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Konzerte vor leeren Zuschauerreihen

Jüdische Woche Dresden: Festival trotz Corona

Stand: 01. November 2020, 04:00 Uhr

Kurz vor dem Start der Jüdischen Woche Dresden sorgte der befristete Corona-Lockdown für neue Bedingungen. Doch die Woche findet statt, wenn auch anders als geplant. Die Veranstalter haben sich gut vorbereitet. Was noch zu erleben ist und in welcher Form hat MDR KULTUR-Folkexpertin Grit Friedrich erkundet.

Der erneute Lockdown stellt auch das Organisationsteam der Jüdischen Woche Dresden vor Herausforderungen. Das Motto der Jüdischen Woche lautet auf Jiddisch "Zay gezunt!" ("Sei gesund!") – "denn was bleibt uns in Zeiten einer Pandemie anderes übrig, als der herzenswarme Wunsch nach Gesundheit und ein bisschen fatalistischer Humor", erklärte die neue künstlerische Leiterin Avery Gosfield.

Konzert ohne Zuschauer vor Ort

Obwohl die Hygienekonzepte der Jüdischen Woche Dresden immer wieder aufwendig nachjustiert wurden und die Veranstaltungen nur für 40 bis 100 Besucher geplant waren, wird durch den Corona-Lockdown jetzt doch alles anders. Daniel Kahn, der jiddische Troubadour und Christian Dawid, einer der vielseitigsten Klezmerklarinettisten Deutschlands  spielen zwar live – aber vor leeren Zuschauerreihen. Ihr Eröffnungskonzert der Jüdischen Woche Dresden wird jedoch gestreamt und kann so über das Internet Zuschauer rund um den Globus erreichen.

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MDR KULTUR-StudiosessionDaniel Kahn – der Vielfältige, ob jiddisch, russisch oder deutsch

Sprachworkshops jetzt im Internet

Auch die Sprachworkshops Hebräisch und Jiddisch finden in diesem Jahr aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation online statt. Geplant war es ganz anders, viel größer. Avery Gosfield, die künstlerische Leiterin der Jüdischen Woche Dresden beschreibt die ursprünglichen Pläne: "Als Leiterin ist mein erstes Ziel, das Festival stärker in das Alltagsleben Dresdens einzubinden. Zweitens soll die jüdische Woche in der weltweiten jüdischen Kulturszene sichtbarer werden. Sie soll Teil des neuen kulturellen Yiddishlands werden, das aus Festivals in Sao Paolo, San Francisco, New York, Quebec, Toronto, Brescia, Fürth und natürlich dem Yiddish Summer Weimar besteht."

Ball wird verschoben

2019  war der Ball die beliebteste Veranstaltung bei der Jüdischen Woche. Dieses Jahr wäre es wohl ein jüdisch-arabischer Abend geworden. Dieser sollte als Sitztanzversion stattfinden, wie in der Bewegungstherapie für Parkinsonkranke oder ältere Menschen – sicher nicht ideal, aber der Abend war schon fast ausverkauft. Jetzt wird er verschoben. Die Musik dazu kommt auch in einer späteren Version von der Band Lebedik mit Sängerin Sasha Lurje und den Dresdner Lokalmatadoren von der Banda Internationale, einer Band zu der auch geflüchtete Musiker aus Syrien gehören.

Die Dresdner Band Banda Internationale beim Rudolstadt Festival 2017 Bildrechte: MDR/Holger John

Diskussion zu Netflix-Serie "Unorthodox"

Shira Haas als Esther Shapiro in einer Szene der Serie «Unorthodox» Bildrechte: Anika Molnar/Netflix/dpa

Für Montag ist ein Podiumsdiskussion zur Netflix-Serie "Unorthodox" geplant. Sie zeigt den Ausbruch der jungen Esther aus der hermetischen Welt einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde in New York. Die strengen Regeln der Satmarer-Juden können Halt geben. Auf der Suche nach Selbstbestimmung flüchtet Esther nach Berlin, um ein neues Leben anzufangen. Welche Bedeutung ein streng religiöser Ordnungsrahmen im Verhältnis zu Kreativität und dem Erleben von Schönheit, das fragen die Veranstalter um Avery Gosfield und der Konrad-Adenauer Stiftung bei diesem Treffen. Musikalisch begleitet wird dieses Gespräch von Daniel Kahn.

Der Dresdner Rabbiner Akiva Weingarten ist aus der Gemeinschaft der Satmarer, wie die Heldin der Fernsehserie. Daniel Kahn, der in dem Film einen Hochzeitsnarren spielt, stammt aus einer säkularen Familie, hat aber seine künstlerische Arbeit der Yiddishkeit gewimet. Yeva Lapsker, die Choreographin der Hochzeitsszenen im Film, war Teil der russischen Einwanderer nach Deutschland. Und Christian Dawid, der Sohn eines protestantischen Pfarrers, wurde von der Klezmermusikszene adoptiert.

Avery Gosfield über die Verbindungen der Serie "Unorthodox" zur Jüdischen Woche Dresden

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Trailer "Unorthodox"

Lage wird Pandemie-Situation angepasst

Wann die für das Festival geplanten Konzerte des Trios "Givol, Karoyan & Hirsch" zum schillernden Schaffen des Komponisten Kurt Weill und der Prager Klezmerband "The Flying Rabbi" stattfinden werden, steht noch nicht fest. Auf der Website der Jüdischen Woche Dresden findet man aktuelle Informationen zum Festival und die Streaminglinks für die Konzerte und Gespräche.

Das Festival24. Jüdische Woche Dresden
1.-8. November 2020

www.juedische-woche-dresden.de

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 01. November 2020 | 14:15 Uhr