Musikempfehlungen Die besten sächsischen Platten des Jahres

Kurz vor Jahresende ist es nochmal Zeit aus musikalischer Sicht auf das Jahr 2021 zurückzublicken. In Sachsen sind Alben der verschiedensten Genres entstanden - über Pop, Folk, Chanson oder Rock ist alles dabei. Es geht um politische Themen, um Glück, Liebe oder sogar nordische Götter. Wir sprechen Empfehlungen für verschiedene Platten aus, mit dabei sind unter anderem Shelter Boy, Karl die Große und Sarah Lesch.

Shelter Boy, Sarah Lesch und Karl die Große
Bildrechte: Philipp Gladsome - Raik Barthel/Kick the Flame Publishing/Christin Goy - Marco Sensche

Die Bautzener Band Astronawt über sorbische Traditionen

Die Gruppe Astronawt präsentiert sorbische Musik über die Genres hinaus - mit einer großen Bandbreite von Funk über Rap bis zu Balladen. In den Texten spielen die Liebe zur Lausitz, der Natur und das Sorbische eine tragende Rolle, genauso wie slawische Mythen und Sagenfiguren. Die Gruppe will ihre Generation motivieren, Tradition neu zu interpretieren, eigene Ideen zu entwickeln, umzusetzen und so die sorbische Minderheit mit all ihren Facetten in die ganze Welt zu streamen.

Gesellschaftskritische Musik aus der Lausitz: Kolektiw Klanki

Bisher war sorbische Musik zu 90 Prozent männlich, Frauen traten in Musikvideos oft nur als schmückendes Beiwerk auf. Das hat die fünf jungen Frauen der Band Kolektiw Klanki gestört. Außerdem wurden aus ihrer Sicht nur selten kritische Themen angesprochen. Insbesondere dieser Generation möchten die Künstlerinnen mit auf den Weg geben, sich nicht allen gesellschaftlichen Erwartungen zu beugen und Mut zu haben, den eigenen Weg zu gehen – unabhängig von bestimmten Geschlechterklischees.

Die Chemnitzer Band Blond - mehr als nur Schwestern der Kraftklub-Brüder

Zwei Mädels und ein blinder Multiinstrumentalist - das ist die Aufstellung der Band Blond aus Chemnitz. Für ihre Musik haben sie sich ein eigenes Genre ausgedacht: "Las Vegas Glamour", in dem viele Indie-Untergenres vereint werden. Die Angst, irgendwie komisch rüberzukommen, auch mal "hässlich" zu sein, haben die Mitglieder nicht. Sie spielen mit dem Übertriebenen und möchten ein Statement setzen gegen die scheinbare perfekte Welt in den sozialen Medien.

Musik gegen Rassismus von der Banda Comunale aus Dresden

Die bläserlastige Band hat schon viele Demonstrationszüge gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit durch Dresden angeführt und ist ein Beispiel für Integration via Musik. Die Gruppe besteht aus etwa einem Dutzend Mitgliedern, die immer mal wechseln. Den Kern bildeten Studierende der Musikhochschule. Das Motto der Band ist "Act local, sound global!", es geht den Mitgliedern um Solidarität und Verbundenheit und um die unbestrittene Relevanz von Musik. Das Album "Klein ist die Welt" thematisiert neben dem Sterben im Mittelmeer auch das Corona-Jahr 2020.

Folkmusik der Dresdner Band Strömkarlen

Drei fantasievolle Streicher, mehrstimmiger Gesang, virtuose Gitarren: Die Band Strömkarlen entführt in ihrem neuen Album "Edda Sånger: Runes & Rumours" mit tänzerischer Musik ins nordische Reich von Riesen, Zwergen und Göttern – und fasziniert mit altisländischen Texten. Gerade weil man die isländischen Texte nicht verstehen kann, lädt die Musik dazu ein, beim Hören seine eigene Bilderwelt zu kreieren. Es steckt tiefes historisches Wissen in den Kompositionen, im Mittelpunkt steht die Kultur der Skalden. Das Quartett aus Dresden bewegt sich im Spannungsfeld zwischen uralten Traditionen und modernem Songwriting.

