Vor 450 Jahren geboren Michael Praetorius: Wie ein Creuzburger Komponist die Musikgeschichte prägte

Um 1600 war Michael Praetorius ein hochangesehener Musiker und Komponist, Kapellmeister am Hof in Wolfenbüttel und viel unterwegs zwischen Oder und Elbe – unter anderem in Halberstadt, woher seine Ehefrau stammte. Heute kennt man ihn vor allem durch seine Bearbeitung des Weihnachtsliedes "Es ist ein Ros entsprungen". Doch Praetorius war ein fleißiger Schöpfer eines viel größeren Werkes. Gestorben vor 400 Jahren, geboren vor 450 Jahren, beides am gleichen Tag, dem 15. Februar.

Portrait von Michael Praetorius oder Schultheiß, 1571 - 1621, ein deutscher Komponist, Organist, Hofkapellmeister und Gelehrter im Übergang von der Renaissance zum Barock 4 min
Bildrechte: IMAGO / imagebroker

"Michael Praetorius Creuzburgensis" – kurz M.P.C. – so signiert der Meister seine Werke. In Creuzburg an der Werra, nahe Eisenach, ist er 1571 zur Welt gekommen. Der Vater und später auch zwei seiner Brüder sind lutherische Pastoren. In diesem Glauben wird Praetorius groß – fromm, pflichtbewusst, jenseitsorientiert. Was zur zweiten Deutung des Kürzels M.P.C. führt, dem Wahlspruch von Praetorius:

Mihi Patria Coelum. Mein Vaterland ist der Himmel!

Mittelalterliche Creuzburg in Thüringen
1994 wurde im thüringischen Creuzburg die Michael-Praetorius-Gesellschaft zur Pflege und Förderung seines Gesamtwerkes gegründet. Bildrechte: IMAGO / DATA73

Michael Praetorius besucht die Lateinschule in Torgau. Hier, wo ein paar Jahrzehnte zuvor der Kantor und spätere Dresdner Hofkapellmeister Johann Walter die eigenständige deutschsprachige Kirchenmusik für den lutherischen Gottesdienst begründet hatte. Später studiert Praetorius Philosophie und Theologie in Frankfurt an der Oder. Doch er schließt das Studium nicht ab. Stattdessen übernimmt er bald die freigewordene Stelle des Organisten an der Universitätskirche.

Michael Praetorius am Hof in Wolfenbüttel

Rund zehn Jahre später, ab etwa 1594, finden wir Praetorius in Diensten des Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel. Der Fürst ist gebildet und kunstinteressiert, holt Musiker und Theaterleute an seinen Hof. Praetorius wird zunächst Kammerorganist, später – da ist er Anfang 30 – zudem Hofkapellmeister. Mit seinen etwa 18 Sängern und Instrumentalisten ist er zuständig für die Musik beim Gottesdienst, für Tafelmusik, wenn gespeist wird und für Tanzmusik bei höfischen Festen. Entsprechend fällt sein kompositorisches Werk aus. Neben weltlichen Tänzen vor allem Messen, Motetten, Hymnen und Kirchenlieder.

Wer nicht Lust zur Musik oder kein Musiker sein will, was derselbe im Himmel machen wolle. Denn im Himmel müssen wir alle, der Herr sowohl als der Knecht, musizieren.

Michael Praetorius

Unter den weit mehr als 1.000 von Praetorius bearbeiteten Kirchenliedern befindet sich eins, die noch heute besonders populär ist. Die Melodie hatte er in einem katholischen Gesangbuch gefunden: "Es ist ein Ros entsprungen".

Bemerkenswert vielfältiges Gesamtwerk

Organist Martin Böcker hält das Schaffen des Komponisten Michael Praetorius für unterschätzt. Wer sich jedoch eingehend mit seinem Werk beschäftigt, wird überrascht sein, versichert Böcker: "Da gibt es Riesen-Kompositionen, die sich an Bibeltexten orientieren oder an Liedtexten, an alten Liedern. Und wenn man seine Musik aufführt, braucht man eigentlich ein ziemlich großes Instrumentalensemble, um das farbig zu realisieren und die Besetzungen kommen dann oft einem kleinen Symphonieorchester schon nahe. Deshalb wird seine Musik, glaube ich, auch so selten gemacht."

Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert,
Praetorius Buch "Syntagma musicum" gilt heute als wichtigste Quelle der Musik des Frühbarock. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Praetorius auf Reisen

1613, nach dem Tod seines Dienstherrn, ist Praetorius viel auf Reisen, oft als Organisator der neuen Konzertmusik im italienischen Stil. Er taucht in Dresden auf, in Halle, Leipzig, Nürnberg und Bayreuth, in Naumburg, Magdeburg oder Sondershausen. Zudem schreibt Praetorius an seinem Buch "Syntagma musicum". Die dreibändige Abhandlung gilt heute als wichtige Quelle zur Aufführungspraxis der deutschen Musik des Frühbarock. Überdies dokumentiert Praetorius hier die damals gebräuchlichen Instrumente. Das Wirkungs- und Lebenszentrum von Michael Praetorius bleibt Wolfenbüttel. Hier stirbt er am Tag seines 50. Geburtstags, am 15. Februar 1621. Die Grabrede hält der Wolfenbütteler Pfarrer Peter Tuckermann:

So ist auch der Herr Kapellmeister in seinem Amt sehr fleißig gewesen und hat sich keine Hitze noch Kälte, noch Schlaf lassen abhalten, sondern danach getrachtet, dass er die Musik möchte hochbringen und viel darinnen ausrichten. Wie auch das Werk den Meister selbst lobet. Daher er in sonderlichen Gnaden nicht allein hier zu Hof gewesen, sondern auch anderswo. Bei Königen, Kurfürsten und Herren, wie einem jeden bewusst ist.

Pfarrer Peter Tuckermann

Kirche Beatae Mariae Virginis in Wolfenbüttel
Praetorius wurde in der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis in Wolfenbüttel beigesetzt. Bildrechte: IMAGO / Susanne Hübner

Mehr musikalische Themen

Kultur

John Cage mit Audio
John Cage (1912-1992) gilt als einer der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, seine Strahlkraft reicht heute bis in den Bereich von Rock, Pop, Independent Music, Techno und Jazz Bildrechte: imago/Leemage

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Februar 2021 | 06:40 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren