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So klingt die Zukunft des JazzJazznachwuchsfestival in Leipzig: Das sind Jazz Talentzz 2021

Stand: 24. Juni 2021, 04:00 Uhr

Unter dem neuen Namen Jazz TalentZZ startet das 29. bundesweite Jazznachwuchsfestival am 24. Juni in Leipzig. Neun Bands und Projekte aus Weimar, Leipzig und Dresden sowie aus Mainz, München, Mannheim und Köln werden an drei Abenden in der Moritzbastei zu erleben sein. Das Spektrum reicht von kammermusikalischen Anleihen bis zur kraftvollen Symbiose aus Jazz, HipHop und Pop. Wir stellen die jungen Musikerinnen und Musiker vor.

Das Bundesweite Jazznachwuchsfestival findet seit 1991 in der Leipziger Moritzbastei statt. Es ist das Einzige seiner Art in Deutschland. Jazz-Profis wie Nils Wogram, Céline Rudolph oder Cornelius Claudio Kreusch starteten hier ihre Karriere.

Bühne und Netzwerk für den Nachwuchs

Gerade in Zeiten der Pandemie soll es besonders begabten jungen Musikerinnen und Musikern unter 30 und aus dem gesamten Bundesgebiet eine Bühne geben. Erstmals gehören auch Workshops und Fachveranstaltungen zum Programm, etwa zum Thema der Vertragsgestaltung zwischen Künstler, Booking-Agentur oder Label. Mit Kathrin Müller-Beck, die u.a. das akkordeon akut!-Festival in Halle leitet, gibt es eine neue Mitstreiterin im Team des Festivals, das weiterhin durch Steffen Wilde vom Jazzclub Tonne in Dresden geleitet wird.

Und das sind die Jazz-Talente 2021:

Vincent Meissner Trio (Leipzig)

Vincent Meissner gilt als neue deutsche Hoffnung des Jazz: Unlängst wurde sein Trio mit dem Mitteldeutschen Jazzpreis ausgezeichnet, gerade erschien das Debüt-Album "Bewegtes Feld". Daran arbeitete der Pianist gemeinsam mit seinen Kollegen Josef Zeimetz (Bass) und Henri Reichmann (Schlagzeug), um produktiv zu bleiben über die langen Lockdown-Monate.

Meissner, 2000 in Sachsen geboren, studiert seit 2019 an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" bei Michael Wollny. Inspirierend findet er Jazz-Größen wie Brubeck, Monk oder Joachim Kühn. Dabei hat er Mut, Lust und das Können zum Experiment: Seine "unbändige Spielfreude" und "einen bemerkenswerten Sinn für ungewöhnliche, im Gedächtnis haftende Melodien" lobt die Kritik.

She just left (Leipzig)                                                        

"Wir studieren alle Jazz im weitesten Sinne, was wir daraus mitnehmen, ist die Improvisation", sagt Pauline Tschirschwitz (Gesang/Elektronik). In der Jazzabteilung der Leipziger Musikhochschule lernten sich Tschirschwitz, Myrsini Bekakou (Violine/Loopstation/Fx) und Leonie Sobek (Schlagzeug/Percussion) im Herbst 2019 kennen und formierten ein Trio, das nun um Paul Wünsch (Bass/Fx) erweitert wurde.

Die komplett weibliche Besetzung ist durchaus noch ungewöhnlich in der Jazz-Szene. Mit der Band schaffen sich die vier Frauen den Raum, ihr ganz eigenes Konzept zu entwickeln; für atmosphärisch dichte Klanglandschaften, mal melodiös, mal rau durch pumpende Beats. "Es ist nicht so einfach, unsere Musik in ein Genre zu packen. Aber das ist auch nicht unser Interesse", meint Sängerin Tschirschwitz.

Violet Greens (Leipzig)

Zwischen Tradional Jazz, HipHop, Soul und Pop bewegen sich die Violet Greens, wie Sängerin Danielle Hertje das Spektrum der Band umreißt. Inspiriert ist sie von Billie Holiday und erklärt: Nach wie vor sei es das Ziel der Band, "eigene Songs zu spielen, Jazz-Stuff auszuchecken und eine gute Mische aus allem zu finden". Zur Band gehören Moritz Land (Gitarre), Henrik Baumgarten (Tenorsaxophon), Leo Bäthe (Piano), Felix Gerbig (E-Bass) und Hermann Spannenberger (Drums). 

Diller Olivanti Sima Chmel (Dresden)

Sphärische Klänge und singende Melodien: Das Quartett mit Max Diller (Trompete), Enrico Olivanti (Gitarre), Loreen Sima (Bass) und Simon Chmel (Schlagzeug) erforscht die Grenze zwischen Komposition und Improvisation ständig neu.

Das erste "halböffentliche" Konzert spielten sie im Juni 2021 kurz nach dem ersten Lockdown noch im Livestream. Danach stand fest, sie wollen als Band unbedingt weitermachen.

