Auszeichnung und neues Album Warum der Dresdner Kunstpreis 2022 Musiker Sven Helbig glücklich macht

Der Musiker und Komponist Sven Helbig bekommt den Dresdner Kunstpreis 2022. Außerdem hat er gerade sein neues Album "Skills" veröffentlicht. Es läuft also gerade ziemlich gut für den Wahl-Dresdner, der auch schon Filmmusiken schrieb und Produzent für Rammstein, die Pet Shop Boys oder Snoop Dogg war. Was ihm die Auszeichnung bedeutet, warum sein neues Album "Skills" heißt und welche Rolle der Kupferkessel seines Großvater dabei spielt, hat er im Gespräch mit MDR KULTUR verraten.

Konzert von Sven Helbig
Sven Helbig bei einem seiner Auftritte Bildrechte: IMAGO / Votos-Roland Owsnitzki

MDR KULTUR: Sie bekommen den Dresdner Kunstpreis 2022. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Sven Helbig: Natürlich bin ich sehr glücklich über diese Anerkennung meiner Arbeit. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, in einen Dialog zu treten mit der Stadt. Denn ich arbeite in einer kleinen Nische und bin sehr viel unterwegs. Sich jetzt hier in dieser Stadt mal zu äußern und zu verankern, das finde ich ganz toll! Mit dieser Öffentlichkeit, die dieser Kunstpreis mit sich bringt, ist das möglich. Da freue ich mich drüber.

Bindet Sie die Auszeichnung noch mehr an die Elbestadt?

Ich hatte nie Ambitionen, hier wegzugehen. Das ist eine wunderbare Wohnstadt und inzwischen kann ich ja auch hier und da arbeiten. Aber natürlich ist das immer ein schöner Moment, wenn so eine Verbindung entsteht, die durch so einen Preis dokumentiert wird. Denn ich bin ja Zugezogener, auch wenn ich jetzt schon einige Jahrzehnte in Dresden wohne. Aber diese Bindung an diese Stadt – so dass es Heimat wird und dass man sich zugehörig fühlt – die ist ganz wunderbar. Und ich hoffe, dass sich daraus auch noch mehr ergeben wird für das Wirken in dieser Stadt.

Am Freitag erschien Ihr neues Album "Skills". Mit Skills kann man ja Fähigkeiten, Fertigkeiten beschreiben: Qualitäten, Kompetenzen, Geschicklichkeiten. Was trifft es am besten?

Eigentlich alles zusammen! Ich bin immer schon fasziniert von gelungenen Dingen irgendwie. Ob das ein Skater im Skatepark ist oder eine sauber gezogene Silikonfuge oder ein Konzertpianist. Also immer dann, wenn jemand versucht, über das geforderte Maß hinauszugehen und irgendwie noch besser zu sein und irgendetwas ganz besonders toll zu machen, also perfekt – das hat mich schon als Kind fasziniert.

Sven Helbig, Album "Skills" Cover
Das Cover des aktuellen Albums "Skills" von Sven Helbig zeigt ein vielfältiges Stillleben. Bildrechte: Modern Recordings

Bei meinen Eltern im Regal steht, solange ich denken kann, das Meisterstück meines Großvaters, der in Kamenz gelebt hat, Klempnermeister und Kupferschmied war. Das ist ein handgetriebener Kupferkessel, den musste er aus einem Stück Kupfer mit dem Hammer treiben. Das hat mich schon als Kind begeistert, wie jemand sich selbst so verfeinern und perfektionieren kann, so etwas zu können.

Und diese Begeisterung hat sich bis heute erhalten und auf die Musik übertragen. Es gibt ja diese Geschichten von John Coltrane, der nach dem Konzert dann immer noch ins Hotelzimmer gegangen ist, um stundenlang zu üben. Und diesen Skills widme ich das Album.

Ist das etwas, was Sie selbst auch antreibt, wie aus Handwerk Kunst wird? Wieviel Handwerk ist notwendig, damit es Kunst werden kann?

Das hat sich enorm verändert über die Jahrzehnte und Jahrhunderte. Früher war das eins. Die Maler haben teilweise ihre Bilder nicht unterschrieben und haben sich selbst auch eher als Handwerker verstanden. Ich glaube, in der italienischen Renaissance ging das los, dieses Selbstverständnis, Künstler zu sein und sich irgendwie vom Handwerk abzuheben.

Heute haben wir natürlich ein weites Kunstfeld, wo das Handwerk in dem Sinne gar nicht mehr nötig ist. Wo einfach der Versuch oder die Provokation oder das Improvisierte, Unfertige auch als Kunst gelten. Und das ist auch völlig in Ordnung.

Konzert von Sven Helbig
Als Tonkünstler beweist Sven Helbig auch Multitasking-Skills. Bildrechte: IMAGO / Votos-Roland Owsnitzki

Es ist immer eine individuelle Sache, was einen mehr anspricht. Ich möchte gar kein Manifest schreiben dafür, wie Sachen zu tun sind oder nicht zu tun sind. Ich kann nur sagen, ich persönlich fand das immer fantastisch, wenn ein Handwerk, so eine Meisterschaft irgendwie weitergegeben wurde. Wo ein junger Mensch sich in die Hände eines Meisters begibt und der ihm alles beibringt. Wo ein junger Mensch erstmal prüft, ob er überhaupt in der Lage ist und schon bereit dafür – und dann bei Wasser und Brot sich Dinge aneignet.

Und gerade in der heutigen Zeit, wo so viele Herausforderungen auf uns zukommen, hoffe ich natürlich, dass sich solche Skills, solche Fertigkeiten wieder auftun. Damit wir mit den Problemen, mit denen wir konfrontiert sind, zurechtkommen.

Das Interview hat Andreas Berger für MDR KULTUR geführt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Februar 2022 | 14:30 Uhr