Musik Neuer Podcast "Iron East – Heavy Metal in der DDR"

Heavy Metal – das steht für schweißtreibende Musik mit ultraharten Gitarren, aggressive Männlichkeit und einen Schutzpanzer aus Nieten, Jeans- und Lederjacken. Auch in der DDR hatte diese Musik in den 80er-Jahren enorm viel Fans, die sich u.a. bei Konzerten ihrer Bands trafen. Der Podcast "Iron East" stellt die Szene vor, die im miefig-engen DDR-Sozialismus nach eigenen Regeln spielen wollte. Und er räumt mit manchen Klischees auf, z.B. zur Rolle der Frauen in der harten Rocker-Gemeinschaft.

Cover für Podcast "Iron East"
Iron East – Heavy Metal spielte auch im Osten eine große Rolle. Unser Podcast stellt die Szene vor. Bildrechte: MDR

Auch die DDR hatte eine lebendige Heavy-Metal-Szene. Der neue Podcast "Iron East" in der ARD Audiothek schaut hinter den eisernen Vorhang und stellt sie vor. Denn die Metaller in der DDR standen vor besonderen Herausforderungen. Kaum etwas war leicht zu bekommen: weder die Platten der Stars und Underdogs der Szene, noch die passenden Klamotten, auch die richtigen Instrumente für die Musikerinnen und Musiker mussten oftmals mit Tricks und Beziehungen aus dem Westen besorgt werden.

Bildergalerie Heavy Metal in der DDR – Patches, die Aufnäher der Bands

Mit Patches trug man seine musikalische Vorliebe nach außen. Da sie in der DDR kaum hergestellt wurden, hat ein Ostrock-Fan die Motive vieler Metal-Bands in den 2010ern nochmal als Patches nachgestaltet. Beeindruckend!

Zwei Patches
Die Erfurter Band Macbeth wurde 1986 verboten, ein Jahr nach ihrer Gründung. Bildrechte: Macbeth
Zwei Patches
Die Erfurter Band Macbeth wurde 1986 verboten, ein Jahr nach ihrer Gründung. Bildrechte: Macbeth
Drei Patches
Berluc erreichten 1983 mit dem Song "No Bomb" den ersten Platz der DDR-Charts. Der Name Berluc steht für die Anfangsbuchstaben der Herkunftsstädte der Gründungsmitglieder BERlin und LUCkenwalde. Bildrechte: Berluc
Ein Patch
Feuerstein aus Halle/Saale waren ab Mitte der 80er-Jahre aktiv. Gitarrist und Sänger Sven "Lemmy" Büttner begeisterte die Fans mit seiner optischen Ähnlichkeit mit Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister. Bildrechte: Feuerstein
Ein Patch
Macbeth – Patch in Biker-Ästhetik Bildrechte: Macbeth Backshape Jinished
Vier Patches
Formel 1 sangen deutsche Texte in Berliner Mundart. Sie nahmen das erste Heavy-Metal-Album der DDR auf, das 1986 unter dem Titel "Live im Stahlwerk" erschien. Bildrechte: Formel 1
Vier Patches
Hardholz aus Tambach-Dietharz Bildrechte: Hardholz
Drei Patches
Die Berliner Band Metall spielte Power Metal. Bildrechte: Metall Final
Drei Patches
Macbeth ist im Metal-Bereich eine Kultband Bildrechte: Macbeth
Drei Patches
Panther aus Merseburg nahmen 1988 für den DDR-Rundfunk den Titel Höllenfeuer auf. Bildrechte: Panther
Fünf Patches
Rochus, eine Thrash Metal-Band aus Erfurt Bildrechte: Rochus Haunted
ein Patch
Argus aus Zwickau spielten zunächst gecoverte Blues- und Rockmusik, ab Mitte der 80er-Jahre jedoch Thrash Metal. Bildrechte: Argus
Drei Patches
Biest aus Jüterbog wurden in einer Umfrage 1986 zur "Besten Amateur-Heavyband der DDR" gekürt. Bildrechte: Biest - Grab im Moor
Vier Patches
Nach einem Auftritt der Band Macbeth wurde ihnen 1986 polizeilich verboten, eine Zugabe zu spielen, danach kam es zu Randale. Bildrechte: Macbeth
Drei Patches
Blackout aus Berlin erreichten eine offizielle Einstufung als "Amatuerband der Oberstufe". Bildrechte: Blackout
Ein Patch
Formel 1 legten Wert auf eine beeindruckende Bühnendekoration, beispielsweise als Tropfsteinhöhle oder Burg. Bildrechte: Formel 1
Zwei Patches
Ein Patch zum Hinweis auf die Webseite Ostmetal.de – Heavy Metal aus dem Osten Bildrechte: Ostmetal.de
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. November 2022 | 18:00 Uhr

