Leitfaden zur Rückkehr der Zuschauer Gewandhausdirektor Andreas Schulz: Wir könnten am 1. April öffnen

Wissenschaftler haben sich Gedanken gemacht, wie Zuschauer wieder in die Theater, Museen oder Stadien zurückkehren können. Das Gewandhaus zu Leipzig unterstützt diesen Leitfaden. Gewandhausdirektor Andreas Schulz setzt bei der schrittweisen Öffnung auch auf individuelle Lösungen vor Ort, denn eine dauerhafte Inzidenz unter 35 im ganzen Land sei schwer zu erreichen. Das Gewandhaus sei ab dem 1. April bereit, die Hygienekonzepte des Hauses hatten sich bereits letztes Jahr während der zwischenzeitlichen Öffnung bewährt.

Andreas Schulz
Andreas Schulz, Gewandhausdirektor Bildrechte: Gert Mothes

Der Direktor des Leipziger Gewandhauses, Andreas Schulz, fordert spezifische Öffnungsstrategien für die verschiedenen Kultureinrichtungen. Derzeit sei im Gespräch, dass der Kulturlockdown flächendeckend aufgehoben werden könne, wenn die Inzidenz über zwei bis drei Wochen unter 35 ist. Das nennt Schulz eine Perspektive, die schwer zu erreichen sei. "Ich glaube ich, wir müssen das wesentlich individueller betrachten. Wir brauchen einen größeren Horizont – dass man sich bei einer Inzidenz von 35 bis 50 anschaut, welche Einrichtung mit welchem Konzept was tun kann."

Corona-Lösungen vor Ort finden

Schulz plädiert dafür, dass die Bundes- und Landesregierungen jeweils generelle Rahmenbedingungen vorgeben. Auf dieser Grundlage könnten dann die Konzepte der Einrichtungen mit den jeweiligen Hygiene- und Gesundheitsämtern abgestimmt werden. "Ein allgemeines 'über den Kamm scheren' finde ich sehr schwierig. Denn dann wird Kultur noch lange geschlossen bleiben. Das wollen wir nicht", so der Gewandhaus-Chef.

"Wir wollen gerne wieder spielen."

Schlussapplaus am Donnerstag, 6. Maerz 2008, eines Konzertes mit der Geigerin Anne-Sophie Mutter im Gewandhaus in Leipzig.
Bis es wieder so aussieht im Gewandhaus, dauert es wohl noch eine Weile. Aber es gibt Möglichkeiten ... Bildrechte: imago images / Eckehard Schulz

"Wir wollen für unser Publikum da sein – und wir wollen auch die Auflagen, die wir haben, im besten Sinne managen." Das beinhaltet zum Beispiel auch, dass ein Konzerthaus nicht gleich alles wieder spielen kann. Am Beispiel des Leipziger Gewandhauses erklärt Schulz die Situation: "Wenn wir beispielsweise Haydn oder Mozart spielen, dann sitzen Musiker und Streicher anderthalb Meter, die Bläser zwei bis drei Meter auseinander. Würden wir in größerer Besetzung musizieren wollen, müssen wir das Orchester durchtesten. Auch das werden wir bei ausgewählten Konzertprojekten tun. Wenn wir das machen, können wir die Streicher auf ungefähr einen Meter und die Bläser auf anderthalb Meter zusammensetzen." Das wäre immer noch nicht wie im Normalfall, aber ein großer Schritt nach vorne. Ein Mahler-Konzert sei entsprechend noch in weiter Ferne. Das Mahler-Festival in Leipzig habe man daher auch bereits verschoben, so Schulz.

Gewandhaus ist ab 1. April bereit

Gewandhaus Leipzig
Das Gewandhaus in Leipzig Bildrechte: Olaf Parusel/MDR

Schulz rechnet nicht mit einer Öffnung der Kultureinrichtungen vor Ostern. Man wolle erst einmal die nächste Konferenz von Kanzlerin und Ministerpräsidenten sowie die anschließenden Beratungen auf Landes- beziehungsweise Stadtebene abwarten. "Ich denke, wir werden zwischen 8. und 10. März erfahren, wann wir öffnen können. Auf diesen Moment sind wir vorbereitet." Das Gewandhaus hat laut Schulz gute Konzepte, die sich bei der zwischenzeitlichen Öffnung vergangenes Jahr bewährt hätten. "Wir könnten unseren Saal auf ungefähr 1.900 bis 1.200 Plätzen besetzen. Denn wir erfüllen die Rahmenbedingungen sehr gut – mit den Abstandsregeln sowie unseren Be- und Entlüftungsanlagen." Damit sei das Gewandhaus darauf vorbereitet, ab 1. April wieder öffnen zu können.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Februar 2021 | 08:10 Uhr