Nachhaltigkeit in der Musikbranche Warum der Weimarer Pianist Martin Kohlstedt Bäume pflanzt

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt inzwischen auch die Musikbranche. Sind Welttourneen per Flugzeug noch vertretbar? Wie kann Merchandise fair produziert werden? Weltweit engagieren sich Musikerinnen und Musiker wie Billie Eilish unter dem Motto "Music Declares Emergency" für Umwelt und Nachhaltigkeit. Ein Musiker, der dieser Initiative Gesicht und Namen leiht, ist der in Thüringen geborene Pianist Martin Kohlstedt. Dieser pflanzt Bäume – im Gespräch erläutert er sein konkretes Engagement.

3. Juni 2020 in Weimar
Der Weimarer Musiker Martin Kohlstedt pflanzt mit Konzert-Einnahmen neue Bäume. Bildrechte: MDR / Andreas Kehrer

MDR KULTUR: Die Initiative "Music Declares Emergency" stellt auf ihrer Website vier Punkte in den Mittelpunkt. Es geht um CO2-Reduzierung, um Aufklärung. Und bei Punkt vier heißt es durchaus selbstkritisch: Auch wir in der Musikindustrie machen Dreck und wir verpflichten uns zum sofortigen Handeln. Wann ist Ihnen als Künstler klar geworden: Ja, ich mache Dreck und wahrscheinlich zu viel und ich kann nicht so weitermachen?

Martin Kohlstedt: Ja, das wird am Anfang von ein wenig Euphorie überschrieben, denn wenn man so die allerersten Anfragen aus dem Ausland bekommt und dann das erste Mal nach Italien darf oder irgendwie über die Ländergrenzen, um Kulturvermittlung zu betreiben. Oder um halt wirklich Konzerte zu spielen, da merkt man sehr schnell, dass man viel auf Reisen ist und auch viel hinterlässt und dann tatsächlich überlegen muss und anfangen muss, zu überlegen, wie viele Flüge und wie viele Fahrtkilometer man da zurücklegen möchte.

Da kommt die Produktion von Datenträgern noch mit dazu, also Vinyl und CD. Das wird alles transportiert via Schiff. Merchandise. Es gibt gewisse Bands, die verkaufen T-Shirts. Das kann alles mit Fair-Trade, Bio und allen anderen Siegeln versehen werden. Und da muss man einfach mittlerweiler, weil es nun mal auf uns ausgelagert wurde oder auf jeden einzelnen genau darauf achten, was man da macht.

Es gibt jetzt auch große Reaktionen: zum Beispiel hat die nicht ganz unbekannte Band Coldplay erklärt, nicht mehr auf weltweite Tournee zu gehen, bis es klare Ideen gäbe, wie man so einen Tourneezirkus umweltfreundlicher gestalten kann. Herr Kohlstedt, machen Tourneen überhaupt noch Sinn oder sind die insgesamt jetzt mittlerweile fragwürdig geworden?

Nein, Tourneen machen natürlich noch Sinn. Da will ich, da muss ich auch für die Kultur sprechen. Das ist sehr, sehr wichtig, den Diskurs und die Musik mit herumzutragen, Kommunikation zu betreiben, auch über die Ländergrenzen hinweg. Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und Musik zu machen. Und das kann man tatsächlich ja nachhaltig gestalten.

Martin Kohlstedt 7 min
Bildrechte: J. Konrad Schmidt

"Music Declares Emergancy" - unter diesem Motto engagieren sich Musiker weltweit für Umwelt und Nachhaltigkeit. Auch der Weimarer Pianist Martin Kohlstedt ist dabei. Im Gespräch erläutert er sein konkretes Engagement.

MDR KULTUR - Das Radio Di 14.09.2021 06:00Uhr 06:59 min

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Sie können sich eigentlich ganz entspannt zurück lehnen, Herr Kohlstedt. Denn Sie sind CO2-fußabdruckmäßig ziemlich weit vorne. Sie sind der Sohn eines Forstamtsleiters in Thüringen und haben sich jetzt unabhängig von dieser Emergency-Aktion längst ein Stück Wald gekauft und forsten es auf. Weil Sie ein gutes Gewissen haben wollten oder aus ganz anderen Gründen?

Nein, das ist eine tatsächlich eine Idee, die ist schon über 20 Jahre alt. Schon als Kinder haben wir am Waldrand überlegt, über die Dinge, die da verschwinden. Uns ist früh aufgefallen, dass Deutschland wie ein Schachbrett aufgebaut ist. Und wenn man es mal von oben betrachtet hat, merkt man, dass alles aufgeteilt ist in in minikleine Mosaike. Und dass man irgendwie über den Forst oder beziehungsweise durch die Nachhaltigkeit, die ich auch anerzogen bekommen habe, irgendwie ja auch sieht, dass, weil man da etwas wegnimmt, dann muss man da auch wieder was dazupacken.

Mittlerweile hat die Dürre und die Hitze und der Käfer die Natur so richtig im Schwitzkasten. Und vor allem Menschen sind dafür verantwortlich.

Martin Kohlstedt

Weil das ja im Forst auch gezwungenermaßen so ist, wenn man 300 Jahre in die Zukunft denkt. Und mittlerweile hat die Dürre und die Hitze und der Käfer die Natur so richtig im Schwitzkasten. Und vor allem Menschen sind dafür verantwortlich. Und da gilt es jetzt selbstverständlich zu handeln. Das sehe ich jetzt nicht als Samariter-Aktion. Es ist ja Pflicht.

Das Interview führte Moderator Thomas Bille für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. September 2021 | 07:10 Uhr

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