Schritt gegen Clubsterben Clubs sind jetzt Kulturorte: Leipziger Clubvorstand begrüßt neuen Beschluss

Club Distillery in Leipzig
Die "Distillery" ist jetzt offiziell ein Kulturort. Bildrechte: IMAGO / Thomas Dietze

Clubs und Livemusikspielstätten mit nachweisbarem kulturellen Bezug gelten in Zukunft nicht mehr als Vergnügungsstätten, sondern werden als Kulturorte definiert – diesen Beschluss hat der Bundestag am vergangenen Freitag, den 7. Mai 2021, gebilligt. Die Abgeordneten hatten die Bundesregierung dazu aufgefordert, Regeln, Verordnungen und Gesetze anzupassen, um Clubs sowohl stadtplanerisch als auch baurechtlich als Anlagen kultureller Zwecke mit Opernhäusern, Museen und Konzerthallen gleichzustellen.

Bedeutung des Beschlusses für die Clubszene

Steffen Kache
Steffen Kache, Vorstand der Leipziger Club- und Kulturstiftung und Geschäftsführer des Techno-Clubs Distillery. Bildrechte: Jörg Singer

Was der neue Beschluss des Bundestags konkret für die Clubszene bedeutet, erklärt Steffen Kache, Vorstand der Leipziger Club- und Kulturstiftung im Gespräch mit MDR KULTUR: "Wir kommen aus der Schmuddelecke der Baunutzungsverordnung als Vergnügungsstätte raus und werden gleichgestellt mit kulturellen Einrichtungen wie Theatern, Opernhäusern, Konzerthäusern. Das hat konkret zur Folge, dass die Clubs jetzt in mehr Gebietskategorien genehmigbar sind. Bisher war es so, dass wir nur in den Zentren erlaubt werden konnten, ausnahmsweise in Gewerbe- und Mischgebieten. Jetzt wird es auch möglich, dass man eine so genannte gemischte Stadt schaffen kann. Das heißt, dass man Kultur in der ganzen Stadt verteilt, auch in Wohngebieten, erlauben kann. Da ist uns bewusst, dass man die Größe der Clubs den örtlichen Gegebenheiten anpassen muss."

Erster Schritt gegen Clubsterben

Obwohl Clubs und Livemusikspielstätten schon lange wichtiger Bestandteil der kulturellen Vielfalt einer jeden Stadt sind, galten sie in der Baunutzungsverordnung (BauNVO) bislang, wie auch Spielhallen, Wettbüros und Bordelle, als Vergnügungsstätten mit eingeschränkter Zulassung in städtebaulichen Gebieten. Das soll sich mit dem neuen Beschluss ändern: Denn er schützt die Clubkultur aus stadtplanerischer Sicht vor der Verdrängung aus dem urbanen Raum. Insbesondere in Zeiten des Clubsterbens begrüßt Kache die Entscheidung, Clubs als schützenswerte und förderungsfähige Kulturstätten anzuerkennen:

Generell gab es ein deutliches Statement: Clubs sind nicht mehr nur Vergnügungsstätten! Wir stehen auf der selben Stufe wie Theater – das wegzurationalisieren ist schwieriger als eine schnöde Disko.

Steffen Kache, Vorstand der Leipziger Club- und Kulturstiftung

Mehr Sichtbarkeit für Clubkultur

Kache zeigt sich als Sprecher der Leipziger Club- und Kulturinitiative optimistisch, dass auf die Aufforderung der Abgeordneten an die Bundesregierung auch Taten folgen. Doch ist vorsichtige Skepsis durchaus berechtigt, denn bis dato fanden die Interessen von Clubkultur und Musikclubs nur wenig Gehör in politischen Debatten. 2020 gründete sich deshalb durch Abgeordnete von GRÜNEN, LINKE, FDP, SPD und CDU/CSU das "Parlamentarische Forum Clubkultur & Nachtleben" im Bundestag, um dem Thema fraktionsübergreifend mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.

Gleisdreieck Leipzig
Das ehemalige Umspannwerk am Gleisdreieck im Leipziger Stadtteil Marienbrunn: Hier wird die Leipziger Club- und Kulturstiftung bis 2023 ein neues Kreativ- und Kulturzentrum schaffen. Auch die Distillery wird hierhin umziehen – denn für Steffen Kaches Club kommt der Beschluss zu spät. Bildrechte: Club- und Kulturstiftung Leipzig

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 10. Mai 2021 | 10:30 Uhr

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Kultur

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