"Bebop Mädchen" Feministischer Podcast aus Leipzig: Was Musikerinnen bewegt

Noch immer sind Frauen in der Musikbranche unterrepräsentiert, vor allem im Jazz, findet die Hallenserin Mandy Neukirchner. Unter anderem darüber spricht sie in ihrem feministischen Podcast "Bebop Mädchen". Die Podcasterin hat in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater studiert und will ihre Erfahrungen rund um die Musikkarriere an die nächste Generation weitergeben. Dabei geht es um praktische Tipps gegen Lampenfieber – aber auch um politische Themen wie Rassismus in der klassischen Musik.

Podcasterin Neukirchner von "Bebop Mädchen" 3 min
Bildrechte: Ramona Münich

Die gebürtige Hallenserin Mandy Neukirchner ist Musikerin – und seit November 2020 auch Podcasterin. In ihrem Podcast "Bebop Mädchen" spricht sie über Themen, die nah an ihr dran sind: Dazu gehören Feminismus in der Musik genauso wie praktische Tipps.

Konzertsaal der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Batholdy" in Leipzig
Neukirchner hat an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig studiert. Bildrechte: Bertram Kober, PUNCTUM

Neukirchner hat an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig Schulmusik mit Hauptfach Jazzgitarre studiert und schon länger überlegt, einen Podcast zu starten. Dann kam Corona, es gab keine Gigs mehr und die 31-Jährige dachte sich: Jetzt ist der Moment, um anzufangen. Mittlerweile ist Mandy Neukirchner mittendrin. Alle zwei Wochen veröffentlicht die Musikerin eine neue Folge.

Von Alltagstipps bis Feminismus

Der Podcast "Bebop Mädchen" richtet sich vor allem an Musikerinnen und Musiker. Neukirchner bespricht darin, teils auch mit Gästen, wie man als Musikerin die Reichweite in den sozialen Netzwerken steigert, wie man mit Stress vor Konzerten umgeht oder was man bei der Wohnungssuche als Musikerin und Musiker beachten sollte. Aber auch Politik ist Thema, wenn die Podcasterin über gendergerechte Sprache, soziale Ungleichheit oder Rassismus in der klassischen Musik spricht.

Es sind Themen, die Mandy Neukirchner selbst beschäftigen. Ein wichtiges Anliegen für sie ist, über Feminismus in der Musik zu sprechen: Denn noch gebe es erschreckend wenig Frauen im Jazz. Das bildet sich auch in der Jazzstudie 2016 ab. Diese hat erstmals umfassend die Situation der Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker in Deutschland untersucht. Die Studie zeichnet ein deutliches Bild: Unter den professionellen Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern sind nur 20 Prozent Frauen.

Podcasterin Neukirchner von "Bebop Mädchen"
Mandy Neukirchner macht sich für Nachwuchsmusikerinnen stark. Bildrechte: Ramona Münich

Mehr weibliche Vorbilder in der Musikbranche

Neukirchner, die selber Jazz-Musikerin ist, will mit ihrem Podcast für junge Frauen eine Perspektive schaffen und sichtbar sein für Jüngere, die selbst Musik machen wollen. Der feministische Ansatz ist auch im Namen wiederzufinden: "Bebop Mädchen". Das sind zwei Wörter, die eigentlich nicht zusammenpassen, erklärt Mandy Neukirchner: "Bebop ist eine sehr männlich dominierte Szene, also von Charlie Parker zum Beispiel oder von Miles Davis oder Dizzy Gillespie. Da gibt's eigentlich keine wirkliche weibliche Präsenz – außer Ella Fitzgerald als Sängerin."

Podcast will zum Nachdenken anregen

Das Wort Mädchen passe eben gerade nicht zu Bebop, meint Neukirchner. Und mit diesem Gegensatz im Titel will sie zum Nachdenken anregen. Die weibliche Perspektive sichtbar zu machen – sei es im Jazz, in der Musik allgemein oder bei ihrem Blick auf die Welt, darum geht es der Musikerin. In einer der letzten Folgen spricht sie über Cybermobbing gegen Frauen – auch in der Musikszene.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Juli 2021 | 14:15 Uhr

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