Schatzkammer Mitteldeutschland Die zehn größten Museumsschätze in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind reich an Kultur. Und so gibt es unzählige Schätze in den Museen, die es zu bewahren gilt: Darunter die Himmelsscheibe von Nebra, Raffaels Meisterwerk "Sixtinische Madonna" in Dresden, Zaubersprüche im Domschatz Merseburg, versteinerte Wälder in Chemnitz und kostbare Juwelen wie einen jüdischen Hochzeitsring in Erfurt. MDR KULTUR blickt in die Schatzkammern und stellt zehn Highlights der mitteldeutschen Museen vor, die sich über Besucherinnen und Besucher freuen, sobald es in der Corona-Krise wieder möglich ist.

Jüdischer Hochzeitsring/ Sixtinische Madonna/Himmelsscheibe von Nebra
Nur drei der Museumsschätze, die Museen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen beherbergen: Jüdischer Hochzeitsring, "Sixtinische Madonna" und die Himmelsscheibe von Nebra. Bildrechte: ARD-Foto/Staatliche Kunstsammlungen Dresden/IMAGO

Galerie Alte Meister Dresden: "Sixtinische Madonna" von Raffael

Ein Mann steht in der Ausstellung "Museum of Untold Stories" im Japanischen Palais vor dem Ölgemälde "Die Sixtinische Madonna" von Anton Hille.
"Sixtinische Madonna" von Raffael Bildrechte: dpa

Es sind vielleicht die berühmtesten Engel der Welt: Etwas gelangweilt lümmeln die sogenannten Putten am unteren Bildrand in Raffaels berühmten Gemälde "Sixtinische Madonna". Es entstand vor mehr als 500 Jahren für ein italienisches Kloster. 1754 kaufte der sächsische König August III. das Werk und ließ es nach Dresden bringen, wo es – mit Unterbrechungen – seither zu sehen ist. Es ist eines der bekanntesten Bilder der Renaissance und das berühmteste Bild in den auch sonst reichhaltigen Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Schriftsteller Fjodor Dostojewski liebte das Gemälde, weil er darin den menschlichen Geist erkannte, für andere ist es ein Blick in den Himmel.

Mehr Informationen Die "Sixtinische Madonna" ist in der Galerie Alte Meister in Dresden zu sehen.

Im Zwinger
Theaterplatz 1
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-17 Uhr
Am Fr zusätzlich zur Blauen Stunde von 17-20 Uhr
Montag geschlossen


Galerie Neue Meister Dresden: "Der Krieg" von Otto Dix

Otto Dix war einer der bedeutendsten Maler der Moderne, am ehesten lässt er sich dem Realismus zuordnen, und der Triptychon "Der Krieg" ist eines seiner eindrücklichsten Werke. 1914 meldete sich der Maler freiwillig zum Einsatz im Ersten Weltkrieg und musste Schreckliches erleben. Diese Erinnerungen verarbeitete er in seinem mehrteiligen Bild: In der Mitte ist ein wüstes Schlachtfeld. Ein Skelett hängt wie ein Gepfählter auf einem verbogenen Eisenträger und verweist mit seiner ausgestreckten Hand auf die Kraterlandschaft des Krieges. Links schleppen sich zwei Soldaten – ob sie nur verwundet oder schon Geister sind, bleibt unklar – vom Feld, rechts zieht eine Kompanie in die nächste Schlacht. Der Sockel zeigt das Innere eines Sarges. Geschickt griff Dix auf altbekannte Motive zurück und machte so die Bedrohung des Krieges spürbar.

Besucher einer Ausstellung vor dem Bild Der Krieg von Otto Dix
Triptychon "Der Krieg" von Otto Dix Bildrechte: imago/Agencia EFE

Mehr Informationen Das Triptychon "Der Krieg" ist in der Galerie Neue Meister zu sehen.

