Programm veröffentlicht Festival "Women in Jazz" plant Konzertveranstaltungen mit Publikum

Trotz Corona-Krise soll das Festival "Women in Jazz" in Halle, im Saalekreis und Magdeburg mit Publikum in Konzerthallen stattfinden. Für den Mai 2021 sind hochkarätige Musikerinnen eingeladen, unter anderem Sona Jobarteh, Uschi Brüning, Silje Nergaard und Caecilie Norby. Zum Programm des Festivals ein Interview mit Festival-Geschäftsführer Ulf Herden.

Sona Jobarteh 9 min
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MDR KULTUR: Im vergangenen Jahr gelang es Festivalleiter Ulf Herden, nahezu ungebremst und bis dato auch beispiellos, sein Festival "Women in Jazz" im Netz stattfinden zu lassen. In diesem Jahr soll es offenbar konzertant und live stattfinden. In der Pressemitteilung steht: "Das Festival wird mit Corona und den damit verbundenen Einschränkungen leben und umgehen müssen. Aber es ist für Konzertfreunde wie auch für uns Veranstalter dringend geboten, den Neustart Kultur zu vollziehen und damit zur Normalität des öffentlichen Lebens zurückzukehren." Ulf Herden, was hat Sie dazu bewogen, das Festival jetzt so zu planen, wie es sich eigentlich gehört?

Ulf Herden: Ich muss vielleicht noch ergänzen, dass wir im letzten Jahr das Festival dann auch noch einmal live nachgeholt haben im September. Die Erfahrung daraus ist sehr wichtig. Ich glaube, dieses Projekt ist in den 15 Jahren so gewachsen, dass es eine hohe Akzeptanz bei Künstlerinnen, eine hohe Akzeptanz beim Publikum und auch bei den Medien gefunden hat. Wir müssen uns jetzt als Veranstalter auch darum kümmern, dass wir deutlich zeigen, dass wir veranstalten wollen, dass wir Konzepte haben, Projekte haben, die wir anbieten können – nicht nur dem Publikum, sondern auch der Politik, um zu zeigen, dass Kultur wieder möglich ist unter bestimmten Bedingungen. Das sollten wir viel mehr tun, weil wir ansonsten ein bisschen in Vergessenheit geraten. Wir wollen zeigen: Ohne Kultur geht es einfach nicht.

Aber da gehört natürlich auch eine gewisse Planungssicherheit dazu. Der Chef der Leipziger Buchmesse hat ja die analoge Messe, die Messe der Begegnung, abgesagt und hatte auch gute Gründe. Schon ein gewisses Risiko, was Sie jetzt eingehen?

Ja, aber ich glaube, die Dimensionen zwischen der Leipziger Buchmesse und unserem Festival sind doch so unterschiedlich, auch die Ausgangsbedingungen. Wir haben Konzerthallen, wir haben gegebenenfalls Open-Air-Veranstaltungsorte, auf die wir ausweichen können, und wir haben eine gute Publikumsansprache. Aber natürlich können wir uns mit der Buchmesse nicht messen.

Das Festival steht unter dem Motto "European Jazz Spring", geht am 7. Mai mit dem Eröffnungskonzert in der Händelhalle los. Wer ist dabei?

Am 7. Mai starten wir mit der italienischen Jazzsängerin Roberta Gambarini; vielleicht hier noch nicht so bekannt. Sie ist die Meisterin des Jazz-Standards, hat lange in den USA gelebt und hat sich dort mit diesem Thema sehr intensiv befasst. Kontrapunkt an diesem Abend ist die junge Saxofonistin Camilla George, die nigerianischen Ursprungs ist und heute in Großbritannien lebt. Ihre Musik ist dem Hip-Hop und der ethnischen Musik ihrer Heimat verpflichtet. Ich glaube, das ist ein sehr schöner Kontrast zum Eröffnungskonzert.

Es ist gelungen, dass wir wirklich einige Jazz-Stars aus Europa hier verpflichten konnten. Sona Jobarteh aus Großbritannien, eine hervorragende Jazzsängerin und KORA-Spielerin. Wir haben Anna Maria Jopek verpflichten können, aus Polen. Silje Nergaard, die wir auch im letzten Jahr schon eingeladen hatten, kommt nun in diesem Jahr doch. Und ich freue mich sozusagen auch auf die große dänische Jazzsängerin Caecilie Norby, die mit ihrem Mann Lars Danielsson kommt und Ulf Wakenius, also ein Trio par excellence. Dazu gibt es noch viele spannende Newcomer: Marta Wajdzik, eine 20-jährige Saxofonistin aus Polen, die ein Album vorgelegt hat. Ich bin sehr gespannt, wie sie das live über die Bühne bringt.

Die polnische Jazz-Sängerin Anna Maria Jopek auf der Bühne.
Die polnische Jazz-Sängerin Anna Maria Jopek Bildrechte: IMAGO

Wie ist der deutsche Jazz auf dem Festival vertreten?

Der deutsche Jazz guckt in diesem Jahr ein bisschen zurück. Wir haben Uschi Brüning, unsere große Jazz-Legende. Sie widmet sich Billie Holiday in einem Programm, und wir haben Swing mit Rachel Hermlin und der Band ihres Vaters. Wir haben June Cocó, eine Sängerin aus Leipzig, die in den letzten Jahren Furore gemacht hat, die auch ein bisschen ihren Blick nach hinten und nach vorn in den Pop wagt. Und zum Schluss noch eine Sängerin: Caro Josée, sie ist Hamburgerin, hat aber auch lange Zeit den USA gelebt, kommt so ein bisschen aus dem Blues und hat sich dem Jazz verschrieben.

Uschi Brüning
Jazz-Legende Uschi Brüning wird bei "Women in Jazz" auftreten. Bildrechte: imago/fotokombinat

Das Interview führte Moderatorin Julia Hemmerling für MDR KULTUR.

Mehr Informationen Festival "Women in Jazz"
findet vom 7. bis 16. Mai in Halle, Saalekreis und Magdeburg statt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Februar 2021 | 08:40 Uhr