, wie der Gott Wotan durch den Wald ritt, wobei sich das "Balders-Fohlen" den Fuß verrenkte. Anschließend segneten mehrere Götter und Göttinnen die Verletzung. "Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, wie geleimt sollen sie sein!", schließt der Spruch, der vermutlich verrenkte Pferdebeine heilen sollte. Bereits 1842 übertrug Jacob Grimm den Spruch in ein zeitgenössisches Deutsch und verfasste erste Anmerkungen. Seitdem beschäftigen sich Wissenschaftler mit dem Text, denn viele der Namen geben Rätsel auf: Balder beispielsweise ist in der nordischen Mythologie der Gott des Lichtes, doch in westgermanischen Quellen nicht als bekannte Gottheit belegt. Die Zaubersprüche geben den Menschen noch heute Rätsel auf und schaffen so eine Verbindung in eine längst vergangene Zeit.

Mehr Informationen Die Merseburger Zaubersprüche sind Teil des Domschatzes.

Domplatz 7
06217 Merseburg

Öffnungszeiten:
Mo bis Fr, von 11-18 Uhr
Samstag, von 9-18 Uhr
So und Feiertag, von 12-18 Uhr


Anhaltische Gemäldegalerie Dessau: Fürstenaltar von Lucas Cranach d.Ä.

Der Dessauer Fürstenaltar gehört zu den wichtigsten Werken der Wittenberger Zeit, vielleicht sogar im gesamten Schaffen von Lucas Cranach dem Älteren. Es ist ein Schmuckaltar, der vermutlich zwischen 1509 und 1510 im Auftrag des kursächsischen Hofes entstand und nur zu besonderen Anlässen geöffnet wurde.

Der Mittelteil zeigt das traditionelle Gottesmutter-Motiv. Das Christuskind auf Marias Schoß hält einen Apfel in der Hand, der ihn als neuen Adam ausweist, der die Ursünde aufhebt. Rechts und links von ihm sitzen die Heiligenfiguren Katharina und Barbara. In den Flügeltüren blicken die Stifter und zwei weitere Heilige auf das Mutter-Kind-Paar.

Dessauer Fürstenaltar
Dessauer Fürstenaltar von Lucas Cranach d. Ä. Bildrechte: Anhaltische Gemäldegalerie Dessau/Sebastian Kaps

Inzwischen ist sich die Forschung einig, das Cranach dieses Werk fast komplett allein malte. Die Bildergruppe besticht dabei vor allem durch seine klare Komposition und Farbgebung. Die Erfahrungen, die Cranach in Wien, den Niederlanden und Flandern gesammelte hatte, werden in dem Bild deutlich. Der neue Umgang mit der Motivik bringt die göttlichen Figuren näher an die irdischen Betrachterinnen und Betrachter. Cranach verzichtete auf große Heiligenscheine aus Blattgold zugunsten eines unauffälligeren Strahlenkranzes. Die Figuren treten plastisch und lebendig aus dem Hintergrund hervor. Cranach griff dafür auf ein damals neues Mittel zurück: Er malte eine Art Fensterbank auf den unteren Bildteil, als Verbindung zwischen Gegenwart und Bildrealität. Auf diese Weise gelang dem Meister ein zeitloses Werk.

Mehr Informationen Der Fürstenaltar gehört zur Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau.

Im Georgium
Puschkinallee 100
06846 Dessau-Roßlau

Wegen Sanierungsarbeiten ist die Dauerausstellung noch bis Mitte 2021 geschlossen. Weitere Cranach-Gemälde sind auch in der Dessauer Johanniskirche zu sehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial "Museumsschätze in Mitteldeutschland" | 17. November 2020 | 18:05 Uhr