Chormusik Eine musikalische Weihnachtsreise durch Europa

Der Dirigent Thomas Hengelbrock hat in den 90er- und 2000er-Jahren Maßstäbe gesetzt in Sachen historisch-informierter Aufführungspraxis. Die Spannweite reicht dabei von Claudio Monteverdis "Marienvesper" bis zu Richard Wagners "Parsifal". Realisiert hat Hengelbrock die Aufnahmen mit den Mitgliedern seines Balthasar-Neumann-Chors. Der ist nun auf seinem neuen Album mit Weihnachtsliedern zu erleben: "Christmas in Europe".

Thomas Hengelbrock
Der Dirigent Thomas Hengelbrock leitet den Balthasar-Neumann-Chor Bildrechte: Florence Grandidier

Leise und verhalten sind die ersten Töne auf dieser neuen CD – der mittelalterliche Adventsgesang "Veni, veni Emanuel", beliebt vor allem in England und den USA, drückt das Warten auf die Geburt Jesu Christi aus. In diesem Arrangement vom schwedischen Komponisten Jan Åke Hillerud steigert sich der Gesang allmählich in der Intensität, gewinnt quasi die Freude die Oberhand.

"Sie müssen sich der Musik hingeben! Es geht eigentlich nur um die totale Hingabe an das, was Sie tun", betont der Dirigent und Leiter des Balthasar-Neumann-Chors, Thomas Hengelbrock: "Und ich glaube, da unterscheiden wir Musiker uns nicht von anderen Berufstätigen, wenn wir mit dem, was wir tun, eins werden."

Neues und Vertrautes

Das Album enthält zum Beispiel das Krippenlied "Dormi, dormi bel bambin" aus dem Tessin, vorgetragen mit großer Perfektion, aber auch mit viel Seele: "Schlafe Kind, du König des Himmels". Beeindruckend der klare und transparente Chorklang und die deutliche Artikulation des Textes.

Das ist Thomas Hengelbrock bei seinen Aufnahmen besonders wichtig, wie er sagt: "Dass Sie wirklich erkennen, wie sehr die Musik textgezeugt ist. Und wie sehr sich die Architektur der Lyrik, des Gedichtes in der Musik wiederfindet – also Sie müssen da schon sehr gut verstehen."

Die Sprache durch die Musik zu transportieren, das war für Thomas Hengelbrock und die Mitglieder seines Balthasar-Neumann-Chors auf dieser CD eine absolute Herausforderung, müssen sie doch in rund zwanzig verschiedenen Sprachen singen. Entstanden ist so eine Reise durch die Weihnachtslieder-Tradition der europäischen Völker, von Island bis Italien, von Portugal bis Polen und Russland.

Klarer Klang und verständliche Texte

Balthasar-Neumann-Chor
Der Balthasar-Neumann-Chor hat sich auf historisch-informierte Aufführungspraxis spezialisiert. Bildrechte: Florence Grandidier

Das Musizieren gelinge nur über die totale Identifikation, betont Thomas Hengelbrock. Und in der Tat klingt etwa der Cherubim-Hymnus aus der russisch-orthodoxen Kirche vom Komponisten Pavel Chesnokov so, als würde hier ein russischer Kathedralchor singen. Ganz anders in Sprachduktus und Klang dagegen ist ein traditionelles Weihnachtslied aus Island.

"Christmas in Europe", das neue Album des Balthasar-Neumann-Chors unter Leitung von Thomas Hengelbrock, ist in diesen Zeiten der Corona-Pandemie absolut wertvoll. Denn es ermöglicht das, was momentan kaum geht, nämlich durch Europa zu reisen und in Kirchen und Konzertsälen weihnachtliche Chormusik zu erleben. Und wie es sich für eine richtige Reise gehört, begegnet man Neuem, aber auch Altvertrautem.

Angaben zum Album Thomas Hengelbrock, Balthasar-Neumann-Chor: "Christmas in Europe"
Deutsche Harmonia Mundi

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Dezember 2020 | 06:10 Uhr

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