Traditionelles Liedgut Das Steigerlied soll immaterielles Kulturerbe werden

"Glückauf, Glückauf, der Steiger kommt", so beginnt das weltberühmte Steigerlied aus dem Erzgebirge. Heino Neuber – Sammlungsleiter im Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge und Vorsitzender der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers – hat dazu geforscht und dem Steigerlied ein Buch gewidmet. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf, damit das Steigerlied in die Liste des immateriellen Kulturerbe aufgenommen wird.

Bergaufzug der Bergmänner in Marienberg am 29.4.2018 zum Gottesdienst in der Stadtkriche Marienberg. Mit der Stadt feiern sie das Stadtjubiläum.
Bergaufzug der Bergmänner in Marienberg Bildrechte: MDR/promovie

MDR Sachsen: Warum muss das Steigerlied immaterielles Kulturerbe werden?

Heino Neuber: Nun, das Steigerlied hat ja vom Erzgebirge aus seinen Weg in alle deutschen Bergbauregionen zunächst mal genommen und das schon vor mehreren Jahrhunderten. Dort ist es bis heute sozusagen als dieses identifikationsstiftende Lied der Zusammengehörigkeit des Bergmannstandes und auch des Hüttenwesens immer noch präsent. Es wird gepflegt, über die Jahrhunderte auch gesungen, das heißt, es erfüllt alles, was den Charakter eines echten Volksliedes ausmacht. Und es hat natürlich auch die Grenzen der Lebens- und Arbeitswelt des Bergbau- und Hüttenmannes überschritten und gehört heute zum Allgemeingut.
Wir haben natürlich über die Frühzeit sehr viel gewusst, aber es ging ja insbesondere auch darum, den Weg des Liedes und seine, ich sag mal, textliche Gestaltung nachzuvollziehen, besonders in den letzten Jahrzehnten.

Es gibt wohl auch deutliche Diskrepanzen zwischen der erzgebirgischen und rheinischen Textvariante, ist das so?

Heino Neuber vom Bergbaumuseum Oelsnitz
Heino Neuber mit Grubenlampen im Bergbaumuseum Oelsnitz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was heißt deutliche Diskrepanzen? Es gibt unterschiedliche Ausprägungen des Textes. Das liegt ganz einfach daran, dass sich das Lied schon sehr frühzeitig – wir gehen vom 18. Jahrhundert aus – in alle deutschen Gegenden, die in irgendeiner Weise mit dem Bergbau in Beziehung standen, verbreitet hatte. Und das hat natürlich auch dazu geführt, da es ja ein Volkslied war, dass dort Texte ergänzt worden sind.

Zum Beispiel die heute hier so gern gesungene letzte Strophe: "Kehr ich heim zum Mägdelein", die ist aus dem Schlesischen gekommen, während die ursprünglichen Strophen, diese ersten vier, natürlich auf dem alten sächsischen Lied beruhen. Aber auch da gibt es schon Änderungen. Wir haben früher in Sachsen gesungen – ach, was heißt früher, bis in die 90er-Jahre hinein und auch in aktuellen Veröffentlichungen so noch zu finden: "Die Bergleut sein so hübsch und fein". Das kommt schon vor in der ersten nachweisbaren Überlieferung von 1531.

Und heute singen wir aber: "Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut sein". Das ist beeinflusst aus west- und süddeutschen Landschaften. Das ist also nicht nur dieses sächsische Lied, sondern es geht um das Lied in seiner Allgemeinheit in den deutschsprachigen Gebieten.

Deshalb arbeiten alle deutschen Verbände der Berg- und Hüttenleute zusammen, was den Antrag betrifft zur Aufnahme des Steigerlieds in die Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands. Was sind denn da die nächsten Schritte?

Die nächsten Schritte werden ganz konkret sein, dass wir uns mit Vertretern aus allen Landesverbänden und dem Verein Ruhrkohle Musik zusammenfinden wollen. Dann werden wir diesen Antrag noch einmal neu einbringen und hoffen dann auch aus der Vorarbeit heraus, die in den einzelnen Ländern dann ja gelaufen sein wird, dass man bei der Kulturministerkonferenz sagt: Das ist es wert, in das bundesweite Verzeichnis aufgenommen zu werden.

Informationen zur Publikation zum Steigerlied: Heino Neuber: "Glück Auf! Der Steiger Kommt“ Spannender Streifzug zur heimlichen Hymne des Erzgebirges

ISBN 978-3-00-066071-9 176 Seiten, 24,95 Euro
Mit 40 Bildtafeln

Erhältlich bei der Geschäftsstelle des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V.

Dieses Thema im Programm: MDR 1 RADIO SACHSEN | 04. Februar 2021 | 16:20 Uhr

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