Im Albertinum
Tzschirnerplatz
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-17 Uhr
Montag geschlossen


Museum der Kirche zum Heiligen Kreuz: Großes Zittauer Fastentuch

Das Große Zittauer Fastentuch gehört mit etwa 56 Quadratmetern Fläche zu den größten und ältesten Hungertüchern seiner Art und ist in Deutschland einzigartig. Etwa um das Jahr 1000 entstand die Tradition, zur Fastenzeit vor Ostern den Altar abzudecken. Die Gläubigen sollten nicht nur auf Fleisch, Alkohol und Sex verzichten, sondern auch auf den Anblick des Allerheiligsten. Das Zittauer Fastentuch (datiert auf 1472) ist das einzige in Deutschland erhaltene des Kacheltyps: Der Stoff ist in 90 Felder unterteilt, die Szenen aus Gottes Geschichte mit den Menschen – von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht – zeigen. Das Tuch wird so zu einer Bilder-Bibel. Es gilt als eine der bedeutendsten Textilarbeiten des europäischen Mittelalters und ist eines der wenigen Fastentücher, die sich weltweit erhalten haben.

Besucher betrachten  in der Kirche zum Heiligen Kreuz das Grosse Zittauer Fastentuch
Das Große Zittauer Fastentuch in der Kirche zum Heiligen Kreuz Zittau. Bildrechte: imago images / epd

Mehr Informationen Das Große und das Kleine Fastentuch sind im Museum der Kirche zum Heiligen Kreuz zu sehen.

Frauenstraße 23
02763 Zittau

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: täglich von 10-17 Uhr
November bis März: Di bis So, von 10-17 Uhr
Montag geschlossen


Museum für Naturkunde Chemnitz: Der versteinerte Wald

Es ist eines der ältesten Naturdenkmäler der Welt: Der versteinerte Wald von Chemnitz entstand bei einem Vulkanausbruch vor mehr als 290 Millionen Jahren, nach dem die Bäume langsam verkieselten. Bereits im späten Mittelalter wurden die Baumüberreste erwähnt. 1752 wurden Teile ausgegraben und mit einem speziellen Wagen nach Dresden gebracht, wo sie bis zu einem Feuer zu sehen waren. Während Chemnitz weiter wuchs, wurden immer mehr der versteinerte Baumstücke ausgegraben, die nun im Museum für Naturkunde und im Atrium des TIETZ zu sehen sind. Es ist eine der größten Sammlungen an Kieselhölzern der Welt – und nur zu einem Teil ausgegraben.

Versteinerte Baumstämme stehen im Chemnitzer Tietz.
Blick auf den versteinerten Wald im Chemnitzer Tietz. Bildrechte: Jürgen Gerhardt

Mehr Informationen Der versteinerte Wald ist im Museum für Naturkunde zu sehen.

Das Tietz
Moritzstraße 20
09111 Chemnitz

Öffnungszeiten
Mo, Di, Do und Fr von 10-17 Uhr
Sa, So und Feiertag von 10-18 Uhr
Mittwoch: Ruhetag


Alte Synagoge Erfurt: Jüdischer Hochzeitsring

In einer der ältesten erhaltenen Synagogen Europas betrachtet eine Frau mit der Lupe einen goldenen jüdischen Hochzeitsring aus dem 14. Jahrhundert.
Der Hochzeitsring aus dem Jüdischen Schatz von Erfurt. Bildrechte: dpa

Der jüdische Hochzeitsring ist der bedeutendste Teil des Jüdischen Schatzes von Erfurt, der ungefähr 600 Stücke umfasst. Er stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Der Ring besteht komplett aus Gold, das meisterlich verarbeitet wurde. Zwei ineinander gelegte Hände auf der Unterseite symbolisieren die Treue. Der sechseckige Tempel ist ganz im gotischen Stil gehalten und erinnert an den Hohetempel von Jerusalem. Eine hebräische Inschrift auf der Oberseite wünscht dem Brautpaar Glück, ganz nach der jüdischen Tradition. Weltweit sind nur zwei Hochzeitsringe dieser Art bekannt.

Mehr Informationen Der Jüdische Hochzeitsring ist als Dauerleihgabe in der Alten Synagoge Erfurt zu sehen.

