Sommer-Live-Programm Dresdner Kulturinseln: Gratis-Open-Air mit hunderten Künstlern

In Dresden werden am Samstag die Kulturinseln eröffnet – zwölf kleine Open-Air-Bühnen, die über das Stadtgebiet verteilt stehen und in den kommenden sieben Wochen von Künstlerinnen und Künstlern bespielt werden. Jeweils donnerstags bis samstags gibt es dort Musik, Schauspiel, Tanz und vieles mehr. Der Besuch ist kostenlos.

Kulturinseln Dresden 2020 4 min
Bildrechte: Dresden Marketing GmbH, Florian Kneffel

Kulturinseln, Zelte mit Auftrittsmöglichkeiten für KünstlerInnen, sollen die Innenstadt von Dresden beleben. Den Vorschlag von OB Hilbert fanden nicht alle gut, umgesetzt wird er jetzt aber doch. Birgit Fritz berichtet.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 17.07.2020 12:00Uhr 04:18 min

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Dresdens  Hotels, Restaurants und Geschäfte vermissen die Gäste in der Stadt. Nach Angaben der Dresden Marketing GmbH gehen die Hotels für den Sommer von etwa 50 Prozent weniger Besuchern aus als im vorigen Jahr. Vor allem fehlten Busreisegruppen, das Geschäft mit Meetings und Kongressen – und "die internationalen Touristen fehlen auch. Insbesondere aus unseren Fernmärkten wie China und den USA", sagt Corinne Misser, Geschäftsführerin des Stadtmarketings. Aus den Anrainerstaaten Österreich, Schweiz, Niederlande, Polen und Tschechien dagegen kämen langsam wieder Gäste.

Und wer kommt, soll etwas erleben: eine lebendige Stadt, die ihrem Ruf als Kulturstadt gerecht wird – und natürlich sollen auch  die  Dresdnerinnen und Dresdner ein breites Kulturangebot vorfinden, fast wie sie es gewohnt sind.

Eine Einnahmequelle für Künstlerinnen und Künstler der Region

Kulturinseln Dresden 2020
Tim Gernitz von der Freiberger Band Notendealer bespielt bei der Eröffnung eine der Kulturinseln. Bildrechte: Dresden Marketing GmbH, Florian Kneffel

Und genau dafür sollen die Kulturinseln, zwölf kleine Bühnen, sorgen. Zweiter wichtiger Aspekt: Sie bieten Dresdner Künstlerinnen und Künstlern Möglichkeiten für honorierte Auftritte. Voraussetzung ist, man wohnt im Bereich der Postleitzahl 01 und hat in den vergangenen Wochen eine Bewerbung losgeschickt.

Tanja Grandmontagne von den Jazztagen Dresden gehört mit zwei Agenturen zum Projektteam, das sowohl das Organisatorische regelt als auch einen gewissen kuratorischen Auftrag übernommen hat. Mehr als 200 Bewerbungen seien für die Kulturinseln eingegangen, sagt Grandmontage. "Das sind insgesamt über 600 Künstler, die wir hoffentlich alle oder zumindest die wirklich guten auf die Insel-Bühnen bringen wollen."

Es ist immerhin ein Programm für 264 Vorstellungen zu füllen. Jeweils donnerstags bis samstags gibt es auf jeder der zwölf Inseln sechs Vorstellungen von je 20 Minuten Dauer. An zwei Routen gelegen, verbinden die Inseln Alt- und Neustadt. Wer dann einmal in der Stadt ist, so hoffen die Initiatoren, setzt sich auch noch ins Café, geht ins Museum oder einkaufen.

Insgesamt 264 Vorstellungen, verteilt über sieben Wochen

Die künstlerische Bandbreite reicht von Schauspiel über Tanz und diverse musikalische Genres bis Street-Art und Puppentheater. Mit dabei ist auch die Freiberger Comedy-Pop-Band "Notendealer" um Tim Gernitz. Eigentlich würden sie jetzt in vollen Strandbars an der Ostsee spielen, sagt Gernitz. Doch nun hätten sie seit Monaten gar nicht mehr gespielt.

"Wir haben versucht, über Social Media im Internet das alles abzufangen und freuen uns jetzt für uns als Künstler, einfach auch wieder zu spielen vor Leuten. Und da ist es fast egal, ob es 50 sind oder ob es 150 werden. Wir wollen einfach raus, wir wollen das wieder tun, was unsere Passion ist: Musik machen!"

Wir sind ein bisschen ausgehungert und wollen auch mal wieder live Kultur erleben.

Dirk Hilbert, Oberbürgermeister von Dresden

Zunächst wurde das Projekt kritisiert

Das Projekt der Kulturinseln hat  Oberbürgermeister Dirk Hilbert angestoßen, und er ist dafür zunächst heftig gescholten worden: keine Transparenz bei der Auswahl, konzipiert an Akteuren der Kunst- und Kreativszene vorbei, ach ja, und wo kommt eigentlich die halbe Million her, die das Ganze kostet – wo doch ansonsten die Stadt mittels Haushaltssperre die Finanzen im Griff zu halten sucht?

Ursprünglich sei geplant gewesen, die Mittel im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung umzusetzen, sagt Hilbert: "Wir hatten auch vor, hatten das ohnehin im Konzept, die Bespielung der Plätze, was wegen Corona nicht umsetzbar war." Außerdem müsse man in diesem Jahr auf Indoor-Veranstaltungen und Partys verzichten. "Und diese Mittel haben wir gepaart und haben sie dafür zur Verfügung gestellt. Ich spüre selber, aber ich glaube auch alle Dresdnerinnen und Dresdner und auch die Gäste: Wir sind ein bisschen ausgehungert und wollen auch mal wieder live Kultur erleben", so Hilbert.

Mittlerweile haben sich die Wellen geglättet und der Kulturausschuss hat den Kulturinseln zugestimmt. Der Besuch ist kostenfrei, Spenden sind erwünscht, die Einhaltung der Hygienregeln sollte selbstverständlich sein.

Weitere Informationen Dresdner Kulturinseln 18. Juli bis 5. September 2020, jeweils donnerstags bis samstags von 13 bis 19 Uhr an zwölf Orten in der Stadt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Juli 2020 | 12:10 Uhr