Lebensgefühl zwischen Musik, Bier und realexistierendem Sozialismus

Authentisch, lebensnah und vielfältig, so zeigt der Podcast die Metal-Szene, in neun Folgen mit einer Gesamtaudiolänge von knapp 400 Minuten. Schnell werden der Erfindungsreichtum der Musiker und Fans offenbar. Spürbar wird der Wille, entgegen aller staatlichen Enge ihrer Passion nachzugehen.

Hier gehts zum Podcast:

Podcast: Iron East – Heavy Metal in der DDR

Podcast „IRON EAST – Heavy Metal in der DDR“
Bildrechte: MDR/ Privatarchiv Mirko Stockmann
Podcastcover "Iron East – Heavy Metal in der DDR", Episode 2
Bandmitglieder der Heavy Metal Band M.A.D. Bildrechte: MDR/Christian Ludwig /MAD
Alle anzeigen (10)
Jan Kubon, Musikredakteur bei MDR KULTUR 7 min
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Podcast-Autor Jan Kubon war zwar selbst kein Heavy-Metal-Fan, hat sich aber auf dieses Abenteuer eingelassen. Es ist eine spannende Entdeckungsreise zurück in eine Zeit, in der in einem viel zu kleinem Land eine Welle der lauten musikalischen Freiheit durch die Säle, Gasthöfe, Jugendclubs und Konzerthäuser fegte, zurück in die 80er-Jahre.

Bildergalerie Heavy Metal in der DDR – Bands, Fans und Konzerte

Die Heavy-Metal-Szene in der DDR war lebendig. Überall gab es Bands, die ihren Vorbildern nacheiferten oder einen eigenen Sound kreierten. Dabei hatte der Ostmetal seinen eigenen Charme, wie diese Bilder beweisen.

Ein Gitarrist auf einer Bühne
Gitarren wie diese in typischer Heavy-Metal-Form waren eindrucksvoll für die Fans. Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein Gitarrist auf einer Bühne
Gitarren wie diese in typischer Heavy-Metal-Form waren eindrucksvoll für die Fans. Bildrechte: Mirko Stockmann
Heavy-Metal-Fans tanzen vor einer Bühne
Die Lautsprechtürme waren gigantisch und sorgten für die entsprechende mitreißende Soundkulisse. Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein mit Schreibmaschine beschriebenes Dokument
Information über das Spielverbot der Band Prinzz im Kreis Worbis, datiert auf den 22. Februar 1989. Bildrechte: Kerstin Radtke
Eine Band bei einem Auftritt, alle haben lange Haare
Asathor bei einem Auftritt 1989 in ihrer Heimatstadt Magdeburg. Bildrechte: Mirko Stockmann
Fünf Männer mit Gitarre und Bass
Feuerstein aus Halle hatten einen Trumpf mit ihrem Sänger, der ähnelte optisch und stimmlich Lemmy Kilmister, dem Sänger und Bassisten der britischen Kultband Motörhead. Bildrechte: Feuerstein, Tommy Silbersack
Blick von der Bühne auf das Publikum
Die Band Stellung 43 bei ihrem Auftritt am 1. Mai 1990 am Weißen Haus, Magdeburg. Auf dem T-Shirt steht der Name der westdeutschen Metal-Band Accept und darunter von Hand geschrieben "Commercial Shit". Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein selbstbemaltes Stofftransparent
Das Weiße Haus in Magdeburg war der Jugendclub der Bauarbeiter und bewarb so das Heavy-Metal-Open-Air vom 10. September 1989. Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein Bassspieler
Bassist Behle von der Band Stellung 43 im Jahr 1990. Die Band ist aus Asathor entstanden. Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein Gitarrist
Gittarist Poldi von Stellung 43 Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein Schlagzeuger
Schlagzeuger Daniel Szwillus von Stellung 43 Bildrechte: Mirko Stockmann
Viele Mensche stehen herum
Das Publikum erschien zahlreich beim Heavy-Metal-Open-Air am 1. Mai 1990 am Weißen Haus, dem Magdeburger Jugendclub der Bauarbeiter. Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein alter Mann steht fröhlich mit jungen Musikern auf der Bühne
Heavy Metal kann auch Generationen verbinden. (Auftritt 10. September 1989 am Weißen Haus, Magdeburg) Bildrechte: Mirko Stockmann
Blick von der Bühne auf das Publikum
Die Bühne am Weißen Haus war nicht sehr groß, der Kontakt zu den Fans sehr nah Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein Bassspieler, hinter ihm Kinder
Bei den Open Airs am Weißen Haus Magdeburg saßen immer viele faszinierte Kinder sehr dicht an der Bühne. Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein erfreuter junger Mann mit einer Flasche in der Hand
Sonne, Bier und Heavy Metal Bildrechte: Mirko Stockmann
Ein Schlagzeuger
Drummer Sven Leuffert von Asathor Bildrechte: Mirko Stockmann
Alle (57) Bilder anzeigen

