Videoprojekt "Klingende Residenzen" in Thüringen – Barockmusik an historischen Orten

Was machen eigentlich Musikensembles in der Corona-Zeit, in der sie nicht auftreten dürfen? Das Barockorchester Capella Jenensis aus Thüringen ist ziemlich produktiv: Es dreht in Schlössern wie der Heidecksburg in Rudolstadt oder dem Residenzschloss Altenburg Musikvideos, um die authentische Musik dieser historischen Orte bekannter zu machen. Möglich machen das Fördermittel aus dem Soforthilfeprogramm des Bundes für freie Orchester.

Menschen spielen Musikinstrumente
Die Holzdecke im Schloss in Dornburg verleiht dem Saal eine besondere Akustik. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Kein Prunk, keine Pracht: Der Kaisersaal des Dornburger Schlosses mit seiner rustikalen Holzbalkendecke kommt eher schlicht und geradezu gemütlich daher. Zu Residenzzeiten wirkten die Komponisten Adam Drese und Andreas Oswald hier – weswegen das Ensemble Capella Jenensis genau deren Werke nun am authentischen Ort spielt. "Wir haben lange recherchiert: Welcher Komponist war ein führender Kopf an welchem Schloss?", erzählt Cellistin Gertrud Ohse: "Wir wollten einfach herausfinden, wer wo Geschichte geschrieben hat."

Fündig wurde das Ensemble im Partiturbuch Ludwig aus dem 17. Jahrhundert. Das Werk, in dem sehr viele Thüringer Komponisten verzeichnet sind, wird heutzutage in Wolfenbüttel aufbewahrt. Musikalisch sei man auf eine große Vielfalt gestoßen, so Cembalist Gerd Amelung. Denn Thüringen sei damals geradezu ein "Hotspot" deutschen Musikschaffens gewesen: "Viele Komponisten, die hier gelebt und gearbeitet haben, sind nach Italien gegangen und haben sich dort ausbilden lassen. Oder sie haben – wie Bach, der keine Mittel hatte, um nach Italien zu gehen – die Materie sehr intensiv studiert." Auf geographisch kleinem Raum habe sich deswegen ein ziemlich gutes Abbild der Musikgeschichte aus der Zeit ergeben, so Amelung.

Menschen spielen Musikinstrumente vor einer Kamera 4 min
Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Was machen Musikensembles in der Corona-Zeit, in der sie nicht auftreten dürfen? Die Capella Jenensis dreht an Orten wie der Heidecksburg in Rudolstadt oder dem Residenzschloss Altenburg Videos mit authentischer Musik.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 28.11.2020 06:00Uhr 03:58 min

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Die passende Musik finden

Gleich sieben Kameras unter Regie einer Filmproduktionsfirma schneiden das Spiel von Ohse, Amelung und Violinistin Claudia Mende im Kaisersaal mit, am Ende soll ein professionelles Musikvideo stehen, verknüpft mit Informationen zu den gespielten Stücken, und natürlich auch mit einer Hinführung zum Ort.

Für Schlossverwalterin Fanny Rödenbeck ein Ansatz, der am Ende allen Beteiligten nützt. Denn so werde der Kaisersaal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie freut sich auch, dass die Räume, die nun so lange leer standen, durch die Musizierenden wieder zum Klingen gebracht werden.

Dem Wirken der Barockkomponisten auf der Spur

Menschen posieren mit Musikinstrumenten für ein Gruppenfoto
Die Capella Jenensis auf der Heidecksburg Rudolstadt Bildrechte: Marius Boettcher

Am Ende des Projekts sollen 14 bis 18 Videos stehen, aufgenommen in ganz verschiedenen Ecken des Landes: Im Residenzschloss Altenburg erklingt etwa eine Sinfonie von Johann Ludwig Krebs, auf der Rudolstädter Heidecksburg eine Sonate von Philipp Heinrich Erlebach, im Meininger Residenzschloss Elisabethenburg eine Orchestersuite von Johann Ludwig Bach. Mal ist das Ensemble nur mit drei Musizierenden vor Ort, wie in Dornburg, mal mit 20.

Ende Januar will die Capella Jenensis die Musikvideos auf einer eigens dafür konzipierten Webseite präsentieren, und auch auf den Internetpräsenzen der Schlösser sollen sie erscheinen. Danach, hoffen die Musiker, dass sie weitere Filme drehen können. Ob das klappt, hängt allerdings gerade noch von an der Finanzierung ab, bei der sie auch auf Spenden hoffen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. November 2020 | 14:15 Uhr