Drohende Orchester-Auslagerung Sächsische Orchesterkonferenz kritisiert Theater-Sparvorschlag für Görlitz

Die Sächsische Orchesterkonferenz (SOK) weist einen Sparvorschlag zurück, der die Herauslösung des Orchesters aus dem Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau vorsieht. Zuvor wurde ein Münchner Beratungsunternehmen vom Landratsamt beauftragt, eine Studie über die Wirtschaftlichkeit des Theaters zu erstellen. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass drastische Sparmaßnahmen notwendig seien, die eine Schließung des Orchesters zur Folge hätten. Die SOK stellt sich entschieden gegen diesen Plan.

Das Görlitzer Musiktheater sei ein unverzichtbarer Bestandteil der Sächsischen Theater- und Orchesterlandschaft. Der Sprecher der SOK, Frank van Nooy, bezeichnet eine mögliche Herauslösung des Orchesters als "Katastrophe" für das Musiktheater in Görlitz. "Die erwogene Gastbespielung kann überhaupt keine Lösung sein, wenn man weiß, wie Musiktheater erfolgreich funktioniert", erklärt er weiter. Außerdem habe man von diesen Plänen nur indirekt aus der Presse erfahren.

Der Hauptkritikpunkt ist, dass das Gutachten in Auftrag gegeben worden ist, ohne die letztendlichen Entscheider, also die Städte, die Stadträte, einzubeziehen, das hat nicht stattgefunden.

Frank van Nooy, Sprecher der Sächsischen Orchestervereinigung

Neuer Theaterintendant bei Plänen übergangen

Die Sprechergruppe der Sächsischen Orchesterkonferenz beklagt darüber hinaus, dass der neue Intendant Daniel Morgenroth mit Vertragsabschluss die Zustimmung zu seinem Theaterkonzept erhalten habe und nun unseriös behandelt würde. Die SOK betont, dass gerade in Corona-Zeiten der kulturelle Austausch fehle und ein Zusammenhalt umso notwendiger sei.

Ein Orchester gehört zum Theater, das bildet eine Einheit und man spart nichts ein dadurch, letztendlich.

Frank van Nooy, Sprecher der Sächsischen Orchestervereinigung

Bereits seit über einem Jahr ziehen sich die Diskussionen um die Zukunft des Görlitzer Hauses hin, die vom Görlitzer Landrat Bernd Lange angestoßen wurden. Das Haus finanziert sich bis Ende 2022 über einen Kulturpakt des Freistaates Sachsen. Doch die Finanzierung danach ist ungewiss. Der Wunsch von Verwaltung und Politik, sich des kostenintensiven Musiktheaters zu entledigen, ist schon länger bekannt.

Mehr zum Theater Görlitz-Zittau

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. April 2021 | 13:30 Uhr

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