Musikempfehlung Wie die Dresdner Band Tworna aus Volksliedern Pop macht

Das Trio Tworna aus Quohren bei Dresden bewegt sich mit seiner Musik zwischen Folk, Pop und Weltmusik. Dank Crowdfunding hat die Band nun ihr Debütalbum veröffentlicht. Tworna setzt sich dabei musikalisch mit der ambivalenten Volksliedgeschichte auseinander und bringt alte Wiegen-, Tanz - und Liebeslieder mit Leidenschaft und Humor ins Heute. Ihr Markenzeichen: außergewöhnliche Saiteninstrumente.

Die Bandmitglieder von "Tworna" aus Dresden 6 min
Bildrechte: Ray van Zeschau

Dem Trio Tworna aus Quohren bei Dresden ist ein vielschichtiges Debütalbum geglückt: deutscher Folk aufregend neu gedacht und virtuos gespielt. Tworna sind Caterina Other an der Nyckelharpa, die in Berlin lebende Sängerin Jessica Jäckel an der Waldzither und Frieder Zimmermann, Gitarrist, Bassist und Soundtüftler. Für Frieder Zimmermann, der wie Caterina Other in Quohren lebt, fing alles mit dem Dokumentarfilm "Sound of Heimat" an. Der Film untersuche, warum die Deutschen so ein eigentümliches Verhältnis zu ihrer Volksmusik haben.

"Davon möchte ich mich gar nicht ausschließen", sagt Zimmermann und erklärt weiter: "Und dann hat man aber in diesem Film gesehen, wie lebendig das von verschiedenen Leuten interpretiert wird, was da für eine Kraft, ein Spaß und eine Suche nach den eigenen Wurzeln drin steckt". Als Bandkollegin Caterina vorgeschlagen habe, ein Volksliederprojekt zu machen, reagierte Zimmermann so: "Vor dem Film hätte ich gesagt, auf keinen Fall, danach habe ich geantwortet, ja."

Bach, Beethoven und Goethe neu interpretiert

Es gibt bei Tworna perkussive Raffinesse und einfühlsamen Satzgesang. "Erkenne mich, mein Hüter" ist ein Choral von Johann Sebastian Bach. "Entbachen" wollte man diese Melodie, so Caterina Other: "Die Melodie ist so schön und die Harmonien von Bach sind so sehr gesetzt, da ist es spannend zu schauen, was passiert, wenn andere Harmonien da drauf kommen, wie verändert sich die Farbe des Liedes."

Die Bandmitglieder von "Tworna" aus Dresden
Beim Trio "Tworna" wird gern gejammt: mit Gitarre, Waldzither und Nyckelharpa. Bildrechte: Ray van Zeschau

Bei Tworna wird gern gejammt, fügt Gitarrist Frieder Zimmermann hinzu. Ludwig van Beethoven schrieb die Melodie zum einem Text von Goethe über arme Bauernkinder aus Savoyen, die mit dressierten Murmeltieren auf der Straße Geld verdienten – auch "La Marmotte" wurde von der Band wiederentdeckt.

Das Video zum Tanzlied "Heissa Kathreinerle" hat anarchistische Momente, und ihre neunseitige Waldzither, eine Cister, mit der Jessica Jäckel durch Thüringen gewandert ist, spielt die Sängerin sehr kraftvoll. Die Waldzither sei ein ausgesprochen vielseitiges Instrument, erklärt sie:

Die Waldzither hat einen sehr großen Korpus, die kann ordentlich Gas geben, man kann sie super für Rockmusik verwenden. Dann klingt sie wieder sehr sanft und lieblich.

Jessica Jäckel, Musikerin der Band Tworna

Eigene Traditionen musikalisch erforschen

Sensibel und sinnlich umkreisen sich die drei Saiteninstrumente auf dem Album: Gitarre, Waldzither und Nyckelharpa. Caterina Other entlockt ihrer Nyckelharpa, eine Art Geige mit sechzehn Saiten und zwölf Resonanzsaiten, schillernde Klänge: "Ich habe darauf erst Alte Musik gespielt und viel schwedischen Folk. Dann wollte ich die eigenen Traditionen erforschen."

Albumcover der Tworna CD mit deutschen Volkslieder aus vielen Jahrhunderten
Cover des Debütalbums: "Tworna" ist der alte slawische Name des Dorfes Quohren bei Dresden Bildrechte: Loewenzahn Verlag

Den Klassiker "Innsbruck ich muss dich lassen" assoziieren ältere Menschen mit dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs, das Lied erklang häufig, wenn Männer unter Waffen fortzogen, meist in den sicheren Tod. Tworna setzt sich mit der ambivalenten Volksliedgeschichte auseinander und bringt alte deutschsprachige Wiegen-, Tanz - und Liebeslieder ins Heute.

Weitere Informationen Die Tworna CD mit deutschen Volksliedern aus vielen Jahrhunderten erscheint am 16. April 2021 beim Leipziger Label "Löwenzahn".

Das Online-Releasekonzert ist am 16.04.2021, 21 Uhr.
Infos zur Teilnahme sind auf der Website der Band zu finden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. April 2021 | 16:10 Uhr

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