Chefdirigent Sächsische Staatskapelle: Vertrag mit Christian Thielemann wird nicht verlängert

Christian Thielemann
Christian Thielemann ist seit 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden Bildrechte: imago images / Ernst Wukits

Der Vertrag mit dem Chefdirigenten der Sächsische Staatskapelle, Christian Thielemann, wird nicht verlängert, er läuft zum Ende der Spielzeit 2023/2024 aus. Das gab das Sächsische Staatsministerium für Kultur am Montag in Dresden bekannt. Der Vertrag des Intendanten der Semperoper, Peter Theiler, wird bis zum Ende der Spielzeit 2023/2024 verlängert. Danach soll aber auch dieser Posten neu besetzt werden. Thielemann ist seit 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle, Theiler wirkt seit der Spielzeit 2018/19 als Intendant an der Semperoper Dresden.

Entscheidung für die Zukunft

Die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch erklärte, dass mit diesen Personalien eine Zukunftsentscheidung für die Semperoper und Sächsische Staatskapelle getroffen wurde, wozu auch gehöre, "dass wir ab der Spielzeit 2024/2025 eine neue Intendanz berufen wollen. Und zu dieser Perspektive gehört auch die Chance, einen neuen Chefdirigenten oder eine Chefdirigentin zu berufen."

Barbara Klepsch, 2019
Barbara Klepsch Bildrechte: dpa

Unabhängig davon würde ich mich freuen, wenn Christian Thielemann mit seinem weltweit geachteten Profil auch weiterhin der Semperoper künstlerisch verbunden bleibt.

Barbara Klepsch, Kulturministerin Sachsen
Peter Theiler
Peter Theiler Bildrechte: Semperoper Dresden/Matthias Creutziger

Zur Zukunft der Semperoper erläuterte Klepsch in der Bekanntmachung: "Wir sehen dabei das, was heute gut ist und denken trotzdem an das Übermorgen der Oper". Ihr zufolge wird die Oper in zehn Jahren eine andere sein als heute, die Einrichtung werde dabei auch neue Wege gehen müssen zwischen tradierten Opern- und Konzertaufführungen und zeitgemäßer Interpretation von Musiktheater und konzertanter Kunst. Damit solle die Semperoper über die Stammgäste hinaus Anziehungskraft gewinnen. Auch das Verhältnis zwischen Opernhausbesuch und Nutzung digitaler Angebote ist für Klepsch Teil dieser Betrachtung. Für diese Fragen sieht sie aktuell ein "gut bestelltes Haus", für das nun "die Leitung für die Semperoper der nächsten Dekade" gesucht werde.

Konflikte in Dresden

Anfang des Jahres 2021 war es an der Dresdner Semperoper zu einem Streit um den Umgang mit den Corona-Schutzmaßnahmen gekommen. Intendant Theiler hatte Chefdirigent Thielemann darauf hingewiesen, dass Proben mit 100 Musikerinnen und Musikern auf der Bühne nicht ratsam seien und man sich besser auf ein kleineres Projekt beschränken solle. Thielemann hatte wiederum Theiler vorgeworfen, seine Arbeit zu behindern, worauf Theiler deutlich reagierte und von "völligen Fehldarstellungen und mangelnder Einsicht" sprach.

Zudem hatten fünf Musizierende der Staatskapelle beim Arbeitsgericht in Dresden ihr Recht auf Arbeit per einstweiliger Verfügung einklagen wollen. Das Gericht hatte die Klage jedoch zurückgewiesen, ebenso wurde eine Berufungsverhandlung durch das Landesarbeitsgericht in Chemnitz abgewiesen.

Theiler zeigt Verständnis für Personalentscheidung

Am Dienstag, den 11. Mai, äußerte sich Intendant Theiler zur personellen Entscheidung: "Die Entscheidung des Ministeriums, ab der Spielzeit 2023/24 die Weichen für die Semperoper unter dem Motto Zukunftsperspektive 'Semper 2030' neu stellen zu wollen, kann ich nachvollziehen", so Theiler. Zudem zeigte er sich erfreut, die künstlerische Ausrichtung der Semperoper als Haus mit internationaler Ausstrahlung noch drei weitere Jahre gestalten zu können und versichert: "Dies schließt selbstverständlich auch die konstruktive Unterstützung für Herrn Thielemanns kommende Projekte in unserem Haus mit ein."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Mai 2021 | 16:30 Uhr

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