Dresdner Band Amalaya über die Suche nach einem Zuhause

Die Band Amalaya bringt drei Kontinente künstlerisch zusammen: Europa, Vorderasien und Südamerika. In ihren Texten geht es um kulturelle Querverbindungen über Kontinente hinweg, um Erfahrungen mit Migration und das Suchen nach einer Heimat. Auf ihrem neu erschienenen Album mit dem spanischen Titel "Casa" (auf Deutsch "Haus") dreht sich alles um ein Haus bei Leipzig, wo die Band bis heute probt und dem damit verbundenen Gefühl des Zuhauseseins.

Lieder über das Schicksal von Dresdener Band Saela Whim

Das Dresdener Duo besteht aus der Sängerin Sarah Graefe und dem Gitarristen Gianluca Calivà. Die Kunstschaffenden haben sich beim Studium der Musik in Dresden kennengelernt. Auf ihrem Album mit dem Titel "The Whim of Fate" (auf Deutsch "Die Laune des Schicksals") verarbeiten sie die unterschiedlichsten Einflüsse aus Jazz, Soul, Flamenco, Klassik, Rock und Metal zu einer spannenden Mixtur, die begeistert.

Die Dresdener Band Tworna denkt Folk neu

Das Trio Tworna aus Quohren bei Dresden spielt deutschen Folk - aufregend neu gedacht und virtuos gespielt. Alte Wiegen-, Tanz - und Liebeslieder werden mit Leidenschaft und Humor ins Heute gebracht. Dank Crowdfunding konnte die Band in diesem Jahr ihr Debütalbum mit dem einfachen Titel "Tworna" veröffentlichen. Darauf sind unter anderem auch drei außergewöhnliche Saiteninstrumente zu hören: Gitarre, Waldzither und Nyckelharpa.

Leipzigerin Sarah Lesch spricht queer-feministische Themen an

Die Leipziger Musikerin Sarah Lesch bricht auf ihrem Album "Triggerwarnung" ihr Schweigen und formuliert in sehr deutlichen Worten, welche psychische und physische Gewalt sie als Frau in einer patriarchalen Gesellschaft erleiden muss - die Statements sind dabei jedoch verpackt in musikalische Sanftheit. Lesch bedient sich bei ihren Songs verschiedener Stilrichtungen wie Chanson, Folk, Gypsy-Jazz, Balkan-Pop und Singer/Songwriter.

Shelter Boy: der Rockstar aus Leipzig

Simon Graupner aus Leipzig träumt von einem Leben als Rockstar - den Grundstein hat er mit seinem ersten Album mit dem Titel "Failure Familiar" gelegt. Dieses beschäftigt sich mit der Thematik des Scheiterns, einem Antrieb für den 24-Jährigen. Inspiration holt er sich von niemand Geringerem als den Beatles oder Oasis. Seine Songs sind zeitlos, niemals unmodern – und doch umweht sie ein nostalgischer Hauch vergangener Tage.

Auf der Suche nach dem Glück mit der Leipzigerin Laura Liebeskind

Laura Liebeskind ist für ihr Releasekonzert im September im Großen Saal des Leipziger Gewandhauses aufgetreten - als Vertreterin der freien Leipziger Szene in Corona-Zeiten. Auf ihrem neuen Album "Das Glück: Fun ist ein Stahlbad" beschäftigt sie sich mit ihrem persönlichen Glück, aber auch damit, was Gerechtigkeit, Demokratie und die alten Griechen mit diesem Glück zu tun haben. Die Songs kommen poppig, folkig und indie daher.

Leipziger Peter Piek kombiniert Malerei und Musik

Peter Piek ist Maler, Texter, Songwriter, Multiinstrumentalist und Performance-Künstler. Sein neuestes Album hat er auf einer Reise von Moskau nach Peking an Bord der Transsibirischen Eisenbahn produziert und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Die elektronisch-experimentellen Songs sind mit epischen Elementen und Einflüssen aus Bildender Kunst versehen. Piek schafft es, dass die Grenze zwischen Malerei und Musik verschwimmt.

"Was wenn keiner lacht" von der Leipziger Band Karl die Große

Die Leipziger Band setzt sich zusammen aus sechs Musikerinnen und Musikern - die musikalische Poesie verliert das Kollektiv in ihrem neuen Album nie aus den Augen. Die Texte sind biografisch, mit viel Herz und sollen auch gesellschaftliche Metaebenen einbeziehen. Das Ergebnis ist eine Platte mit Songs zwischen Pop, Chanson und Indie.

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