Weit mehr als ein Podcast

Zusätzlich zum Podcaststart gibt es ab dem 14. November verschiedene Spezialsendungen, Gespräche mit Protagonisten und Beiträge im Fernsehen und Radio. Auch Online wird es metallisch-hart, mit Zeitzeugenberichten, Fotostrecken, Interviews und Social-Media-Aktionen.

In der ARD-Mediathek geht es mit der "MDR Zeitreise" unter dem Titel "Laut sein und provozieren" auf Tour in die Heavy-Metal- und andere Untergrund-Musikszenen im Osten. Bei MDR KULTUR gibt es am 18. November von 18 bis 19 Uhr ein Spezial zum Thema und von 20 bis 23.30 Uhr die lange MDR KULTUR Nacht "Iron East Heavy Metal in der DDR" mit Studiogästen, Gastmoderatoren und natürlich viel Musik, zu der Sie sich schonmal das Bier und die Luftgitarre bereitstellen sollten.

Musiker auf Bühne, Kinder auf Mauer
Bei Konzerten wie hier in Magdeburg fand sich die Szene zusammen und feierte den Heavy Metal. Bildrechte: Mirko Stockmann

Frauen in der Metal-Szene

Die Podcastfolge "Harter Sound aus zarter Hand – Frauen im DDR-Heavy-Metal" zeigt auf, dass selbst in dem Land, in dem die Gleichberechtigung der Frau staatsideologisch verankert wurde, das Leben männlich dominiert war. Das galt auch für den Kultursektor.

Menschen stehen zusammen, im Vordergrund eine Frau
Kerstin Radtke war eine der Protagonistinnen der Heavy-Metal-Szene der DDR. Bildrechte: Kerstin Radtke

Trotzdem bereicherte eine Handvoll Frauen die Heavy-Metal-Szene mit ihrem Mut, ihrem Talent und ihrem Durchsetzungswillen ungemein. Musikerinnen wie Angela Ulrich (NaUnd), Micky Burgk (Plattform) und Kerstin Radtke (BlitZZ) werden zu Vorbildern, Ankerfiguren und Mutmacherinnen für viele weibliche Heavy-Metal-Fans. Mit Songs wie "Tarantella", "Es treibt mich die Gier", "Heavybraut" oder "Lichter der Nacht" schrieben Radtke und ihre Kolleginnen Hits der DDR Heavy-Metal-Geschichte. Dafür überwandten sie Rollenbilder, brachen Klischees und mussten die staatlichen Kulturlenker überzeugen, dass es Zeit war für "einen harten Sound aus zarter Hand".

Menschen hocken zusammen
Die Fans wirkten manchmal etwas ungelenk – aber immer begeisterungsfähig Bildrechte: Mirko Stockmann

Der Podcast Iron East – Heavy Metal in der DDR
neunteilige Podcastserie über die Heavy Szene in der DDR

Die Folgen:
Episode 1 – Es wird härter
Episode 2 – Von Sonderklasse, Klubhäusern und Konzerten
Episode 3 – Die bösen Jungs kommen. Heavy Fans und der Staat
Episode 4 – Der Weg nach Oben. Star der Szene
Episode 5 – Meine Kutte, meine Jeans, mein Patch. Heavy Mode im Iron East
Episode 6 – Denen mussen die Ohren geblutet haben. Die Szene und die Staatsmacht
Episode 7 – Tendenz Hard bis Heavy. DDR Rundfunk, Amiga und die Szene
Episode 8 – Harter Sound aus "zarter Hand". Frauen im Iron East
Episode 9 – Wir waren und wir sind der Iron East

Quelle: Podcast, Pressemitteilung MDR; Redaktionelle Bearbeitung: op

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. November 2022 | 18:05 Uhr

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