85. Geburtstag Wie der Magdeburger Manfred Schoof den internationalen Jazz prägte

Geboren in Magdeburg, ist der Trompeter Manfred Schoof auf den internationalen Bühnen des Jazz profiliert. Er zählt hierzulande zu den ersten, die im Jazz neue Wege suchten und sich auf diese Weise von der Übermacht der amerikanischen Vorbilder emanzipierten. Schoof ist bis in experimentelle, klanginnovative Grenzbereiche zur Neuen Musik vorgestoßen, bekennt sich aber uneingeschränkt zur Lebenskraft des Jazz. Außerdem schrieb er Film- und Fernsehmusiken, u.a. für die "Sendung mit der Maus". MDR KULTUR-Jazzexperte Bert Noglik mit einer Würdigung von Schoofs Schaffen.

Manfred Schoof, 2005 4 min
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Der Trompeter Manfred Schoof hat den Jazz in Deutschland seit den sechziger Jahren wesentlich mitgeprägt – mit eigenen Bands, als Komponist und Improvisator. Bert Noglik gratuliert zum 85.Geburtstag.

MDR KULTUR - Das Radio Di 06.04.2021 15:30Uhr 04:22 min

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Mit seinem 1965 formierten Quintett bahnte der Trompeter Manfred Schoof dem deutschen Jazz einen Weg in Richtung freie Expressivität. Ein Jahr zuvor hatte er mit Gunter Hampel das Album "Heartplans" aufgenommen – eine Platte, die einem größeren Publikum erstmals bewusst machte, dass ein neuer europäischer Jazz entstanden war. Schoof ging es durchaus um den Anschluss an die internationale Entwicklung, aber zugleich um ein eigenes Vokabular, eine eigene Sprache, eine eigene jazzmusikalische Identität.

Das war uns ganz, ganz wichtig, dass wir nicht Nachahmer waren, sondern auch unser eigenes Teilchen dazu beitragen konnten. Und da muss ich sagen, bin ich noch heute sehr glücklich darüber und das ist auch heute noch so.

Manfred Schoof über seine Jazzspielweise

Musikalische Partnerschaften

Alexander von Schlippenbach am Klavier
Alexander von Schlippenbach Bildrechte: IMAGO / POP-EYE

In diesem Bestreben war Schoof aufs Engste mit dem Pianisten Alexander von Schlippenbach verbunden. Die beiden spielen noch immer gemeinsam, auch wenn das heute ganz anders und im Vergleich mit den wilden Anfangsjahren beinahe romantisch klingt.

Schoof und von Schlippenbach hatten sich während ihres Studiums an der Kölner Musikhochschule kennengelernt, wo sie von Kurt Edelhagen, aber auch von einem Komponisten der Neuen Musik, von Bernd-Alois Zimmermann, ermutigt wurden.

Der hat uns sehr schnell in seinem Denken und seinem ganzen Wesen, auch dadurch, dass er sehr an uns interessiert war, sagen wir mal so, eine Art Rückbesinnung verschafft, auf unsere europäische Tradition, den frühen Schönberg und so weiter bis in die Gegenwart.

Manfred Schoof über Bernd-Alois Zimmermann

Schoof zählte zum Kreis der Musiker, mit denen von Schlippenbach 1966 das Globe Unity Orchestra formierte, das in einer von Buh- und Bravorufen begleiteten Uraufführung erstmals Einflüsse aus Neuer Musik mit dem freien Spiel zusammenführte. 1969 nahm Manfred Schoof mit einer von ihm geleiteten Großformation die Platte "European Echoes" ­auf – ein Manifest des neuen europäischen Jazz.

Ein Herz für die Avantgarde

Das Herz von Schoof schlägt noch immer für die musikalische Avantgarde. Aber er war nie ein Bilderstürmer, sondern stets auch ein Trompeter mit einem weiten stilistischen Spektrum. Er spielte mit Mal Waldon und Steve Lacy, mit Günter Baby Sommer und Gianluigi Trovesi, er leitete eigene Big Bands und er ging mit den Old Friends, mit alten Weggefährten wie Albert Mangelsdorff, auf Tournee.

Mit seinem in den 70er-Jahren formierten Quintett gelang Schoof die Integration von Erfahrungen des freien Spiels und Einflüssen aus Jazz, Rock und Neuer Musik sowie ein gänzlich eigener Ensembleklang.

Prof. Manfred Schoof, 2009
Manfred Schoof Bildrechte: IMAGO / BRIGANI-ART

Ich war – muss ich sagen – froh darüber, dass wir diesen Sprung, diesen Absprung aus der etwas orthodoxen Einförmigkeit hinein in eine farbigere Welt geschafft hatten, ohne uns musikalisch aufzugeben. Im Gegenteil, wir haben uns musikalisch bereichert. Ich habe mich sehr bereichert gefühlt. Und ich muss sagen: noch heute ist das alles in mir selbst drin.

Manfred Schoof

Musik für "Die Sendung mit der Maus"

Zu Schoofs vielseitigem musikalischem Schaffen zählen auch Kompositionen für Film und Fernsehen, u.a. für die WDR-Serie "Der Spatz vom Wallraffplatz" und für "Die Sendung mit der Maus". Er schrieb beispielsweise den "Zahnpasta-Rap" und das Lied "Wir sind die sechs von der Müllabfuhr". Für diese Arbeit musste Schoof sich umstellen, wegdenken von der Jazzmusik. Aber er ist froh über diese Erfahrung, er sei dafurch unabhängiger geworden, sagt er.

Manfred Schoof, einer der Wegbereiter des neuen deutschen, des neuen europäischen Jazz und ein vitaler Zeitgenosse von ansteckendem Enthusiasmus.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. April 2021 | 17:10 Uhr

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