Beulbar bei Jena Dieser Thüringer baute schon Banjos für die Irish Folk-Band Dubliners

Nico Schneider spielt nicht nur in bekannten Folk-Bands wie Hüsch! und leitet das Am-Vieh-Theater in Beulbar bei Jena – er baut auch erstklassige Banjos, die schon bei der irischen Folk-Band Dubliners gefragt waren. Seit Jahren erforscht der Musiker die verschiedenen Arten der Tonerzeugung, analysiert Instrumente und experimentiert mit verschiedenen Hölzern. Jedes von Nico Schneiders Instrumenten ist ein Einzelstück. MDR KULTUR hat den Musiker und Banjobauer in seiner Werkstatt besucht.

Nico Schneider spielt ein aufwendig hergestelltes 5-String Banjo mit Resonator, Perlmutteinlagen und reichen Schnitzereien
Nico Schneider spielt auf einem aufwendig hergestellten 5-String Banjo mit Resonator, Perlmutteinlagen und reichen Schnitzereien. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich

Nico Schneider sieht aus seinem Werkstattfenster das Am-Vieh-Theater, eine an den Hang geschmiegte Freilichtbühne in seinem Garten, die er seit einigen Jahren betreibt. Weil in den letzten Monaten kaum Liveauftritte mit seinen Bands möglich waren, baute er in Ruhe Banjos. Sich ein gutes Instrument zu leisten, sei zu Beginn einer Musikerkarriere aus finanziellen Gründen nicht möglich, so Schneider. Deshalb legte er selbst Hand an und baute sich mithilfe des Werkzeugs seines Großvaters ein eigenes Banjo.

Einblicke in die Werkstatt des Banjobauers Nico Schneider

Ein 5-String Banjo und ein Tenorbanjo aus der Werkstatt von Nico Schneider
Ein 5-String Banjo (links) und ein Tenorbanjo (rechts) in der Werkstatt von Nico Schneider. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich
Ein 5-String Banjo und ein Tenorbanjo aus der Werkstatt von Nico Schneider
Ein 5-String Banjo (links) und ein Tenorbanjo (rechts) in der Werkstatt von Nico Schneider. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich
Banjohälse in verschiedenen Stadien der Bearbeitung, vom Holzrohling bis zum ausgearbeiteten Hals; rechts davon sieht man Korpusse
Banjohälse in verschiedenen Stadien der Bearbeitung: vom Holzrohling bis zum ausgearbeiteten Hals; rechts davon liegen Korpusse, sogenannte "banjo rims". Bildrechte: MDR/Grit Friedrich
Werkzeuge und der Banjobauer selbst beim Stimmen
Werkzeuge und der Banjobauer selbst beim Stimmen. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich
Nico Schneider spielt ein aufwendig hergestelltes 5-String Banjo mit Resonator, Perlmutteinlagen und reichen Schnitzereien
Nico Schneider spielt ein aufwendig hergestelltes 5-String Banjo mit Resonator, Perlmutteinlagen und reichen Schnitzereien. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich
Longneck Banjo mit einem Hals aus Riegelahornholz, grob ausgesägte Hälse für zwei Tenorbanjos, und einen Halsrohling aus heimischem Nussbaum.
Longneck Banjohals aus Riegelahornholz, grob ausgesägte Hälse für zwei Tenorbanjos und Halsrohling aus heimischem Nussbaum. (von links nach rechts) Bildrechte: Grit Friedrich
Tenorbanjo liegt auf einem Instrumentenkoffer am Boden.
Das Tenorbanjo wird meist in der irischen Folk-Musik verwendet. Bildrechte: Grit Friedrich
links: Open-Back 5-String Banjo; rechts: 5-String Banjo mit Resonator für Bluegrass Musik.
links: Open-Back 5-String Banjo; rechts: 5-String Banjo mit Resonator für Bluegrass-Musik. Bildrechte: Grit Friedrich
Auf dem Tisch liegt ein Banjohals aus geflammtem Ahornholz, rechts davon ein Tenorbanjo.
Auf dem Tisch mit Blick zum Garten liegt ein Banjohals aus geflammtem Ahornholz, rechts davon ein Tenorbanjo. Bildrechte: Grit Friedrich
Banjopot aus Ahorn und Ebenholz mit Glockenbronze-Tonring
Banjopot aus Ahorn und Ebenholz mit Glockenbronze-Tonring Bildrechte: Grit Friedrich
Banjobauer Nico Schneider vor einem Bauplan
Nico Schneider beim Betrachten eines Bauplans. Viele Einzelschritte sind nötig, bis ein Banjo entsteht und den richtigen Klang hat. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich
Alle (10) Bilder anzeigen