Waagegasse 8
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-18 Uhr
Montag geschlossen


Schloss Friedenstein Gotha: "Gothaer Liebespaar"

Das Gemälde gilt als Glanzstück der Gothaer Kunstsammlungen und wurde vermutlich 1480 vom Meister des Amsterdamer Kabinetts geschaffen. Das "Gothaer Liebespaar" ist nicht nur als künstlerisches Werk bedeutend, sondern auch aus zwei inhaltlichen Gründen bemerkenswert: Zum Ersten handelt es sich um das erste Doppelporträt der deutschen Tafelmalerei, das kein biblisches Thema behandelt. Zum Zweiten ist es der Beweis für außereheliche Beziehungen während des Mittelelters, denn das Liebespaar ist historisch belegt. Die Wappen weisen darauf hin, dass es sich bei dem Mann um Graf Philipp d. J. von Hanau-Münzenberg handelt. Nach dem Tod seiner Gattin ging er eine Beziehung mit der Bürgerlichen Margarethe Weißkircher aus Hanau ein.

Eine Frau betrachtet im sanierten Herzoglichen Museum in Gotha (Thüringen) das "Gothaer Liebespaar" in der Ausstellung.
Blick auf das Gemälde "Gothaer Liebespaar" Bildrechte: dpa

Mehr Informationen Das Gemälde "Gothaer Liebespaar" ist im Schloss Friedenstein ausgestellt.

Schlossplatz 1
99867 Gotha

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Di bis So, von 10-17 Uhr
November bis März: Di bis So, von 10-16 Uhr
Montag geschlossen


Panoramamuseum Bad Frankenhausen: "Bauernkriegspanorama"

Das Rundbild ist 123 Meter lang, 14 Meter breit und mit einer Fläche von 1.722 Quadratmetern eines der größten Tafelbilder der Welt. In den 70er-Jahren entstand in der DDR die Idee, den Bauernkriegen – die zur Zeit der Reformation stattfanden und im sozialistischen Staat als Vorläufer der Arbeiterrevolution gesehen wurden – ein Denkmal zu setzen. Künstler Werner Tübke wurde angefragt und sagte nur unter der Bedingung zu, dass das Gemälde nicht historisch korrekt sein musste. Er fing das Gefühl einer Epoche ein und verarbeitete zahlreiche allegorische Figuren. So zeigt ein Teil des Bildes Thomas Müntzer im Moment der Niederlage, der das Banner der Revolution gerade sinken lässt. Manche beziehen diese Pose auf die DDR, die sich zu Beginn der Arbeiten bereits im Niedergang befand, andere erkennen darin eine Sichtweise auf die Geschichte, in der jeder Umbruch erneut scheitern muss.

Besucher betrachten im Panorama Museum in Bad Frankenhausen das Monumentalgemälde «Frühbürgerliche Revolution in Deutschland« von Werner Tübke. 2009
Ein Ausschnitt aus Werner Tübkes Monumentalgemälde "Frühbürgerliche Revolution in Deutschland" Bildrechte: dpa

Mehr Informationen Das "Bauernkriegspanorama" von Werner Tübke ist das zentrale Werk im Panoramamuseum in Bad Frankenhausen.

Am Schlachtberg 9
06567 Bad Frankenhausen

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-17 Uhr
Am 31. Dezember, von 10-15 Uhr
Montag und am 24. Dezember geschlossen


Landesmuseum für Vorgeschichte Halle: Himmelsscheibe von Nebra

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine
Die Himmelsscheibe von Nebra Bildrechte: dpa

Die Himmelscheibe von Nebra ist der wichtigste archäologische Fund der jüngeren Geschichte. Die Bronzeplatte wurde zwischen 2100 und 1700 v. Chr. geschaffen und stellt somit die älteste bekannte Himmelsdarstellung der Welt dar. Die kreisrunde Fläche mit 32 Zentimetern Durchmesser ist mit mehreren Goldelementen verziert, die Sonne, Mond und Sterne zeigen. Vermutlich haben Menschen im Bronzezeitalter so die Zeit bestimmt. So bemerkenswert das Fundstück, so spannend ist die Fundgeschichte: Grabräuber hatten die Scheibe bei der Suche mit einem Metalldetektor gefunden, entgegen der gesetzlichen Regelungen jedoch nicht gemeldet. Erst nach einer verdeckten Operation fand das historische Artefakt den Weg zurück an die Saale.

Mehr Informationen Die Himmelsscheibe gehört zur Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle.

Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle

Öffnungszeiten:
Di bis Fr, von 9-17 Uhr
Sa und So, von 10-18
Montags nur mit Voranmeldung

Wegen Sanierungsarbeiten ist die Himmelsscheibe bis zum 3. Juni 2021 nicht zu sehen.


Domschatz Merseburg: Merseburger Zaubersprüche

Die originalen Merseburger Zaubersprüche liegen auf einem Tisch im Domstiftsarchiv Merseburg.
Blick auf die Merseburger Zaubersprüche Bildrechte: dpa

Die Merseburger Zaubersprüche wurden im 10. Jahrhundert aufgeschrieben und sind die einzigen Schriftstücke mit vorchristlicher Mythologie in althochdeutscher Schrift, die noch erhalten sind. Sie wurden erst 1841 durch den Historiker Georg Waitz im Domkapitel zu Merseburg wiederentdeckt. Dort standen sie auf unbeschriebenen Seiten einer Gebetssammlung. Jacob Grimm übertrug den Zauber ins Deutsche und veröffentlichte ihn 1842 mit Anmerkungen. Der erste Zauber soll Krieger aus der Gefangenschaft befreien, der zweite Zauber soll Pferde mit einem verrenkten Fuß heilen.

Merseburger Zaubersprüche 6 min
Bildrechte: MDR/Guido Ahnert

"HiDDen" - Digitales Depot Mitteldeutschland Die Merseburger Zaubersprüche

Die Merseburger Zaubersprüche

In mitteldeutschen Museen schlummern viele Objekte, die Besucher nur selten zu sehen bekommen. So, wie die Originale der althochdeutschen Merseburger Zaubersprüche, die die Stiftsbibliothek im Merseburger Dom beherbergt.

Mo 23.12.2019 14:22Uhr 05:43 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-sonstige/video-merseburger-zaubersprueche-hidden-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr Informationen Die Merseburger Zaubersprüche sind Teil des Merseburger Domschatzes.

Domplatz 7
06217 Merseburg

Öffnungszeiten:
Mo bis Fr, von 11-18 Uhr
Samstag, von 9-18 Uhr
So und Feiertag, von 12-18 Uhr


Dom zu Naumburg: Stifterfigur Uta von Naumburg

Markgräfin Uta von Ballenstedt im Naumburger Dom
Die Stifterfiguren Ekkehard und Uta im Naumburger Dom Bildrechte: IMAGO

Dass heutige Betrachterinnen und Betrachter immer noch fasziniert von der jahrundertealten Skulptur sind, ist nur ein Hinweis auf die kunsthistorische Bedeutung. Die Statue ist Teil von insgesamt zwölf Stifterfiguren, die im Naumburger Dom zu sehen sind und von namenlosen Meistern geschaffen wurden. Doch gerade in der Rezeption wurden sie alle von Uta – die vermutlich Uta von Ballenstedt, die Ehefrau des Markgrafen Ekkehard II. von Meißen, darstellt – übertroffen.

Die Gestaltung der Skulptur markiert einen Wendepunkt in der Bildhauerei: Wie die Figur mit der rechten Hand ihren Kragen halb ins Gesicht zieht und mit der linken Hand den Mantel rafft, verleiht der Skulptur Dynamik und emotionale Tiefe, die über alle Zeiten berührt. Schriftsteller Umberto Eco antwortete sogar einmal auf die Frage, mit wem er einmal ein Abendessen genießen wollen würde: mit Uta.

Mehr Informationen Die Stifterfigur ist im Naumburger Dom zu sehen.

Domplatz 19
06618 Naumburg

Öffnungszeiten:
März bis Oktober: Mo bis Sa, von 9-18 Uhr, So und Feiertage, von 11-18 Uhr
November bis Februar: Mo bis Sa, von 10-16, So und Feiertage, von 12-16 Uhr

Mehr zum Thema Museumsschätze

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial "Museumsschätze in Mitteldeutschland" | 17. November 2020 | 18:05 Uhr

Kultur in Thüringen

Kultur in Sachsen

Kultur in Sachsen-Anhalt