Musik Zufallsfund in Köthen: Notenblätter aus dem 18. Jahrhundert entdeckt


Ein Mann zeigt im Spiegelsaal vom Schloss Köthen originale Notenblätter von Carl Friedrich Abel
Der Gambist und Carl-Friedrich-Abel-Spezialist Thomas Fritzsch präsentiert die gefundenen Notenblätter Bildrechte: dpa

15 verschollene, handgeschriebene Notenblätter eines Werkes des Komponisten Carl Friedrich Abel sind von Museumsmitarbeitern in Köthen gefunden worden. Wie Abel-Fachmann Thomas Fritzsch am Donnerstag mitteilte, wurden die Zeitdokumente bereits im März zufällig in einer Kiste entdeckt, bei den Vorbereitungen einer Sonderausstellung zu dem in Köthen aktiven Begründer der Homöopathie, Christian Friedrich Samuel Hahnemann. Abel war einer berühmtesten Komponisten seiner Zeit und dominierte den europäischen Musikgeschmack in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Geschätzter Wert: 15.000 Euro

Bei dem Fund handelt es sich um Teile des insgesamt 61 Notenblätter umfassenden Manuskriptes der "Sechs Trios Opus 3", für zwei Violinen, Cembalo und Violoncello des Komponisten. Der Gambist und Abel-Fachmann Thomas Fritzsch erklärte weiter: "Ich war von diesem Fund so fasziniert, dass ich mithilfe weiterer Abel-Quellen alle Seiten entschlüsselte."

Ein Mann blättert im Spiegelsaal vom Schloss Köthen in originalen Notenblätter von Carl Friedrich Abel
Thomas Fritzsch Bildrechte: dpa

Die Manuskriptblätter wurden vermutlich im 19. Jahrhundert durch unglückliche Umstände verlegt.

Thomas Fritzsch, Abel-Experte

Laut Fritzsch ist das Manuskript zwischen 1759 und 1761 entstanden. "Das Köthener Exemplar ist damit die früheste handschriftliche und teilautographe Überlieferung von Abels Opus 3." Der Experte ist sich sicher, dass man für den Fund bei einer Auktion mindestens 15.000 Euro erzielen würde.

Konzertabonnements mit Bach-Sohn in London

Carl Friedrich Abel
Komponist Carl Friedrich Abel Bildrechte: imago/ZUMA Press

Der Komponist und Gambist Carl Friedrich Abel wurde am 22. Dezember 1723 in Köthen geboren. Ab 1748 wirkte er in Dresden in der Hofkapelle mit. Er emigrierte 1759 nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges nach London, wo er mit dem jüngsten Sohn von Johann Sebastian Bach, Johann Christian Bach, eines der ersten bürgerlichen Konzertabonnements gründete, die "Bach-Abel Concerts", in denen er viele Jahre als Gambist und Konzertmeister wirkte. Abel starb 1787 in London. Seit 1997 hält der Bach-Abel-Wettbewerb in Köthen das musikalische Erbe des Hofes von Anhalt-Köthen lebendig.

Kultur in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 15. April 2021 | 16:30 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei