Antik Straßen Musiker
Trauer erfolgte oftmals nach vorgeschriebenen Ritualen, auch musikalisch. Bildrechte: IMAGO

Gedenken Welche Rolle spielt die Musik für die Trauer?

Antik Straßen Musiker
Trauer erfolgte oftmals nach vorgeschriebenen Ritualen, auch musikalisch. Bildrechte: IMAGO

Beim gemeinsamen Trauern spielt die Musik häufig eine tragende Rolle. Doch wie sollte sie in der heutigen Zeit klingen, zum Beispiel bei öffentlichen Gedenkveranstaltungen? Marcell Feldberg ist Kirchenmusiker und forscht zur Trauermusik. Er sieht durch die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft große Schwierigkeiten, eine verbindende Musik für das gemeinsame Gedenken zu finden.

Wir sind soweit auseinanderdifferenziert, dass wir eben nicht mehr eine gemeinsame Sprache haben, über die wir uns alle verständigen können. Und das wird sicherlich in Zukunft ein größeres Problem sein und auch eine Schwierigkeit sein, wie wir da wieder etwas Gemeinsames finden können.

Marcell Feldberg, Experte für Sepulkralmusik
Elton John
Elton John spielt bei der Trauerfeier für Lady Di in der Westminster Abbey seinen Song "Candle in the Wind" Bildrechte: dpa

Doch Feldberg kennt auch gelungene Gedenkfeiern. Die Trauerfeier für Lady Di gehört für ihn dazu. Hier hätten Rituale und aktuelle Musik eine Einheit gefunden, die die Menschen berührt hat. Damals erklang die britische Nationalhymne. Diese hätten die Anwesenden inbrünstig mitgesungen, weil sie sie kannten und sich durch diese Musik in ihrer Trauer vereint fühlten. Feldberg erkennt darin, wie "Trauer oder Befindlichkeit in all ihren Schattierungen durch das gemeinsame Tun, das Singen, kanalisiert" wurden.

Seitdem Elton John bei der Trauerfeier für Prinzessin Diana am 6.9. in der Westminster Abtei sein Lied "Candle in the Wind" (Kerze im Wind) sang, haben viele Menschen in London ein Foto Dianas mit Kerzen davor aufgestellt.
Nachdem Elton John "Candle in the Wind" ("Kerze im Wind") sang, stellten viele Menschen in London ein Foto Dianas mit Kerzen auf. Bildrechte: dpa

Später saß Elton John in der Westminster Abbey am Flügel und spielte den Popsong "Candle in  the Wind" ("Kerze im Wind"). Er wurde zum popkulturellen Symbol für die Trauer um die verstorbene Lady Di.

Der Song hatte offensichtlich genau den Nerv der Trauernden getroffen. Diese Trauerfeier sieht Feldberg als eine "sehr geglückte Mischung, sehr ikonografisch im 20. Jahrhundert".

Ich glaube, das war ein Ereignis, so distanziert und kritisch man dem gegenüberstehen kann, das hat sicherlich Wege aufgezeigt, wie man mit Trauer, Trauermusik in der heutigen Zeit umgehen könnte.

Marcell Feldberg, Trauermusik-Forscher

Doch dieses Konzept funktioniert nicht zwingend für andere Trauerfeiern. Zum Beispiel bei der Gedenkveranstaltung in der barocken Frauenkirche zur Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 - wie sollte die Musik zum Gedenken hier klingen?

Feldberg kann sich hierfür eine Musik vorstellen, die die Brüche des 20. Jahrhunderts hörbar macht, beispielsweise das "Requiem auf einen jungen Dichter" von Bernd Alois Zimmermann (1918-1970), ein Komponist eben dieses 20. Jahrhunderts der "grausamen Akte". Die "spannende und auch schwierige und kontroverse Musik" stellt grundsätzliche Fragen, mit denen sich die Zuhörer auseinandersetzen können, zu ihrer Trauer und auch zur gemeinsamen Geschichte.

Ich denke, wenn es gelingt, innerhalb einer solchen barocken Atmosphäre, die ja Pracht und Lebensbejahung ausstrahlt, aber trotzdem die Haarrisse der Zeit hörbar zu machen, dann kommen wir in einen Prozess, wo verschiedene Zeiten, Epochen sich gegenseitig reflektieren und auch dann zu einer sinnstiftenden Beleuchtung kommen können.

Marcell Feldberg

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 13. Februar 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 16:44 Uhr

Gedenken an Bombardierung Dresdens

Noten
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MDR KULTUR - Das Radio Di, 13.02.2018 19:05 22:00

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Live aus der Semperoper Dresden

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