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Nach dem Lockdown

Zweigeteilt, Online, Losverfahren – Besonderheiten des Dessauer Kurt Weill Fests 2021

Stand: 03. Dezember 2020, 12:17 Uhr

Das vergangen Kurt Weill Fest in Dessau im Frühjahr 2020 musste wegen der Pandemie abgebrochen werden. Für den Jahrgang 2021 hat sich das Festival neue und angepasste Pläne ausgedacht. So findet das Festival nur zum Teil Februar statt, als Ausgleich wird es Streams und eine Festwoche im August geben.

Viel Dynamik – um nicht zu sagen: wenig Kontinuität – prägt gerade das Dessauer Kurt Weill Fest. Das liegt nicht nur an der Pandemie, sondern an einem erneuten Intendantenwechsel. Nur für ein Jahr kam der 36-jährige Jan Hendric Bogen nach Dessau, ihm folgt nun der Kulturmanager Gerhard Kämpfe, der das Festival zuvor bereits zwei Jahre als Interimsintendant mitorganisiert hat.

Neue Abläufe

"Wenn da jemand ist, der loyal ist, der immer gut ansprechbar ist, der gut verbinden kann, gut vermitteln kann und der so viele Veranstaltungen organisiert hat, dann ist das ein absoluter Gewinn", zeigt sich Thomas Markworth, Präsident der Kurt Weill Gesellschaft Dessau, begeistert. Erfahrungen, die gerade in einer Krise besonders gefragt sind. Denn wie alle Festivals muss auch das Kurt Weill Fest in Dessau umdenken.

Das normalerweise auf zwei Wochen angelegte Festival wird nun neu strukturiert und auf zwei Zeiträume aufgeteilt: ein kleinerer Teil im Frühjahr und ein größerer Teil im Sommer. Die Veranstaltungen sollen unter freiem Himmel und im Internet stattfinden. "Das ist auch eine Gelegenheit", erklärt der neue Intendant Gerhardt Kämpfe. "Wir können über das Streaming hoffentlich eine ganze Menge mehr Menschen erreichen, als eben nur analog im Theater sitzend."

Ticketverkauf mit Losverfahren

Um diese Idee schon publik zu machen oder als Testlauf, beginnt man schon am 16. Dezember mit dem ersten digitalen Live-Konzert mit Katherine Mehrling im Bauhaus. Tickets dafür kann man noch ganz normal erwerben, während für den Februar ein fast kurioses Ticketing erdacht wurde. Denn statt der 6000 bis 7000 Tickets stehen nun nur noch bis zu 1500 Karten zur Verfügung. "Deswegen werden wir darauf zurückgreifen müssen, dass wir unabhängig vom Eingang eines Ticketwunsches bis zu einer bestimmten Frist schlicht und einfach das Los entscheiden lassen müssen, wer den Zuschlag bekommt", so Kämpfe. 

Große Konzerte finden im Anhaltischen Theater statt. Bildrechte: IMAGO

Kultur als Glücksspiel könnte man fast sagen – wobei die Tickets trotzdem etwas kosten. Der Bewerbungscountdown läuft bis zum 4. Februar. Am Tag darauf wird gelost. "Wir sind sehr gespannt, wie das ausgeht. Wir haben keine Ahnung, wie viel Menschen überhaupt in solchen Situationen in eine Kulturveranstaltung gehen wollen. Wir wissen aus anderen Kulturveranstaltungen, dass das Zuschauerinteresse durchaus zurückhaltend war. Wir haben definitiv, würde ich sagen, zu wenig Plätze. Wir hoffen aber, dass diejenigen, die unbedingt wollen, auch einen Platz bekommen." Da könnte Markworth Recht behalten, denn das Kurt Weill Fest hat eine große Fangemeinde.

Tief greifendes Motto

Sängerin Katherine Mehrling Bildrechte: imago/Eibner

Nicht nur der möchte man auch im kommenden Jahr ein abwechslungsreiches Programm bieten. Auch wenn internationale Reisen aktuell schwierig sind, konnten einige renommierte Künstler gewonnen werden, frohlockt Kämpfe. Katherine Mehrling und Klaus Hoffman singen Lieder von Edith Piaf, Jacque Brel und natürlich von Kurt Weill. Frank Dupree wird als Artist in Residence ein Konzert geben. Andere Highlights wären laut Kämpfe Jasmins Tabatabei und das David Klein Quartett.

Eingerahmt wird das Ganze von einem aktuellen Motto: "Wo ist Heimat?". Diese Frage betrifft nicht nur den Exil-Musiker Kurt Weill , sondern auch die weltweite Flüchtlingssituation. Aber es ist vielleicht auch eine Frage auf die künftige Form und Ausrichtung von Kulturveranstaltungen – allein dafür könnte das Kurt Weill Fest im kommenden Jahr ein Beispiel sein.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 02. Dezember 2020 | 17:10 Uhr