Nachtleben Leipzig bekommt Nachtbürgermeister – Das sind die Gründe

Die Stadt Leipzig bekommt im Herbst eine Koordinierungsstelle Nachtleben. Sie soll nicht nur für einen guten Neustart in und nach der Pandemie sorgen, sondern auch die verschiedenen Bedürfnisse von Nachtschwärmenden, Anwohnenden, Club- und Kneipenbetreibenden und der Stadtverwaltung unter einen Hut bringen. Keine leichte Aufgabe, vor allem in einer Zeit, in der das Nachtleben mehr zu kämpfen hat denn je.

Besucher bei einem Konzert.
Nach Magdeburg soll nun Leipzig als zweite mitteldeutsche Stadt "eine/n Fachbeauftragte/n für Nachtleben" bekommen. Bildrechte: imago images/toxawww

Es wirkt fast ein bisschen seltsam: In einer Zeit, in der es abends auf den Straßen ruhiger nicht sein könnte, wird in Leipzig eine Stelle in die Wege geleitet, die sich unter anderem mit Lautstärkekonflikten im Nachtleben beschäftigt. Doch gerade jetzt ist die Stelle wichtiger denn je, glaubt Kordula Kunert, Vorsitzende des LiveKommbinats, unter dessen Dach sich elf Leipziger Clubs und Spielstätten versammeln. Der Fokus gehe jetzt einfach auch auf die Revitalisierung des Nachtlebens.

Wofür braucht es einen Bürgermeister der Nacht?

Kordula Kunert hat sich schon vor der Pandemie federführend für die neue Anlaufstelle im Rathaus stark gemacht. Die soll vor allem vermitteln: Zwischen Feiernden und Anwohnenden, zwischen Stadtverwaltung und Nachtkultur, aber auch innerhalb der Szene selbst, zu der Clubs und Livemusikspielstätten aber auch Bars, Biergärten, Spätis oder Open-Airs zählen. Als Anlaufstelle soll sie die Kommunikation bündeln und in Einklang bringen. Gegen Lärmkonflikte sollen aber auch geschulte Teams an öffentlichen Plätzen unterwegs sein, wo erfahrungsgemäß der Lärmpegel durch Gruppen schnell ansteigt, und dort präventiv eingreifen, so die Vorsitzende. Ein Konzept, dass auch Torsten Reitler von der Moritzbastei gerade im Sommer, der Zeit von Open-Air-Veranstaltungen, für wichtig hält, um nicht die Feierenden zu kriminalisieren, aber auch die Bedürfnisse von Anwohnenden, Umweltschutz und Ordnungsamt zu respektieren.

Eine junge Frau hält eine Tablette mit Kartenspiel-Kreuz-Symbol an ihre Lippen.
Die zukünftige Nachtbürgermeisterin oder der Nachtbürgermeister soll mit dem Nacht-Rat in Kontakt stehen, dessen Arbeit auch von sogenannten Drug Scouts unterstützt wird. Bildrechte: IMAGO

In und nach der Pandemie sei die Stelle, die derzeit intern noch "Fachbeauftragte/r für Nachtleben" heißt, nun aber auch extrem wichtig als zentraler Anlaufpunkt für die Hilfe bei rechtlichen Fragen oder Fördermöglichkeiten, findet Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Mit dem Start im Herbst könne sie beim Neustart helfen und dann auch verstärkt Imagearbeit für das Leipziger Nachtleben leisten. 

Wie ist die Koordinierungsstelle aufgebaut?

Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin für Kultur
Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke sieht einen starken Bedarf für die Stadt, eine Ansprechperson für's Leipziger Nachtleben zu ernennen. Bildrechte: imago/PicturePoint

Umgesetzt werden soll das mithilfe einer Doppelspitze, bestehend aus einem oder einer Beauftragten für das Nachtleben, eben dem Nachtbürgermeister oder der Nachtbürgermeisterin, sowie einem Sprecher des sogenannten Nacht-Rats. Der setzt sich wiederum aus Vertretenden unterschiedlicher Träger und Behörden zusammen – unter anderem der Polizeidirektion, dem Kulturamt, den Drug Scouts oder aber dem LiveKommbinat. Während der Rat aktuelle Themen des Nachtlebens regelmäßig diskutiert, ist die Doppelspitze bei allen Fragen zentrale Anlaufstelle und zuständig für das Projekt "(N)achtsamkeit", das präventiv Konflikte und Krisen entschärfen soll.

Personal fürs Nachtleben auch anderswo in Mitteldeutschland?

Eine Art der Konfliktprävention, die bereits in anderen europäischen Städten gefruchtet hat. In Deutschland hat mit Mannheim die erste Stadt eine Anlaufstelle fürs Nachtleben bekommen. Und auch München, Stuttgart und Osnabrück haben nachgezogen. In Mitteldeutschland hat Magdeburg seit Anfang des Jahres ein ähnliches, wenn auch kleineres Projekt gestartet: die Hasselbach-Managerin. Sie ist ausschließlich für das Quartier Hasselbachplatz zuständig. Man habe damit auf die zunehmenden Interessenskonflikte, Gewalt und Kriminalität reagiert, so Holger Platz, Beigeordneter für Umwelt, Personal und Allgemeine Verwaltung der Stadt Magdeburg. "Die Managerin hat die Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen auszugleichen, zu kommunizieren und gemeinsam mit denen vor Ort auch Lösungsvorschläge an die Stadt heranzutragen." Auch die Stadt Dresden legt ihren Fokus vor allem auf die Prävention von Konflikten und Kriminalität. Besonders im Stadtviertel Äußere Neustadt, so Johannes Schulz vom Kriminalpräventiven Rat. Das in Form einer Koordinierungsstelle umzusetzen, müsse man aber erst noch prüfen – im Austausch mit anderen Städten, unter anderem auch Leipzig.

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