"Pferdchen lauf Galopp" Komponist Carl Gottlieb Hering: Vater der deutschen Musikdidaktik

Seine Lieder werden noch immer gesungen: "Morgen Kinder, wird was geben", Pferdchen lauf Galopp" oder "C-A-F-E trink doch nicht so viel Kaffee". Seinen Namen kennt jedoch kaum noch jemand: Carl Gottlieb Hering war Komponist und gilt als Vater der deutschen Musikdidaktik. Vor 255 Jahren wurde er im sächsischen Bad Schandau geboren.

Bad Schandau an der Elbe.
In Bad Schandau an der Elbe wurde Carl Gottlieb Hering 1977 geboren. Bildrechte: IMAGO

Wer kennt sie nicht, die Kinderlieder wie "Hopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf Galopp" oder "Morgen Kinder, wird’s was geben". Gesungen hat sie wahrscheinlich auch schon fast jeder das ein oder andere Mal. Dass das überhaupt möglich ist, ist dem Komponisten und Musikpädagogen Carl Gottlieb Hering zu verdanken, der als Vater der deutschen Musikdidaktik angesehen wird.

Hering legt Wert auf gute Musik- und Gesangsausbildung

Eine Gedenktafel am Geburtshaus von Carl Gottlieb Hering
An seinem Geburtshaus in Bad Schandau erinnert eine Gedenktafel an C.G. Hering. Bildrechte: Wikimedia Commons/OTFW (CC BY-SA 3.0)

Hering wurde am 25. Oktober 1766 im kursächsischen Schandau geboren. Als Student belegt er Theologie, Pädagogik, Philologie und Philosophie, vermutlich, wie Hagen Schulz in "Carl Gottlieb, Karl Eduard und Richard Hering. Drei Generationen sächsischer Musiker" schreibt. Carl Gottlieb Hering arbeitet als Hauslehrer, unterrichtet ab 1795 in Oschatz an der lateinischen Stadtschule und darf sich bald darauf Konrektor nennen. Ab 1811 wirkt er als Musikpädagoge in Zittau.

Ein schlechter Unterricht im Singen verdirbt mehr als er nützt; er vermehrt jenes widrige Geschrey, wodurch unsere Gottesverehrungen und andere öffentliche Gesänge so geschändet werden; er verbreitet jene Geschmacklosigkeit, die weder das Schöne, noch das Schlechte mehr zu erkennen und zu empfinden vermag.

Carl Gottlieb Hering

C.G. Hering: Singen bildet Geist und Herz

Carl Gottlieb Hering
Komponist Carl Gottlieb Hering Bildrechte: gemeinfrei

Solchen Fehlentwicklungen, solch "schlechtem Unterricht" tritt Hering entgegen: durch sein praktisches Tun an den Schulen, durch Veröffentlichungen, wie einer "Neue(n) praktische(n) Singschule für Kinder nach einer leichten Lehrart", einer "Neue(n) praktische(n) Klavierschule für Kinder nach einer bisher ungewöhnlichen, sehr leichten Methode" oder einem "Volksschulengesangbuch".

Herings Ansicht nach kann die Bedeutung einer guten Musik- und Gesangsausbildung bei Kindern nicht hoch genug eingeschätzt werden. So sieht er im Singen "ein wirksames Hülfsmittel zur Bildung des Geistes und Herzens", es könne "Gefühle für das Schöne, Wahre und Gute erwecken, beleben, erwärmen und erhöhen". Aber nicht nur das.

Ist es nicht ausgemacht, dass ein guter Unterricht im Singen, eine frühzeitige und zweckmäßige Ausbildung unsere Stimme biegsamer, reiner, wohlklingender und melodischer macht?

Carl Gottlieb Hering

Prinzipiell glaubt Hering, "dass die Fähigkeit zu singen gewiss allen Menschen, freylich mehr oder minder verliehen worden ist." Allerdings muss der Pädagoge auch die unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen anerkennen. Ein Kind, welches nur unter solchen Menschen lebe, deren rauhe, polternde widrige Stimme ihnen täglich vor den Ohren schwebe, so der Komponist, werde wohl keine anderen Töne von sich hören lassen.

Herings Lieder werden bis heute gesungen

Der Name Carl Gottlieb Hering ist heute etwas aus dem Blick geraten. Einige seiner Lieder aber werden noch gehört und gesungen. So wie der Anti-Kaffee-Kanon "C-a-f-f-e-e". Obwohl der sicher textlich gesehen nicht mehr zeitgemäß ist. Aber das Hering anzulasten, wäre absurd.      

 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Oktober 2021 | 06:40 Uhr