Konzert nach Corona Dresdner Philharmonie spielte erstmals wieder vor Publikum

Es war das erste richtige Konzert nach der Corona-Zwangspause: Die Musikerinnen und Musiker der Dresdner Philharmonie spielten in gespenstischer Atmosphäre vor den dünn besetzten Reihen im Kulturpalast. Doch der Abend überzeugte musikalisch, und auf beiden Seiten der Bühne überwog die Freude über das Wiedersehen.

Stuhllehne im Konzertsaal mit Aufschrift "Bitte freihalten"
Neue Konzert-Normalität im Kulturpalast Dresden: Nur weniger als ein Drittel der Stühle durfte besetzt werden. Bildrechte: MDR/Michael Ernst

Die erste Wiederbegegnung mit der Dresdner Philharmonie in deren Konzertsaal im Kulturpalast war ein Mix aus Normalität und etwas Gespenstischem: Das Publikum erlebte "Neue Normalität" eben, also ein Wegeleitsystem vom Eingang über den Kartenschalter bis hin zum Sitzplatz. Alles mit Mund- und Nasenschutz, versteht sich. Aber daran wird man sich gewöhnen können. Schwerer wird man sich mit der Leere und dem Abstand abfinden. Aber das Publikum wirkte weitgehend vernünftig, man ließ sich einander den Vortritt, wartete höflich, auch das Personal war überaus freundlich und zuvorkommend.

Gespenstische Atmosphäre

Der Eindruck im Saal konnte dann aber schon erschrecken: Von den etwa 1.800 Sitzplätzen waren mehr als zwei Drittel abgehängt – "Bitte freihalten". Die restlichen, exakt 498 Plätze, immer Zweiergruppen, über den ganzen Saal verteilt, waren nicht ganz ausverkauft, das wirkte gespenstisch. Die Musikerinnen und Musiker aber wurden so herzlich begrüßt, dass sie ihre Freude spüren ließen, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen. Trotzdem war der Abend nicht gewöhnlich, durfte zum Beispiel nur ohne Pause stattfinden, maximal eine Stunde dauern und demzufolge gab es auch keine Zugabe.

Änderungen im Programm

Ursprünglich waren eine Fortsetzung der Reihe "Fokus Beethoven" mit einer Sinfonie des Jubilars und zweien seiner Streichquartette geplant, doch mit den neuen Regeln war das nicht machbar. Die wunderbare Beethoven-Ehrung musste zum Glück nicht ganz gestrichen werden: Das Ébène-Quartett aus Frankreich durfte wieder reisen, und hat statt der zwei geplanten nur ein Streichquartett aufführen dürfen. Davor gab es eine der Londoner Sinfonien von Joseph Haydn, Nr. 99, die sehr bläserlastig war.

Dresdner Philharmonie
Bild aus anderen Zeiten: Musiker der Dresdner Philharmonie im gefüllten Saal des Kulturpalastes Bildrechte: imago images/ddbd

Dabei war das Orchester über die ganze Bühne verteilt, sonst Bruckner-Ausdehnung, die Abstände wurden eingehalten, machen Bruckner aber unmöglich. Und gerade die jeweils zwei Trompeten und Hörner, Flöten, Klarinetten, Oboen und Fagotte mussten weit voneinander entfernt sitzen, sollten aber trotzdem einen Gesamtklang erzielen. Wie das Maestro Marek Janowski gezaubert hat – großartig. Keine großen Aktionen, eher moderate Tempi, so kamen gute Balance und Durchmischung zustande.

Freude, die sich hörbar übertrug

Das französische Streichquartett hat dazu einen exzellent Kontrast gesetzt. Während Haydn-Orchester den ganzen Klangraum erfüllte, kam der Beethoven ganz aus der Mitte heraus. Die Philharmonie geht ja ein Risiko ein, bekommt vorgeführt, wie Zusammenspiel funktioniert – muss sich aber selbst bei diesen erschwerten Bedingungen überhaupt nicht verstecken. Ébène spielte mit hoher Perfektion. Normale Konzertkritik müsste jetzt über Spielfreude, Kommunikation, dramaturgische Steigerung reden, hier aber überwiegt einfach nur Freude über ein gelungenes Konzert, das unter genau diesem Motto stand: "Freude".

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Juni 2020 | 10:15 Uhr