24. März bis 7. April Viel mehr als Klezmer: Highlights der jüdisch-israelischen Kulturtage Thüringen

Die jüdisch-israelischen Kulturtage waren das erste Festival in Thüringen, das nach der Wiedervereinigung zeitgenössische israelische und jüdische Kunst auf die Bühnen brachte. Am Donnerstag startet die 30. Auflage: mit einem vielfältigen Programm, und auch mit einer etwas anderen thematischen Ausrichtung.

Jüdisch-Israelische Kulturtage Thüringen 4 min
Bildrechte: Maciej Komorowski

Vom Herbst in den Frühling: Zum ersten Mal finden die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen im März statt. Man habe das Festival bewusst zwischen die beiden jüdischen Feste Purim und Pessach gelegt, um ein freudiges Programm zu ermöglichen, erklärt der künstlerische Leiter Johannes Gräßer: "Bislang haben wir unser Programm rund um das Novembergedenken organisiert. Das Gedenken wird bei uns auch weiterhin präsent sein, die Gegenwart soll aber eine wesentlich größere Rolle spielen als bislang."

Rund 60 Veranstaltungen werden in den kommenden Wochen über die Bühne gehen, im ganzen Freistaat verteilt. Von Meiningen bis Mühlhausen finden Lesungen, Konzerte, Buchvorstellungen und Stadtrundgänge statt. Überschattet wird das Programm vom Ukraine-Krieg. Viele Mitglieder der jüdischen Landesgemeinde und auch einige Künstlerinnen und Künstler haben russische oder ukrainische Wurzeln. Die jüdisch-israelischen Kulturtage seien schon immer ein Festival der Offenheit, der Verständigung und des Friedens gewesen, so Gräßer. Diesen Aspekt werde man in diesem Jahr betonen, etwa mit einem Gesprächsabend über Juden im Militär.

Lesungen mit Yuriy Gurzhy

Yuriy Gurzhy ist Musiker, DJ (er hat gemeinsam mit Wladimir Kaminer die Berliner Partyreihe "Russendisko" initiiert) und auch Autor. Ende letzten Jahres hat er das Buch "Richard Wagner und die Klezmer-Band" herausgebracht, in der er sich mit der aktuellen jüdische Musikszene in Deutschland befasst – die kann nämlich viel, viel mehr als Klezmer. Da Gurzhy in der Ukraine geboren wurde, wird er zudem aus seinen aktuellen Tagebüchern vorlesen: wie er mit dem Krieg umgeht und mit seinen Freunden im Land Kontakt hält.

Orte und Zeiten

Samstag | 26.03.2022 | 19:30 Uhr | Weimar | Other Music Academy
Sonntag | 27.03.2022 | 17:00 Uhr | Bleicherode | Hauptstraße 115
Montag | 28.03.2022 | 19:00 Uhr | Rudolstadt | Stadtbibliothek
Dienstag | 29.03.2022 | 19:00 Uhr | Erfurt | Kulturzentrum der Jüdischen Landesgemeinde
Mittwoch | 30.03.2022 | 19:00 Uhr | Meiningen | Galerie ada

Jüdisch-Israelische Kulturtage Thüringen
Musiker, DJ und Autor: Yuriy Gurzhy Bildrechte: Maciej Komorowski

Diskussion: Der Landesrabbiner lädt ein

Die Kulturtage wollen sich verstärkt mit aktuellen Themen auseinandersetzen, etwa in der neuen Reihe "Der Landesrabbiner lädt ein". Alexander Nachama spricht mit Gästen über verschiedene Fragen heutigen jüdischen Lebens. Unter anderem geht es um Juden beim Militär: Was sagt die jüdische Tradition dazu, im Militär zu dienen? Lässt sich eine Tätigkeit als Soldatin oder Soldat überhaupt mit dem Glauben vereinbaren? Es soll um die Tätigkeit des ersten jüdischen Militärrabbiners gehen, genau so wie um den Krieg in der Ukraine.

Ort und Zeit

Montag | 28.03.2022 | 19:00 Uhr | Erfurt | Kulturzentrum der Jüdischen Landesgemeinde

Alexander Nachama in der Synagoge in Erfurt
Landesrabbiner Alexander Nachama Bildrechte: MDR/Paul-Philipp Braun

Doppelkonzert: JazzWelten

"Nigun" ist das jiddische Wort für Melodie, das israelische Nigun-Quartet spielt chassidische Melodien mit der umfassenden Originalität des Jazz. Bei diesem Doppelkonzert trifft das Quartett auf das Bernewitz Trio. Christoph Bernewitz, Gitarrist in der Band von Clueso, hat für den Abend gemeinsam mit Sängerin Ganna Gryniva eigens ein neues Programm erdacht. So begegnen sich ein lokales Ensemble und ein Gastensemble und inspirieren sich gegenseitig.

Ort und Zeit

Samstag | 02.04.2022 | 20:00 Uhr | Erfurt | Zughafen

Jüdisch-Israelische Kulturtage Thüringen
Das israelische Nigun-Quartet Bildrechte: Gilad Bar-Schalev

Uraufführung: Oratorium von Alan Berns

Eine Weltpremiere bei den Kulturtagen: Alan Bern, Direktor des Weimarer Yiddish Summer-Festivals, hat ein Oratorium geschrieben für Orchester, Chor und Solistinnen und Solisten. In "Glikl-Oratorye. A Musical Herstory", mit einem Libretto von Diana Matut, geht es um eine Hamburger Jüdin, die Ende des 17. Jahrhunderts lebte und ihre Memoiren in West-jiddisch verfasste. Das Oratorium bringt verschiedene weibliche Persönlichkeiten auf die Bühne. Ein Projekt mit der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

Ort und Zeit

Donnerstag | 31.03. | 19:30 Uhr | Erfurt | Kaisersaal

Diana Matut
Diana Matut Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doppelkonzert mit Michael Heitzler

Ein weiteres Doppelkonzert: Das Duo Khupe aus Berlin trifft auf Michael Heitzlers Klezmerband. Heitzler ist bekannt aus den Filmmusiken von "Jenseits der Stille" und "Alles auf Zucker", die er mit der Klarinette eingespielt hat. Das Duo Khupe verfolgt einen eher traditionellen Klezmer-Ansatz, bei Heitzler klingen immer wieder Jazz-Anleihen an – eine spannende musikalische Begegnung in Meiningen.

Ort und Zeit

Samstag | 02.04.2022 | 20:00 Uhr | Meiningen | Konzertsaal in der Strupp‘schen Villa

Jüdisch-Israelische Kulturtage Thüringen
Michael Heitzlers Klezmerband Bildrechte: Claudia Bettinaglio

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. März 2022 | 06:15 Uhr

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