Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
MDR KULTUR im RadioMDR KULTUR im FernsehenÜber unsKontaktSuche

Musik und KircheErfurt: Wie ein katholischer Priester aus Ruanda zum Rapper wurde

von Mareike Wiemann, MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Thüringen

Stand: 21. Januar 2022, 04:00 Uhr

Wenn ein katholischer Priester Musik macht, dann stellt man sich darunter vielleicht Chorgesänge oder Gitarrenmusik vor. Doch bei Father Jean-François Uwimana klingt das ganz anders. Der junge Priester, der aus Ruanda stammt und derzeit in Erfurt lebt und arbeitet, hat sich dem Rap verschrieben. Wie es dazu kam.

Es sind musikalische Welten, die weit voneinander entfernt liegen, Father Jean François Uwimana bewegt sich in beiden: Während der Messe singt er Kirchenlieder – danach zieht das Tempo an. "Love D'You", so heißt Uwimanas neuester Song. In den zwei Monaten seit dem Release ist er rund 85.000 Mal auf Youtube angeklickt worden. Im Musikvideo sieht man den 34-Jährigen tanzen, mit schwarzem Hut und Sonnenbrille. Mal in der Erfurter Innenstadt und mal im Priesterseminar.

In Ruanda auf den Rap gekommen

Vor rund acht Jahren hat Uwimana den Rap für sich entdeckt, eher zufällig. Damals lebte er noch in Ruanda. Er kam eines Tages nach einem Jugendgottesdienst aus der Kirche und fand die jungen Frauen und Männer dort tanzend und Musik hörend. Aus den Lautsprechern dröhnte stampfender Beat. "Und ich bin hingegangen und habe gefragt: Was hört ihr da? Sie sagten: Musik. Das Lied war schon bekannt bei uns und wurde überall gespielt, und sie haben das direkt neben der Kirche gespielt. Doch das Lied war … komisch!"

Komisch im Sinne von überhaupt nicht christlich, erinnert sich Uwimana. Er kam mit den Jugendlichen ins Gespräch: "Ihr singt direkt neben der Kirche: Wenn ich kein Bier, wenn ich keine Frau, wenn ich keine Zigarette … so ähnlich ging das Lied. Es war ein bisschen Comedy dabei, aber das waren die Worte."

Jean-Francois Uwimana: Der Priester aus Ruanda lebt jetzt in Erfurt und rappt in seiner Freizeit. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Uwimana sendet seine Botschaften mit Beat

Für Uwimanas Musikkarriere war das im Rückblick wohl der entscheidende Moment. Denn er verurteilte den Musikgeschmack der Jüngeren nicht einfach, sondern versuchte nachzuvollziehen, was sie am Rap so faszinierte. Wir brauchen Musik, bei der wir nicht einschlafen, erklärten diese. Und Uwimana dachte sich: Na, das kann ich doch auch mal versuchen. "Ich habe gesagt okay, ich habe eine Idee. Ich nehme den Beat, aber ich sage etwas anderes. Dann habe ich meine Freunde in Kigali angerufen. - Du hast ein Studio? - Ja! - Können wir morgen was machen? - Ja!" Über Nacht habe er dann etwas geschrieben, erinnert sich der junge Priester. "Die erste Strophe war etwa so: Wenn du in die Kirche gehst, musst du Liebe haben. Sonst bleibst du zu Hause. Und wenn du Probleme mit jemandem hast, dann löse sie, bevor du zur Kirche gehst."

Katholische Kirche erst nicht begeistert

Jean-Francois Uwimana, Priester und Rapper aus Erfurt Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Diesen Song mit dem Titel "Gusanga" produzierte Uwimana 2014 mit einem Bekannten in einem Studio in Kigali. Der wiederum war gut vernetzt, streute die Musik, und plötzlich lief "Gusenga" auf verschiedenen Radiosendern – der rappende Priester wurde bekannt. Für Uwimana, der bislang eher spielerisch und nebenbei mit Musik umgegangen war, eine völlige Überraschung. Von seiner Zielgruppe, den Jugendlichen, seien damals positive Reaktionen gekommen, sagt er. In seinem katholischen Umfeld dagegen sah es etwas gemischter aus.

"Die alten Priester waren dagegen. Andere auch, etwa die Journalisten. Etwas Neues? Das geht nicht in der katholischen Kirche! Der Papst muss ihn rufen! Aber am Ende haben sie Werbung für mich gemacht. Aber weil mein Bischof das wusste, hatte ich keine Probleme."

Von seinem Bischof, sagt Uwimana, sei er mit seiner Musik immer unterstützt worden. Dieser war es dann auch, der ihm riet, nach Europa zu gehen und dort noch einmal zu studieren. In Erfurt bereitet er nun seine Promotion in Pastoraltheologie vor und arbeitet als Priester in verschiedenen Gemeinden in der Umgebung. Während der Messe rappt er nicht, das passt für ihn einfach nicht zusammen. Aber danach wird das Gewand ausgezogen, der Lautsprecher rausgeholt. Und dann geht's los.

Father Jean François Uwimana bei Youtube

Bei diesem Inhalt von Youtube werden möglicherweise personenbezogene Daten übertragen. Weitere Informationen und Einstellungen dazu finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Kultur und Religion

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 30. Januar 2022 | 09:15 Uhr