Festival "Women in Jazz" in Halle – Das sind die Highlights

Am 29. August wurde das 15. Internationale Festival "Women in Jazz" eröffnet. Eigentlich sollte es schon im April stattfinden. Es musste jedoch wegen des Corona-Lockdowns abgesagt werden. Stattdessen gab es zunächst ein Online-Festival, und nun ist ein sogenanntes Replacement im September angesetzt. Die Organisatoren haben vor allem junge Künstlerinnen eingeladen, aber auch einige große Namen für spannende Projekte gewinnen können. MDR KULTUR im Interview mit dem Organisator Ulf Herden.

Julia Hülsmann
Die Pianistin Julia Hülsmann Bildrechte: imago images/BRIGANI-ART

MDR KULTUR: Es sind momentan Zeiten, in denen nichts sicher zu sein scheint. Wie steht es um das Programm beim "Women in Jazz"-Replacement?

Ulf Herden: Erstmal ist es wichtig, dass es das Festival überhaupt und wieder Live-Jazz gibt. Die Musik lebt von Interaktionen und da ist es erstmal eine gute Nachricht, dass wir immerhin acht Konzerte geben: zwei Kinderkonzerte, ein Jazz-Gottesdienst, eine Ausstellung und dann noch ein Open-air. Aber natürlich ist in Corona-Zeiten nicht alles berechenbar. Wir haben zwei Absagen: Melissa Aldana hat schon vor ein paar Tagen abgesagt. Wir wollten die chilenische Saxophonistin sehr gerne im Programm haben, aber alle Termine ihrer Europa-Tour sind abgesagt worden. Nun hat auch Silje Nergaard, die in Halle viele Fans hat, der Reisewarnung, die die norwegische Regierung ausgesprochen hat, Tribut gezollt und tritt nicht auf.

Silje Nergaard
Silje Nergaard musste ihr Konzert absagen. Bildrechte: Julie-Pike

Das Festival ist immer international ausgerichtet: Europa und Südamerika waren angekündigt. Welche Künstlerinnen werden denn die freigewordenen Plätze übernehmen?

Der amerikanische Kontinent wird leider nur durch eine kubanische Künstlerin vertreten. Die Jazz-Violonistin und -Sängerin Yilian Cañizares wird in Bad Lauchstädt auftreten. Sie präsentiert ihre Musik, ihre kubanische Musik und hat auch ganz große Anleihen an Stéphane Grappelli. Europa ist trotz allem sehr gut vertreten: Musikerinnen aus Polen, Russland, Dänemark, der Türkei, Österreich und Ostdeutschland werden kommen.

Yilian Cañizares während eines Auftrittes.
Yilian Cañizares während eines Auftrittes. Bildrechte: imago/Pacific Press Agency

Was sind denn die Highlights dieses ungewöhnlichen Festivaljahres?

Die in Sankt Petersburg geborene Laura Kostina bereitet gemeinsam mit der deutschen Jazz-Sängerin Pascal von Wroblewsky eine Uraufführung vor. Sie haben einer Größe des Jazz' eine Hommage gewidmet: Burt Bacharach. Die Pianistin Julia Hülsmann spielt in der Konzerthalle Ulrichskirche eines ihrer seltenen Solokonzerte. Julia Hülsmann tritt dann noch ein zweites Mal auf: Zum Abschluss wird sie bei einem Konzert mit dem Titel "Last Chance to Misbehave" mit zwei jungen Sängerinnen in der Händelhalle auftreten. Sie präsentiert ein Vokal-Projekt, bei dem sie als Pianistin mitwirkt. Aber die Aufführenden sagen jetzt schon, dass sie singen soll.

Der Nachwuchs hat also in diesem Jahr einen wichtigen Stellenwert. Welche Entdeckungen sind dabei?

Wir haben interessante, junge Künstlerinnen mit dabei: Catt, eine Pianistin und Sängerin, die wir auf YouTube entdeckt haben, wird gleich zwei Konzerte in Halle geben. Neben einem Solo-Konzert hat sie in unserem Auftrag zwei Titel für das Landesjugendjazzorchester in Sachsen-Anhalt geschrieben. Dann wird die Wiener Cellisten Marie Spaemann nach Halle kommen. Die bekannte Bassistin aus Polen, Kinga Glyk, ist dabei. Olga Amelchenko, eine Saxophonistin aus Russland, war für mich bei der letzten jazzahead! eine große Entdeckung. Dass die jungen Künstlerinnen in diesem Festival so gut vertreten sind, liegt nicht nur am Moment. Diese junge Generation, die sich in den letzten zehn Jahren herausgebildet hat, belebt den Jazz und bringt ihn nach vorne.

Kinga Glyk
Jazz-Bassisitin Kinga Glyk Bildrechte: imago images/Oliver Langel

Wie schwierig war es, das Ganze unter den momentanen Umständen zu organisieren?

Es ist allen bekannt, unter welchen Umständen wir organisieren mussten: Abstandsregelung, Hygieneregeln, Genehmigungsverfahren – das haben wir alles durchlebt und alle Hürden, die es dort gab, genommen. Uns ist es wichtig, dass unser Publikum bei den Konzerten sicher ist. Natürlich bedeutet das mehr Aufwand, bei dem man schauen muss, wie man das alles durchsteht.

Das Interview führte Moderatorin Constanze Kittel für MDR KULTUR.

Mehr Informationen Das Replacement des 15. Internationalen Jazzfestivals Halle "Women in Jazz" findet vom 29. August bis zum 9. September statt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. August 2020 | 15:45 Uhr