Nico Schneider: Thüringens einziger professioneller Banjobauer

Banjohälse in verschiedenen Stadien der Bearbeitung, vom Holzrohling bis zum ausgearbeiteten Hals; rechts davon sieht man Korpusse
In Schneiders Werkstatt liegen Banjohälse in verschiedenen Bearbeitungsstadien. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich

Das ist fast 20 Jahre her, heute ist Nico Schneider der einzige professionelle Banjobauer in Thüringen. Gelernt hat er fast alles autodidaktisch, auch wenn Nico Schneider eine Zeit lang einem Meister in Irland über die Schulter geschaut hat. Da er selbst Banjo spielt, wurde er nach Konzerten oft gefragt, ob er sein Instrument verkauft, was er auch tat. Jetzt baut er nur auf Bestellung wenige Instrumente im Jahr, dabei hat der Musiker keine Lieblingsmodelle: "Es gibt fünfsaitige und viersaitige Banjos, die können verschieden lange Hälse haben, verschiedene Tonsysteme, so dass sie unterschiedlich klingen. Es gibt auch nicht den definierten Klang. Das ist Geschmackssache: das Banjo lässt viel offen, sogar wenn es fertig ist, kann am Klang noch viel verändert werden."

Banjos für die legendäre Irish Folk-Band Dubliners

The Dubliners, Band aus Irland, l-r: Barney MacKenna , John Sheahan , Sean Cannon , Paddy Reilly und Eamonn Campbell während eines Konzertes
Die irische Band Dubliners Bildrechte: imago images / STAR-MEDIA

Nico Schneider hat Instrumente für Musiker der legendären Irish Folk-Band Dubliners gebaut, natürlich hat er diese Banjos persönlich nach Irland gebracht. Wie lange er an einem Instrument arbeitet, hat der Thüringer noch nie ausgerechnet, er baute ja immer nur nebenbei Banjos. In den letzten Jahren hat sich auf die Personalisierung seiner Instrumente spezialisiert, das ist zeitaufwendig und hat Tradition. "Das ging los in den 20er-Jahren, als das Banjo das beliebteste Saiteninstrument war, es konnte sich gegen die Bläser im Old Time Jazz durchsetzen. Da wurde verziert was das Zeug hält." 

Bei mir war das Banjo Liebe auf den ersten Ton!

Nico Schneider, Banjobauer

Beim Banjo beeinflussen Intarsien den Klang nicht so stark, wie bei einem Streichinstrument, weil 99 Prozent der Tonerzeugung durch den Kessel, also den Korpus des Instruments erfolgt, und meist nur der Banjohals verziert wird – mal mit einem Malteserkreuz, mit floralen Mustern, Familienwappen oder dem Namen des Spielers.

Beim Bauen des Instruments versucht Schneider, Plastik zu vermeiden: "Das Banjo ist ein Naturinstrument, es verbindet schönes Holz mit edlem Metall, und ich verwende lieber Naturfelle. Jedes Instrument ist neu und ein eigenes Abenteuer. Und bei mir war das Banjo tatsächlich Liebe auf den ersten Ton!"

Werkzeuge und der Banjobauer selbst beim Stimmen
Banjobauer und Musiker Nico Schneider beim Stimmen seines Instruments. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich

Mehr aus der regionalen Musik-Szene

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Juni 2021 | 12:10 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Kultur

Grit Lemke  vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims mit Audio
Grit Lemke, aufgewachsen in Hoyerswerda, vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims. Sie wohnte in der gleichen Straße, wurde vom Angriff im benachbarten Jugendklub "Der Laden" völlig überrascht. Über ihre Kindheit und den September 1991 hat sie nun ein Buch geschrieben, das im September erscheint: "Kinder von Hoy". Bildrechte: ohne Angabe

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei