Ballroom Studios Dresden Wie ein Jazz-Album zwischen Dresden und Nashville entsteht

Johannes Gerstengarbe studierte zunächst in Halle unter anderem Flöte, Gesang und Gitarre. Später setzte er sein Studium in Dresden und im US-amerikanischen Nashville fort. Inzwischen hat der Musiker sein eigenes Studio in Dresden gegründet. Die Zeit des Lockdowns konnte Gerstengarbe für ein neues Album nutzen, das er gemeinsam per Videochat mit Kollegen aus den USA produziert.

Ballroom Studio Dresden
Johannes Gerstengarbe bei der Arbeit im Studio Bildrechte: Reiko Fitzke

Johannes Gerstengarbe, in Halle geboren, hat die nordamerikanische Musiktradition unüberhörbar zu seiner eigenen gemacht. Doch mehr noch als Stilistiken haben ihn Orte wie New Orleans geprägt, wie er selbst erklärt: "Die nächste Single wird in Deutsch sein, hat aber so einen New-Orleans-Second-Line-Groove. Das sind die Bandleute, die hinter dem Sarg herlaufen und fröhliche Beats spielen. Den Schlagzeugbeat hat ein Schlagzeuger in New Orleans eingespielt und dann hatte dieser Bassist von Ry Cooder in Nashville darauf gespielt." Mit diesen beiden Musikern will Gerstengarbe im nächsten Jahr in Nashville spielen.

Ballroom Studio Dresden
Videochat mit Dan Burns Bildrechte: Johannes Gerstengarbe

Der Dresdener Musikproduzent und Gitarrist erfüllt sich damit einen Traum und sorgt von Dresden aus dafür, dass dieser hörbar wird. Das Album entsteht im Videochat zwischen Nashville und Dresden. Partner der Debütsingle war Dan Burns, den der Hallenser über Kontakte während seiner Zeit in Nashville kennenlernte.

Freiraum für neue Formate

Ballroom Studio Dresden
Blick in die Ballroom Studios Bildrechte: Reiko Fitzke

Finanziert wurde diese Single durch ein Denkzeit-Stipendium der Kulturstiftung Sachsen. Das Programm soll es Kunstschaffenden ermöglichen, die Zeit in der Pandemie, in der Auftritte abgesagt wurden, kreativ zu nutzen. Diese schnellen Corona-Hilfen regen zu neuen Formaten im Internet und endlich mehr Sendezeit im MDR für junge Musikerinnen und Musiker aus der Region an. "Die Formate, die jetzt neu entwickelt werden, sind für mich Sachen, die auch ohne Krise hätten entwickelt werden können. Jetzt hoffe ich, dass sich verstetigt, was jetzt entwickelt wird", sagt Johannes Gerstengarbe.

Für solche Projekte steht auch das Ballroom Studio in Dresden offen. Eigentlich wollte Johannes Gerstengarbe sein Studio zusammen mit Videofilmern und Fotografen in einem historischen Dresdener Ballsaal einrichten. Das ist nicht gelungen, geblieben ist nur der Name. "Ich versuche weiter, den Gedanken zu verfolgen, dass man mit Netzwerken, verschiedenen Künstlern und Gewerken zusammen kreative Sachen macht, die auf hohem Niveau sind", hält er an seiner Vision fest. Filmmusiken und Arrangements, Musik, Produktion und Talkrunden, Live-Sessions im Internet und 360-Grad Konzerte – Johannes Gerstengarbe sucht gern nach neuen Formaten. Der Musiker zeichnet sich durch Vielfältigkeit aus: Lernte Blockflöte, Klavier, klassischem Gesang und Gitarre in Halle, bevor er in Club- und Kneipen- Sessions abgehärtet wurde. Später investierte er sein Geld aus dem Zivildienst in ein eigenes Studio.

Ein Mann im Studio
Johannes Gerstengarbe Bildrechte: David Pinzer

Kontakte nach Hollywood

Über Umwege konnte Gerstengarbe dann Gitarre im US-amerikanischen Nashville studieren, wo er lernte – anders als in Deutschland –  auch Pop und Rockmusik mit höchsten Ansprüchen, wie in der Klassik, zu produzieren. "Also mein Tontechniklehrer in Nashville hatte gesagt: 'Euer Ziel sollte es sein, dass ihr fünf Jahre nach eurem Abschluss den ersten Grammy habt.' Das hat bei mir nicht geklappt. Aber das war der Anspruch, mit dem man dort aufgewachsen ist", erinnert sich der Studio-Betreiber, für den dieser Anspruch immer noch gültig ist, egal ob für Country, Chance, Jazz, Pop, Singer-Songwriter. Egal auch, ob für Musikprominenz wie Katharina Franck, Bela B und Konstantin Wecker oder Newcomer wie Marion Fiedler, Jazz-Popsängerin aus Dresden.

Ballroom Studio Dresden
Blick in die Ballroom Studios Bildrechte: Reiko Fitzke

Doch das Mastern, sagt Johannes Gerstengarbe, überlässt er doch lieber denen, die es richtig können. Manchmal übernehmen das sogar Kollegen aus Hollywood, die Gerstengarbe noch vom Studium kennt. "Bei den Grammys sind mindestens drei Leute dabei, mit denen ich studiert habe. Da ist man irgendwie ein bisschen wehmütig, gelegentlich. Aber Dresden ist ja auch schön!"

In den Ballroom-Studios: Katharina Frank und Banda Internationale spielen "Am Fenster"

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. November 2020 | 16:10 Uhr

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