Rainald Brederling Quintett (Weimar)

Das Rainald Brederling Quintett hat sich 2017 in Leipzig zusammengefunden und spielt seitdem als Impro-Jazz-Band. Bundesweit, bis Corona kam. Zwei Mal wurde die Tournee verschoben, dafür in der MDR KULTUR-Studiosession gespielt und das erste Studioalbum "Wo ist Rainald?" vorgelegt.

Der Namensgeber und "Übervater" des Quintetts kam abhanden. So machen die "Jazz-Babies" ihr eigenes Ding: Creative Jazz. Sie verbinden zeitgenössischen Jazz mit einzigartigen Harmonien und Texten, die nicht nur im Privaten bleiben sollen, "sondern was Empowerndes nach außen tragen", so Sängerin Sonia Loenne zum Anspruch der verbliebenen Vier. Neben Loenne sind das Robin Rauhut (Piano), Grégoire Pignède (Kontrabass) und Eddy Sonnenschein (Schlagzeug).

Flo und Fauna (Mannheim)

"Fusion Jazz im besten Sinne des Wortes", das bieten Flo & Fauna aus Mannheim. "Energiegeladene Improvisation" versteht darunter Basser Florian Hartz, der die "Songs über kochende Milch, faulende Käfer oder einen warmen Sommerregen" geschrieben hat. Passend zur angespannten Lage hat er mit Lukas Langguth (Keys) und Jakob Dinnebier (Drums) im März das zweite Album unter dem Titel "Try harder" eingespielt. 

Fritschi-Heun (Mainz)

"Keinen Jazz-Jazz", sondern "Kammer-Jazz" machen Fe Fritschi (Akkordeon/Piano Upright) und Francois Heun (Saxophon) aus Mainz.

Wobei sie damit die Intimität und Intensität des Spiels im Duo meinen. Die stilistische Bandbreite reicht von Klassik bis Tango. Manchmal werde es sogar poppig, sagt Fe Fritsch.

Fiona Grond | Interspaces (München)         

Zum 2018 gegründeten Trio um die gebürtige Schweizerin Fiona Grond (Gesang) gehören Moritz Stahl (Tenorsaxophon) und Paul Brändle (Gitarre). Grond, die an der Münchner Musikhochschule studiert, aber auch schon in internationalen Formationen oder zuletzt beim "Women in Jazz"-Festival in Halle auftrat, meint, die Herausforderung sei die Besetzung des Trios:

"Wir haben ja eigentlich zwei Solisten und ein Begleitinstrument. Unser Ziel ist aber immer, diese Rollenverteilung aufzubrechen, um neue Strukturen und Klänge zu finden, so dass auch mal die Stimme begleiten kann und die Gitarre im Vordergrund steht", sagt die Sängerin über ihre fein gesponnenen Arrangements.

Kwini (jetzt Tilar / Köln)                                                

Als frische, neue Stimme der Funk- und Dance-Szene beschreibt Sängerin Clara Lucas die Band. Den Sound umreißt Joshua Behrends (Keyboarder und Produzent) als gut "sortiertes Chaos". Er liebt es, Layer über Layer zu legen, um die Hörerschaft "in ein glitzerndes Paralleluniversum" zu beamen. Derzeit arbeitet Kwini an einem Album, das im nächsten Frühjar erscheinen soll. Bis dahin, verspricht Behrends, wird aller paar Wochen eine neue Single "rausgeballert".

Jazz TalentZZ in der Moritzbastei Leipzig 2021: Das Programm

Do, 24. Juni | 20 Uhr ( Oberkeller)
Fritschi/Heun (Mainz)
Rainald Brederling Quintett (Weimar)
She just left (Leipzig)


Fr, 25. Juni | 20 Uhr (Oberkeller)
Workshop:
14.30 bis 16 Uhr Ort: Ratstonne
Verträge gestalten für Musiker:innen – wer verantwortet was?
Mit Mario Cetti von Kumpels and Friends Records & Konzerte / Kreismusik GmbH & Co KG, Dresden. Cetti arbeitet mit Bands wie Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, Gisbert zu Knyphausen, Die Höchste Eisenbahn oder lilly among clouds.
Fragen können live gestellt werden – oder vorher unter: https://www.facebook.com/jazznachwuchsfestival als PM.

Vincent Meissner Trio (Leipzig)
Fiona Grond | Interspaces (München)
Diller Olivanti Sima Chmel (Dresden)


Sa, 26. Juni | 20 Uhr (Oberkeller)
Flo & Fauna
(Mannheim)
Violett Greens (Leipzig)
Kwini, jetzt Tilar (Köln)
                                               

Mehr vom Rainald Brederling Quintett bei MDR KULTUR

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 24. Juni 2021 | 17:10 Uhr